Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 83-84 (28.10.1891)
- Date
- 1891-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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xxm Jahrgang. J\ß 83 ll. 84. Israelit... JeschlMlll. Mstzrlft m FSrtzrrms D. Geistes m ]tn. fentts io Mos. Smeiode m Zitzole. Kentrat-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von Dr. Lehma«« in Mainz. SIT Fernsprechanschluß unter Nr. 315 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Bockenheim, Hanau, Wiesbaden, Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Mittwoch, den 28. Oktober 5652 (1891). Leitender Artikel. Nach der Fefteszeit. Von Isaak Hirsch. Wenn der Festcyclus, mit welchem das jüdische Jahr einleitet, seinem Ende naht, wenn er uns den ganzen Ernst und die hehre Hoheit unseres Menschenberufs am ersten Tage des neu beginnenden Zeitabschnitts zum Bewußtsein gebracht und am Zehnten uns die Erhebung aus der Gesunkenheit, die Reinheit der Seele und die Befähigung zum rüstigen Fortschreiten auf der Bahn des Guten als das Gnadengeschenk Gottes gespM«tz^hHt, um während der Sukkoth-Woche uns den Aufbau unserer Hütten im unerschütterlichen Vertrauen auf den göttlichen Schutz und den heitern, reinen Genuß der Güter, die die Erde beut, zu lehren, dann ruft uns der letzte Tag „der achte" des Freudenfestes die Mahnung zu: mb rmn may, haltet fest alle die Lichtgedanken des Tischri, sammelt sie sorgfältig, daß euch keiner verloren gehe in dem nunmehr anhebenden Jahreslaufe der Arbeit, der Sorgen und Mühen, beharret in den Entschlüssen, die ihr vor Gott gefaßt, daß nnarn 't n*:n Q’Vinttf TinD’ daß nicht umsonst ihr am Rosch-Haschana, Jaum Kippur und Sukkoth vor Gott gestanden, daß vielmehr die hier empfangenen Wahrheiten feste Wurzel in eurem Herzen fassen und lebensfrische Blüthen und reiche Früchte zeitigen in eurem Leben, das sich wiederum in den gewöhnlichen Bahnen vollzieht. Weh uns, wenn wir diesen liiap-Rus Gottes überhören, wenn sich an uns nicht der „Segen der Feste" vollzieht in dem geläuterten Leben, in der innigeren Gottesfurcht, in der gewissenhaften Betätigung unserer Pflicht, in der größeren Weihe, welche jeden Moment unseres Daseins umfängt. Weh uns, wenn wir im heidnischen Wahn diese Tage und Wochen des Jahresanfangs verlebt, wenn wir nur für den ersten und zehnten Tischri uns losgelöst haben von einem Gott entfremdeten Leben, um für dieses „Opfer" uns einen Freibrief zu erkaufen für die Entheiligung der Sabbate, für die Entweihung unseres genießenden Lebens und nunmehr Gott und Seinen Geboten den Rücken wenden und uäV nwwo, in selbst geschaffenen Prinzipien wandeln. Der Segen der Festeszeit hat sich in unserem gewöhnlichen Leben zu bewähren. Wir huldigen mit Nichten Gott, wenn wir Ihm nur eine Minute, einen Tag, eine Woche der Andacht und Gottinntgkeit widmen, wenn wir nur in den gehobenen Momenten des Jahresanfangs Jh« den WS im* serer Verehrung darbieten. Wir dienen Ihm nur dann, wenn wir jeden Augenblick und jede Regung Seinem Gebote unterordnen, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit jeglichem Können und Wollen Ihm dienen, d. h. Seinen heiligen Willen, den Er uns in Seiner Lehre kundgethan, vollbringen. Unsere Festesfeier ist eitel Selbsttäuschung, wenn wir durch sie nicht zu dieser Erkenntniß und diesem Entschlüsse wahrhaftigen Gottesdienstes uns erheben. Darum hoben wir am zweiten Tage des Azereth-Festes, des Festes der Sammlung und des Verharrens, die Rollen des Gottesgesetzes aus dem heiligen Schrein und ttugen sie jubelnd in den Kreis der Gemeinde rniri nnoBQ ton wvl Denn die Freude, zu welcher dieser Jubelruf einladet, ist eben die hehre, seelige Wonne, die nur in der Bethätigung dieses einzig wahren, echten Gottesdienstes wurzelt. Sie ist das höchste vom Menschen zu erreichende Ziel. Sie ist die herrliche Blüthe der Festeszeit, die reife Frucht des Azereth-Gedankens. Zu ihr will uns der Schofar-Ernst, die Jom-Kippur-Sühne, die Lulow-Freude, das Sukkoth-Verttauen emporheben. Darum knüpfen wir an das letzte Wort, welches wir aus dem Gottesworte vorlesen, sofort das erste an, denn unser ganzes Sein wurzelt ausschließ-