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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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xxxn. JahrgtWg. Erft« Beilage s« M 72 ins „Israelit & Jeschurun" Zeitttttgsuachrichte» und Correspon-euzen. Deutschland. München, 7. Sept. Professor Dr. Gr ätz aus Breslau, der zum Besuche seines Sohnes, des Professors der Mechanik Dr. Grätz hier weilte, ist heute früh gestorben. Grätz ist im Jahre 1817 zu Xions in Posen geboren. In Breslau ftudirte er jüdische Theologie und wurde dortselbft im Jahre 1854 Lehrer am Rabbinerseminar und 1870 außerordentlicher Professor an der Breslauer Universität. Beide Stellen hat er bis zu seinem Tode bekleidet. In elf Bänden hat er eine „Geschichte der Inden von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart" geschrieben. Dieses Werk, von seinen Schülern 'und Anhängern vielfach überschätzt, wurde von anderer Seite wegen seiner Tendenz und Einseitigkeit mit Recht bekämpft und verurtheilt. Seit 1879 gab Grätz im Vereine mit P. Frankl die von Z. Frankel 1841 begründete „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" heraus. Aus Buden. Der Grotzherzog hat unterm 28. August dem außerordentlichen Professor Hofrath Dr. Moos an der Universität Heidelberg -den Charakter als Honorarprofessor verliehen. Frankreich. Paris, 8. September. Dem Gesundheitsrath wird gemeldet, daß die Cholera in: Vilayet Aleppo zunimmt. Die Gesammtzahl der Todesfälle beträgt 2000 bis 2500. Die Juden verließen die Stadt in Folge von Drohungen, lieber 7000 flüchteten in die Umgegend. Die Seuche verbreitet sich hauptsächlich nach Norden und Osten, weniger nach der Küste des Mittelmeers, dem Vilayet Damascns und Beyrut zu. Marseille, 4. September. Mit dem französischen Packetboot „Sindh" trafen 37 aus Rußland vertriebene Juden hier ein, welche versucht hatten, in verschiedenen syrischen Häfen zu landen, jedoch znrückgewiesen wurden. Rußland. Odessa. Die „Od. Ztg." berichtet, daß neuerdings wieder sechszehn jüdische Familien aus Palästina nach Odessa zurückkehrten. Nach Aussage derselben ist die Lage der Juden in Palästina höchst bedauernswerth. Ihre Rückkehr nach Rußland haben diese 16 Familien einem Ausländer zu verdanken, der denselben das Reisegeld und noch jeder Person 10 Francs schenkte. Dänemark. Kopenhagen, 4. September. Der Agent des Baron Hirsch, Sir Arnold White, hatte gestern eine Audienz beim Zaren auf Schloß Fredensborg. Anscheinend ist diese Audienz für Mr. White von Erfolg gewesen, denn in einigen Tagen soll derselbe wiederum eine Audienz haben. Vermischtes. -4- Berlin. Zu der mit einem Betrage von 75,000 Mk. hier bestehenden Simon und Hermann Böhm'schen Stiftung hat einer der Mitbegründer weitere 70,000 Mk. zur Verfügung gestellt, unter der Bedingung, daß der Name der Stiftung in Simon, Hermann und Ella Böhm-Stiftung und der Zinsbetrag am 31. Mai jährlich zu zwei Drittel an christliche, zu einem Drittel an jüdische Bewerberinnen vertheilt wird, endlich die Stadtgemeinde Berlin die Verpflichtung übernimmt, ein (Grundstück kostenfrei zur Errichtung eines den Stiftungszwecken dienenden Hauses herzugeben, wenn die Stiftungskapitalien, deren Vermehrung durch weitere Zuwendungen in der Absicht der Stifter liegt, die Höhe von 400,000 Mk. erreicht haben werden. Der Magistrat hat beschlossen, zur Vermehrung jder Stiftung die landesherrliche Zustimmung nachzusuchen. Hagenau, 5. Sept. Seit gestern weilt dahier Ober- Rabbiner Dr. Weilt von Straßburg und weift die hiesige Synagoge dieserhalb einen sehr geschmackvollen Festschmuck ans. Seine Predigt beim heutigen festlichen Gottesdienste hat bei der israelitischen Gemeinde, welche Herrn Dr. Weill einen schönen silbernen Pokal überreichen ließ, sehr angcsprochen. Ratibor. Der Schächter der jüdischen Gemeinde in Leopschüst, Leopold R., war vom Schöffengericht zu Leobschütz wegen Diebstahls zu einer Gefängnißstrafe von 3 Tagen verurtheilt worden. R. hatte im August v. I. in dem Schlachthause des Fleischermeisters Botik in Bauerwitz ein Rind geschlachtet. Bei dieser Gelegenheit sollte nun R. ein Stück Fleisch in seiner Rocktasche haben verschwinden lassen. Ter Fleischermeister Kosellek wollte von dem Fenster seiner gegenüberliegenden Wohnung den Hergang beobachtet haben. Gegen das Nrtheil des Schöffengerichts legte R. die Berufung ein. Es gelang ihm vor der Strafkammer den Nachweis zu fuhren, daß Kosellek von seiner Wohnung aus nicht im Stande war, das Schlachten des Rindes zu sehen. Ter Gerichtshof erkannte demgemäß ans Freisprechung. Feuilleton. Ein Bndelrrief. Homburg v. d. H., 8. September. Der Prinz von Wales und mit ihm der Hochadel Englands verläßt heute unseren reizenden Gebirgscurort, die Hotelbesitzer verabschieden ihre Kellner und Hausburschen und das „Winterhörnchen" bläst mit seinem Mahnruf an die heranuahende ernste Zeit auch den letzten Rest der jüdischen Badegäste fort, für die die Neige der Saison zugleich

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