Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 74. XXXH.IJahrgang. //' "Israelit... Icschuill». Mslhüft m FSrdttW D. Gristes Md iSü. Krdtlls ill Ws. GmAdk «d 5-«lr. Gentral-Hrgan für das orthodoxe Judenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 17. September 5651 (1891). Da mit dem 1. October 1891 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten |Mf Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Die jüdische WoyltyäligKeit eine öffentliche Gefahr. 8. Das ist ungefähr der Gedankeninhalt eines „Jüdische Stiftungen" überschriebenen Artikels des konservativen „Reichsboten" vom 9. September. Der Antisemitismus ist an die äußerste Grenze seiner Leistungsfähigkeit gekommen und darum sucht er nach neuen Motiven. Mit den alten Lügen will es freilich nicht mehr gehen, da sagt man einmal die Wahrheit, und die Wahrheit ist es, daß die Juden für Wohlthätigkeitszwecke viel Geld übrig haben; nun sollte man meinen, das wäre etwas, was die Anerkennung selbst des Feindes verdient, namentlich eines solchen, der in allem seinen Thun und Lassen, in allen seinen Bewegungen und Gebärden es nicht versäumt, mit frommem Augenaufschlag nach oben zu blicken und de- und wehmüthig die Last seines elenden Menschendaseins zu tragen scheint. Doch weit gefehlt; da soll mit Zahlen nachgewiesen werden, wie das Wohlthun der Juden eine große Gefahr in sich birgt, und wie gerade dies der europäischen Christenheit eine Furcht vor den Juden einjagen muß, die nur durch geeignete Mittel gegen die staatliche Stellung der Juden beseitigt werden kann, und so wird die allseitig anerkannte große Wohlthätigkeit, welche die Juden üben, als eine Waffe gegen sie gewendet, um sie zu verwunden. Der Vers, refurrirt auf die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten in Frankfurt a. M., die erst seit 1844 entstanden seien und über eine Summe von 7 V2 Mill. Mark verfügen. Seit der Emanzipation haben die Juden gesucht, Stiftungen zu gründen, was eigentlich eine christliche Einrichtung sei, aber nicht religiöse Zwecke zu fördern; jüdische Stiftungen seien in Frankfurt für religiöse Zwecke überhaupt nicht gemacht worden, sondern seine Sonderstellung sozial zu stärken; das Judenthum will also seine Sonderstellung nicht aüfgeben, entspreche also gar nicht den Voraussetzungen, unter denen es emanzipirt worden sei. „Gleichzeitig ergibt sich daraus, daß es lediglich unwahre Taktik ist, wenn die jüdische Presse die Klagen des christlichen Volks über die soziale Sonderstellung der Juden immer als gegen die Religion der Juden gerichtet darstellt und die Juden als religiöse Märtyrer erscheinen laßt, um den schützenden Schild der Toleranz über ihre sozialen Ausschreituugeu halten zu können." - Von der Geschichte der Stiftungen, welche «sch dem Verf. „bekannklich eine christliche Einrichtung" sind, und die die Juden erst nachgeahmt haben sollen, wie speziell von der Geschichte der jüdischen Stiftungen in Frankfurt a. M., die aktengemäß um Hunderte von Jahren zurückreicht, scheint der Verf. keine Ahnung zu haben: wir rechten darüber nicht mit ihm. Aber sehen wir uns einmal Folgendes an. „Die christlichen Stiftungen sind als Werke der Liebe aus dem Glauben geboren und wurden deßhalb auch immer in die Hände der Kirche oder kirchlichen Institute gelegt." Die jüdischen Stiftungen hingegen werden „nur in sehr geringem Maße für jüdisch-religiöse, sondern vielmehr für jüdisch-soziale Zwecke bestimmt, um die soziale Sonderstellung der Juden zu stärken." Was fördert denn nun das christliche Sttftungswesen: „sie begründeten und dotirten Kirchen, Schulen, Hospitäler" — und die jüdischen? Der Verf. sagt: „Jüdische Stiftungen für religiöse Zwecke sind in Frankfurt a. M. überhaupt nicht gemacht worden; vielmehr vertheilen sich die jüdischen Stiftungen auf 22 für Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungszwecke . . . . , auf 17 Stiftungen für Armen- und Krankenpflege .... und auf 4 Stiftungen für sonstige soziale Zwecke." Bei den Christen sind also