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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 24)
Language
German
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1376 i Hannover, Cassel 2c. legt den Jünglingen, welche meist aus wenig bemittelten Familien hervorgehen, große Opfer auf und macht die Inanspruchnahme von Stipendien Seitens der Vereine und einzelner Wohlthäter fast in der Regel unentbehrlich. Das beschämt, drückt und hemmt die freie, frohe Entfaltung des Menschen im Menschen rc. :c. feiet wird die Gewährung von Stipendien seitens der Königlichen Regierung nahezu garantirt: somit ist reiche Gelegenheit zu schöner Entwickelung der Zöglinge gegeben. Auch die Unterkunft auswärtiger Schmer läßt sich der AnstalLsdirektor angelegen sein: es werden ihnen Pensionen, in denen ein streng rituelles Leben geführt wird, angewiesen. Ein schönes Zeichen von Toleranz ist es ferner, daß die Anstalt, bei genügendem Besuche jüdischer Schüler, diesen einen eigenen Gottesdienst in der Anstalt selbst einrichtet. Dadurch sollen die Schülerbefähigt werden, später einmal allen Anforderungen als Vorbeter genügen zu können. Auch dies verdient lobende Erwähnung, denn es macht sich mehr und mehr das Bestreben der jüdischen Gemeindeverwaltungen Deutschlands geltend, mit der Leitung des gesanglichen Theiles des Gottesdienstes einen Mann von Bildung zu betrauen, einen Mann, der zugleich das Lehramt in der Gemeinde ausübt. Dieses Prinzip muß ganz bestimmt als richtig anerkannt werden. Denn, wenn der Lehrer seinen begeisterten Worten in der Schule die Begeisterung in Tönen im Gotteshause folgen läßt, kann das aus das Gemüth der Jugend seinen Eindruck nicht verfehlen, und in der Jugend liegt die Zukunft. Die Gemeinden Schlesiens und Polens haben das größte Interesse daran, ihre Jünglinge, die sich dem Lehr- und Cantorberufe widmen wollen, dorthin zu führen, wo sie in jeglicher Beziehung zu würdigen Beamten ausgebtldet werden. Aus Bayern. Die Verwaltung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern erstattet hiemit dessen Mitgliedern und Gönnern Bericht über Stand und Thätigkeit desselben für das 11. Jahr seines Bestehens. Da dessen Vermögen seit dem Jahre 1885 durch Erlaß des K. Staatsministeriums zu einer Wohlthätigkettsstiftung erhoben wurde, so ist die administrative Leitung desselben der Aufsicht der K. Regierung unterstellt. Von dieser hohen Stelle wurde wie bisher auch in ' diesem Jahre die Rechnungsablage genau geprüft und unbeanstandet zurückgcgeben. Wie aus dem Rechnungsabschlüsse ersichtlich ist, verfügt der Verein bereits über ein Vermögen von 20,000 M. und hat derselbe im verflossenen Jahre an Unterstützungen 940 M. verausgabt. In Bezug auf die schon vielfach ventiltrte Frage der Besserstellung -der Religiouslehrer resp. der Regelung deren Pensionsverhältnisfe und deren Beitritt zur Wittwen- und Waisenkasfe der bayrischen Volksschullehrer fxub bereits die erforderlichen Schritte gethau und wird bei der nächsten Generalversammlung hierüber berichtet werden. Wir wollen au dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, daß auch auf geistigem Gebiete der Verein nicht unthätig war. So wurden in seiner jüngsten Generalversammlung wieder verschiedene, für die Schule sehr wichtige Disziplinen eingehend besprochen und sehen wir auch in dieser Hinsicht mit voller Zuversicht einer ferneren recht ersprießlichen Thätigkeit des Vereins entgegen. Auf einen Antrag des Herrn Nußbaum- Wiesenseld wurde die Ausarbeitung eines Stoffvertheilungsplanes für die jüdische Religionsschule beschlossen, welcher dann der nächstjährigen Generalversammlung vorgelegt werden soll. Herr Oppenheimer-Leutershausen sprach über „Religionsschule und Religiouslehrer." Referent zog insbesondere Methode und Leistungen der Religionsschule, sowie die Stellung des Lehrers innerhalb derselben in den Kreis seiner Betrachtung. Es liegt uns nun noch die traurige Pflicht ob, von einem herben Verluste zu berichten, den der Berein betroffen hat. Im August v. I. schied unser allverehrter, seit der Gründung des Vereins bis zum Jahre 1887^ gewesener Vorstand, Herr Schuldirektor Ludwig Stern-Würzburg aus diesem Leben in ein besseres Jenseits. Was der theure Verblichene, mit seinem edlen Charakter, seinem klaren Denken, seinem schlagfertigen Worte und seinem reichen Wissen der i-vchnle und uns war, ist uns allen noch lebhaft im Gedächtnisse, und wollten wir das alles eingehend schildern, so würde es den Rahmen einerkurzen Berichterstattung weit überschreiten. Wir beschränken uns daher, nur unserem innigsten Schmerze über diesen schweren Verlust hiedurch mit dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß der Geist des Edlen in uns fortlebc, und er im Jenseits reichlich den Lohn für sein Wirken ans Erden genießen möge. Sein Andenken bleibe ein gesegnetes! Briefkasten der Redaetion. Herrn Lehrer K. in R.r-, Herr Lehrer R. in N. Wir bitten um Geduld- Ihre Arbeiten werden gebracht. Wir haben Arbeiten über ein Jahr in Händen und diese gehen doch vor. Verantwortliche Redaetion: Oscar Lehmann in Mainz.— Expedition des „Israelit" u. „Jeschnrnn", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei - Actien-Gesellschaft in Mainz.

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