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Der Israelit · 1891-09-28 · Heft 77 (28.9.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 77 (28.9.1891)
Date
1891-09-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXn. Jahrgang. BeilageM 77 „Israelit Iescharun- Leitender Artikel. „Der Antisemitismus, cm Krebsschaden, der am Marke unseres Zlotkes frißt." 8. Unter diesem Titel hält der strenggläubige Protestant, Domänenbesitzer I. Pestalozzi, in einer Broschüre (Leipzig 1891. Akadem. Buchh.) strenges Gericht über die Antisemiten Böckelscher und Stöckerscher Richtung. Daß gerade der Antisemitismus das, was er erhalten zu wollen vorgibt, die christliche Sitte und Gesinnung des deutschen Volkes, vollständig vernichtet, daß das Christenthum des Antisemitismus nichts anders als eine Karrikatur sei und so das deutsche Volk in seinem heiligsten Besitz schädige, daß das rohe Auftreten der Antisemiten, die den Bauern geradezu zu Gewaltthätigkeiten gegen die Juden auffordern, und so bei jenen alle Rechtsbegriffe verdrehen: Das wird hier von dem wackern Verfasser nachgewiesen, den nicht Judenfreundschaft zu seinen Auseindersetzungen veranlanlaßt, der nur der Wahrheit die Ehre geben will, dem es um sein Christenthum ernst ist, und der auch da unsere Achtung verdient, wo er uns manche Wahrheit sagt, die uns vielleicht nicht angenehm ist, und manches, das wir aus Prinzip nicht annehmen können. Zuerst beschäftigt sich der Vers, mit dem Antisemiten-Katechismus, der voll von Verdrehungen der Erzählungen im A. T. ist, der die Helden des A. T. mit Koth bewirft und den Gott des A. T. mit Blasphemien in ergiebiger Menge bedenkt. Aber auch das N. T. wird gefälscht, und um nicht einzugestehen, daß das Christenthum aus dem Judenthum hervorgegangen sei, um diesem nichts verdanken zu müssen, wird dieser Zusammenhang trotz aller dieses beweisender Stellen in den Evangelien, den Apostelbriefen u. s. w. geleugnet und dem Stifter der christlichen Religion eine andere Abstammung als die bisher tradirte, zugewiesen, nämlich eine arische, so daß das Christenthum ein arisches sei. Zu diesen Auseinandersetzungen bemerkt nun der Verf. ganz richtig: „Nun, das „ „arische Christenthum der deutsch-sozialen Antisemiten"" ist allerdings keine Fortsetzung des semitischen Judenthums, es ist aber auch kein Christenthum in des Wortes wirklicher, einziger Bedeutung, sondern arisches Heidenthum und zwar in sehr deutlich erkennbarer Form." Und an diese Bibel- und Christenthumfälscher schließt sich Stöcker an. „Heute sehen wir ihn", so sagt der Vers, bei der Beleuchtung antisemitischer Agitation, „Hand in Hand gehen mit Leuten, deren Auftreten bei jedem wahrheitsliebenden, zum Christenthum sich bekennenden Menschen eine gerechte Entrüstung Hervorrufen muß. Man kann Stöcker um dieses fortschreitenden Tiefersinkens willen bedauern, allein man darf sich nicht verhehlen, daß dasselbe als ein Gericht zu betrachten ist, das er selbst auf sich herabgezogen hat. Es wird für unser Volk heilsam sein, wenn es diesen Mann nach seinem wahren Wesen erkennen lernt, damit esihn nicht längerfür einen Vorkämpfer wahren Christenthums halte, der er nicht ist. Anstatt mit aller Scheu und Sorgfalt jede Verbindung mit Fälschern des Christenthums vom Schlage der Deutsch-Sozialen zu meiden, reicht er ihnen, wo es immer angeht, die Hand, um mit ihrer Hilfe seine sozialen bezw. antisemitischen Ziele um so besser verfolgen zu können." Und weiter: „Hat dieser „„evangelische"" Hofprediger a. D. wirklich ein Verfländniß für evangelisches Christenthum und die Pflichten seiner Bekenner? Könnte er, wenn er es besäße, wie er es in Darmstadt gethan hat, seine Reden schließen mit den Worten: Gott walte, daß die christlich-sozialen und deutschen Volksvereine blühen,wachsenu.gedeihen? Stöcker selbst muß auf diese Fragen eine Antwort geben." Der fromme Hofprediger a. D., der „zweite Luther", wie ihn seine Anhänger neuen, geht mit den bibelfälschenden „Deutsch-Sozialen" Hand in Hand, die gewiß in den Augen aller derer, welche an der Bibel festhalten, tief sinken werden, wenn sie die Auseinandersetzungen Pestalozzi's gelesen. „Ich muß hoffen", fährt dann derVerf. fort, „und wünschen, daß Stöcker, soweit er es verdient, ihr Schicksal theile und wenigstens soweit das Vertrauen seiner Volksgenossen verlieren möge, daß man einmal anfängt, das Gebühren dieses Mannes gründlich zu prüfen." Unter solchen Umständen ist ja das ganze Christenthum Stöckers sehr verdächtig, und mit Recht weist der Verf. auf einen Vorgang im Abgeordnetenhaus hin, der ein gar eigenthümliches Licht auf die Scheu und Ehrfurcht dieses Mannes vor christlichen Institutionen wirft. Es ist der Vorgang über den Fall Kronecker, bei welcher Gelegenheit Stöcker bemerkte, daß jener freilich getauft sei, aber man doch wisse, daß das jüdische Blut vielfach nachwirke. Hier bemerkt nun der Verf. „Wenn

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