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Der Israelit · 1891-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1891) · page 33

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1891)
Date
1891-10-14
Page
– (sequence 33)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Beilage ju./VS 81-^82 »--„Israelit kIeschvnm" Literarische Umschau. (Schluß.) 8. Mit dem Schicksal der armen Juden in Galizien und der Schenkung des Herrn Baron von Hirsch beschäftigt sich „Eine Studie von Ch. N. Reichenberg" (Wien 1891. Selbstverlag.) Um des einen Punktes willen, daß der Vers, auf die Nothwendigkeit von Gründung von Fabriken hinweist, will ich dieses Schristchen erwähnen. Der Vers, ist ein guter Kenner der galizischen Verhältnisse, er weiß, welche Industriezweige mit Erfolg dort gepflegt werden können, und in diesem Punkte ist er überzeugend. Die Schrift wäre aber wirkungsvoller, wenn aus derselben nicht eine ablehnende Haltung gegen die neu zu gründenden Schulen sich kund gäbe und eine Inschutznahme der durch den Chassidismus hervorgerufenen offenbaren Schäden in der dortigen jüdischen Bevölkerung. — Für die Kolonisation Palästinas durch die vertriebenen oder zur Auswanderung gezwungenen russischen Juden tritt Paul Demidow in einer Schrift „Wo hinaus? Mahnwort an die westeuropäischen Juden" (Charlottenburg 1891, Rudolf Jsaac) ein. Der Verf. ist ein genauer Kenner der Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina, er kennt deren Erfolge und Mißerfolge, weiß die letzteren zu erklären und so zu zeigen, wie mau sich in Zukunft vor solchen hüten könne. Er ist von seiner Idee begeistert und reißt den Leser hin, aber man führt solche weitgehende Projekte nicht mit dem Herzen aus, sondern mit dem Kopfe; nun kommt noch dazu, daß gegenwärtig die Türkei eine Ansiedlung ausländischer Juden nicht zuläßt. Fürs erste wäre nun dieser Widerstand zu besiegen, dann wäre ja eine weitere Kolonistrung unseres Stammlandes durch unsere Glaubensbrüder erwünscht. Daß aber Palästina einzig und allein das Land sein könne, wohin unsere bedrückten Brüder sich zu wenden hätten, darin haben uns die drei vom Verf. aufgeftellten Gründe nicht überzeugen können. Wenn nun der Verf. die Meinungsverschiedenheit über die Opportunität der Kolonisation des h. Landes auf verschiedene religiöse Standpunkte zurückführt und die „Jüdische Presse" und die Herren Rabb. Dr. Hildesheimer und Dr. Salveiidi in Gegensatz betreffs ihres religiösen Standpunktes zu den „extremen" Wochenschriften „Israelit" und „Jeschurun" (vor der Vereinigung der beiden Blätter) bringt, so beweist dies, daß der Verfasser über die Verhältnisse der jüdischen Parteien in Deutschland nicht ganz im Klaren ist. Nebenbei sei aber noch bemerkt, daß mir eine Gegnerschaft des „Israelit" gegen das Kolonisationsprojekt u. die Kolonisirungen nicht bekannt ist. (Uns auch nicht. Red.) Mögen Fachmänner und Kenner die Argumente des Herrn Demidow prüfen, sind sie stichhaltig und ist die türkische Regierung zur Erlaubniß der Einwanderung zu bewegen, dann wäre es ja ein Glück, wenn wir für die Ausgewanderten nicht auf Argentinien allein angewiesen wären. — Als gern gesehener Freund kehrt zum 39. Mal der „Jüdische Volks- und Hauskalender (früher Liebermann) für das Jahr 2inn-l892 wieder. Das Kalendarische, sowie das Literarische ist gut bedacht. Auch dieses Buch steht unter dem Zeichen der Zeit; das schwungvolle und tiefgefühlte Gedicht „Ausgewiesen" von G. Stahl wird dem Kulturhistoriker einer späteren Zeit einmal erzählen können, wie herrlich weit wir es an der Neige des 19. Jahrh. gebracht haben; hier ist kein Zweifel möglich, die Jahreszahl stehtauf dem Titelblatt. Die zwei Erzählungen von dem Herausgeber, Rabb. Dr. Bra un, sind ebenfalls zeitgemäß „Heute in Rußland" und „Vor vierhundert Jahren inSpanien"; heute dort gerade so, wie einstens in dem Lande, welches im nächsten Jahre den 400jährigen Gedenktag seines Sieges über den Rest der maurischen Herrschaft und der Vertreibung der Juden begeht, in dem aber auch die Welt den Gedenktag der Entdeckung des Landes der Freiheit feiert! Man merke sich die Philosophie der Weltgeschichte! Ergreifend ist die hübsche Erzählung „Todtenfeier" von Dr. Treitel; „Bibelkritik" von S. Sommer geißelt jene Helden, die, um ihr Ntchtverstehen zu entschuldigen, an den Worten der Bibel drechseln und verschlimmbessern und durch abfälliges Urtheilen die Ehrfurcht vor dem Buch der Bücher bei der Jugend erschütteru. „Ein altes Testament" und „Der hebr. Buchdruck in Breslau", beides vom Herausgeber, sind zwei werthvolle Beiträge zur Kenntniß der Biographie und Bibliographie; erstere Abhandlung ist auch ein Hinweis, wie der Jude sein praktisches Judenthum im Dienste seiner Nebenmenschen versteht. Einer besondern Empfehlung bedarf dieser Kalender nicht. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantworUich. Ein für die Pflege der Haus- und Concert-Musik unendlich wichtiges Unternehmen begrüßen wir in der Veröffentlichung der Musikalischen Universal-Bibliothek von Felix Siegel in Leipzig, welche eine Fülle herrlicher Tonschöpfungen klassischer und moderner Musik auf allen Gebieten bringen. Klaviermusik zwei- und vierhändig, Lieder, Arien rc. werden uns in einer sorgfältigen Auswahl geboten. Stich und Druck sind vorzüglich zu nennen und leistet der eminent billige Preis dem Unternehmen den größten Vorschub.

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