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Der Israelit · 1891-10-07 · Heft 79-80 (7.10.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 79-80 (7.10.1891)
Date
1891-10-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1512 dort ansässige jüdische Kaufmann Herr A. Rhee einstimmig zum Schiedsmann gewählt worden. Pefth. Einem Gesuche der „Pesther Chewra Kadischa", ihr zu Friedhofzwecken 71 Joch Grund zur Verfügung zu stellen, wurde vom hauptstädtischen Verwaltungsausschutz einstimmig Folge gegeben. Smyrna, 28. September. Der „N. Fr. Pr." wird telegraphirt: Die ersten jüdischen Auswanderer aus Rußland sind^ in Smyrna angekommen. Sie werden auf Kosten der jüdischen Gemeinde verpflegt. Es werden noch weitere Auswanderer erwartet, da Baron Hirsch größere Terrains in der Ebene von Sanct-Anna erworben hat. St. Franzisko. Am 2. Ab hat Dr. Vidaver und Eres Tischoh Beab Dr. Levi eine Trauung dahier vollzogen. Commentar unnöthig. F e u il l e ton. Hiftorische Erz äh lnng von Ernst Schwarz. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Unwillkürlich blieb er stehen und wandte sich zu ihr. Sie nestelte an den schweren, goldenen Armbändern, die ihre Handgelenke zierten, sie waren das erste Geschenk ihres Verlobten. Jetzt hatte sie sie abgenommen und schob sie auf dem Tische ihm zu. „Da — da — nimm! — die andern Sachen muß ich erst zusammensuchen — und gib' mir auch zurück, was ich Dir gegeben." „Tirza!" schrie er auf, „was soll das bedeuten?" — „Daß unser Verlöbmß zu Ende ist", flüsterte sie mit geisterbleichen Lippen. Die Eltern sahen einander mit strahlenden Blicken an, doch noch verhielten sie sich vollständig passiv. Barnch jedoch stürzte mit wildem Aufschrei auf das junge Mädchen zu. „Nicht! nicht, Tirza! nicht!" schrie er, „ich kann nicht leben ohne Dich! — ninim' Dein böses Wort zurück!" „Ich kann nicht", versetzte sie leise, aber mit Bestimmtheit. „Aber warum nicht? — großer Gott — warum nicht? — Du weißt es wohl, Dir zu Liebe würde ich nicht nur einen Tag fasten, sondern auch zehn Tage — so viele Du willst — nur morgen ist es mir nicht möglich — entgegen dem ausdrücklichen Verbote des Messias —" „Und wenn Du auch mir zu Liebe inorgen fasten würdest, so hätte auch das in meinen Augen keinen Werth, und würde ich auch darum nicht mein Wort zurücknehmen — denn, wenn unsere Anschauungen so weit auseinandergehen —" „Tirza!" flehte er, „habe Erbarmen! — Du weißt, wie treu, wie aufrichtig ich Dich liebe. — Onkel! — Tante! — bittet Ihr für mich!" Aber Tirza's Eltern zuckten die Achseln. „Wir können ihr nicht zureden," sagte Rabbi Juda, „denn sie hat recht, eine Verbindung zwischen Euch beiden würde bei Deiner jetzigen Anschauungsweise nicht zum Glücke führen." Noch lange bat und flehte der verzweifelnde junge Mann, doch Tirza blieb bei ihrer Weigerung. Aber das Auge der Mutter gewahrte, wie ihr Athem immer rascher und kürzer wurde und plötzlich zu stocken schien. — Die Augen fielen ihr zu, wie Hilfe suchend, streckte sie beide Arme aus. — Nasch war die Mutter an ihrer Seite und umschlang die jetzt vollständig Ohnmächtige. „Was ist ihr?" stammelte Baruch angsterfüllt, „gerechter Gott! — sie wird doch nicht sterben?" „Sei unbesorgt," entgegnete seine Tante flüsternd, indem sie der Ohnmächtigen die Stirn mit kaltem Wasser bestrich, „sie wird gleich wieder Zu sich kommen." „Aber Du mußt Dich entfernen," fügte Rabbi Juda erregt hinzu, „Tirza bedarf der Ruhe." „Darf ich wenigstens warten, bis sie die Augen wieder aufschlägt?" Ihr Vater schüttelte verneinend den Kopf. „Du mußt Dich jetzt gleich entfernen." Der junge Mann stieß einen tiefen, schmerzlichen Seufzer aus, daun ergriff er die Hand seines Onkels und drückte sie mit wilder Heftigkeit. „Sprich' für mich, Onkel, daß Tirza andern Sinnes wird — ich kann ohne sie nicht leben!" „Geh! geh!" flüsterte Rabbi Juda, indem er den Neffen zur Thüre drängte, „sie kommt zu sich, sie darf Dich jetzt nicht sehen." Baruch hatte in der Thal kaum das Zimmer verlassen, als Tirza tief aufathmete und gleich darauf die Augen aufschlug. „Wie fühlst Du Dich jetzt, liebes Kind?" fragte die Mutter, zärtlich besorgt in das bleiche Antlitz ihres Kindes schauend. Tirza antwortete nicht sogleich, es schien ihr noch nicht klar, was mit ihr vorgegangen, sie strich sich mit der Hand über die Stirn und blickte wie suchend um sich, da fiel ihr Auge auf die Armbänder, die Baruch trotz allem nicht an sich genommen hatte. Dunkele Gluth überzog plötzlich das Angesicht des bleichen Mädchens, doch nur für einen Moment. Sie richtete sich auf und ließ den Blick umherschweifen. „Er ist fort," flüsterte sie, „und hat die Armbänder nicht genommen." „Wenn Du es wünschest, können wir sie ihm schicken", sagte die Mutter sanft. „Ja — ja — alles zusammen — ich will die andern Sachen hinzulegen." Sie schien aufstehen zu wollen, die Mutter hielt sie zurück. „Noch nicht," bat sie, „der Anfall könnte sich,

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