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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXll Jahrgang. M 72. /■ Israelit»«> Ieschurun. Mslhüst M FiirdNW D. Geistes M W. Ktdeis in Mur. Gmeindk m Krhslk. Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IQ. September 5651 (18ftl). Leitender Artikel. Das Monopol des „Reichsherold". Die Antisemitenführer verlangen: 1) Den Juden sind alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte abzuerkennen. 2) Den Juden ist der Handel jeder Art zu verbieten. 3) Die Juden sollen sich mit Handarbeit aus dem Handwerk oder durch L a n d w i r t h s ch a f t ernähren. Aus der Aberkennung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte folgt mit unabwendbarer Nothwendigkett, daß in Zukunft kein Jude mehr Arzt, Apotheker, Advokat, Lehrer an höheren Schulen, Offizier, Richter, Verwaltungsbeamter u. s. w. werden kann. Und hieraus ergibt sich für die genannten Stände, daß sie für sich und ihre Nachkommen von der jüdischen Konkurrenz befreit sind. Durch die Ausschließung der Juden von Handel und Gewerbe wird der Stand der Kaufleute und Gewerbetreibenden ebenfalls ohne jüdische Konkurrenz arbeiten. Eine zwingende Folge dieser Verhältnisse wird für die Juden die sein, daß dieselben, sofern sie nicht vorziehen auszuwandern oder zu verhungern, zum Betriebe der Landwirthschaft, eines Handwerks oder zu schweren Handarbeiten greifen müffen. Ist dieser Fall eingetreten, dann gehören die Juden sammt ihren Nachkommen ausschließlich diesen drei Ständen an, aber nicht freiwillig, sondern durch gesetzliche Maßregeln genöthigt. Menschen jedoch, die für sich und ihre Nachkommen durch staatliche Anordnungen von gewissen Berufsarten ausgeschlossen und zur Ergreifung anderer Erwerbszweige gezwungen werden, find keine freien Menschen mehr, sondern Leibeigene. Und die Stände, denen sie zugewiesen werden, hier also der Bauern-, Handwerker- und Arbeiterstand, erhalten mit dieser Ueberweisung den Stempel der Unfreiheit aufgedrückt. Und hierin liegt der Schwerpunkt unserer heutigen Antisemitenbewegung; denn aus diesen Verhältnissen muß mit Nothwendigkett eine strenge Scheidung der höheren Stände von den niederen erfolgen. Hierdurch werden wir zunächst in unserer freiheitlichen und rechtlichen Entwicklung um mehr als 150 Jahre zurückgeworfen. Zu jener Zeit war es doch blos der preußische Offizierstand, der sich nur aus dem Adel des Landes und aus sich selbst ergänzen durfte. Die heutige Bewegung dagegen wird dazu führen, daß mit Ausnahme der katholischen Geistlichkeit in Zukunft alle übrigen höheren Berufsarten nur noch von solchen ergriffen werden können, welche den höheren Berusszweigen durch die Geburt entstammen. Dies ist in Rücksicht auf unsere bereits erreichte Kulturstufe eine schreiende Ungerechtigkeit, die sich in Bezug auf den Fortschritt der Kultur uueudlich schwer rächen mutz. Sehen wir denn nicht, wie unendlich weise es der Schöpfer eingerichtet, daß die Mehrzahl der Söhne weder Lust noch Fähigkeit besitzen, den Beruf des Vaters zu wählen. Diese weise Maßregel des Schöpfers gleicht unendlich viel aus. Durch sie wird den verschiedenen Ständen immer wieder frisches Blut, neue geistige Kraft zugeführt. Jedem ist hierdurch das Feld frei gegeben, um Hohes zu erringen. Sehen wir uns doch um! Sind nicht zu allen Zeiten die meisten der hervorragendsten Männer aller Berufsarten aus den sogenannten unteren und mittleren Ständen hervorgegangen? Haben nicht wiederum häufig die begabtesten, fähigsten Beamten die unfähigsten Söhne? Luft und Wasser müssen in steter Bewegung sein, wenn sie im Haushalte der Natur wohlthätig wirken sollen. Darum auch auf geistigem Gebiete freie Bewegungen und hinweg mit allen Maßregeln, die unbedingt einen Stillstand und Rückgang zur Folge haben müffen. Ich bin überzeugt und will diese meine feste Ueberzeugung hier ausdrücklich betonen, daß die unendlich große Mehrzahl der Antisemiten dieses Ziel

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