Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1891)
- Date
- 1891-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1839 Bekehrungsgeschichte ist typisch für die von der Mission über Judentaufen oft wiederholten Berichte. Dieser gelehrte „Morenu" empfindet Seelenpein; eine innere Stimme sagt ihm, er solle die Ruhe durch Glaubenswechsel finden; er richtet Fragen an einen Rabbi in Dresden über Jesaia 53; erhält von diesem die „vertrauliche Antwort", daß hier der Stifter des Christenthums gemeint sei; er wendet sich auch an andere Juden, um Antwort auf Fragen über das alte Testament, kann aber solche nicht erhalten und bricht nun völlig mit dem Judenthum. Von ihm exiftirt ein dreibändiges Werk: Israels verlossinge en eeuwige behoudenis! Was doch Alles ein ehemaliger Bachur fertig bringen kann! In England regte sich damals das Streben zur Bekehrung der Juden. Von den Uebertritten sei hier Sampson de Rehuel Abudiente, später Sampson Gideon genannt, Sohn des reichsten englischen Juden. Die Nachkommen der großen Handlungshäuser Abraham und Jakob Franco ließen sich sämmtlich taufen; ebenso die älteren Söhne von Ephraim Aguilar, die Kinder von Jacob Israel Bernal; Ricardo, der Nationalökonom; die Wittwe Da Costa Villaredl mit Kindern. Um die Wirksamkeit der Judenmission im gegenwärtigen Jahrhundert würdig einzuleiten, entwirft De le Roi eine Schilderung der Juden, welche ganz den Stöcker'schen Geist athmet, und dabei soll die Mission der Ausfluß der innigsten Liebe für Israel sein! Wir empfehlen dieses Kapitel allen denen, die sich von dieser Liebe überzeugen wollen. Wenn Herr De le Roi übrigens meint, daß das Judenthum seiner Auflösung sicher entgegengehe und dieser Verfall auch durch die „Neu-Orthodoxie", als deren „bedeutendsten Vertreter er Samson Raphael Hirsch in Frankfurt a. M., dem Rabbiner Lehmann in Mainz zur Seite steht", bezeichnet, nicht aufgehalten werden könne, so wollen wir doch bemerken, daß das Judenthum in unverwüstlicher Kraft und unzerstörbarer Lebensfrische' sich weiß. Es ist ewig wie Der, der es am Sinai verkündet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Ellul. Wir haben soeben ein Stück Alt-Berlin in die kühle Gruft gesenkt. Unter zahlreichem Geleite wurde die sterbliche Hülle des Geh. Sanitätsraths Dr. Carl Lehfeldt auf dem Gemeindefriedhofe Schönhauser-Allee zu Grabe bestattet. Er war einer der vortrefflichen Alten, die sich die Hochachtung vor dem Religionsgesetz bis in die jüngste Gegenwart hinein bewahrt haben. Dr. Lehfeldt d"w, der Schwager der Rabb.Dr. N. Adler, London, und Dr. Sachs Berlin Wr, hatte hier eine ausgebreitete Praxis und verstand es dennoch, sich vor na» zu schützen; trotz angestrengter Thätigkeit wurde die Zeit der Morgen- und Abendandacht strengstens eingehalten. Den Armen und Unbemittelten war er ein treuer Berather und Helfer in der Noth. Vom Tage seiner Wirksamkeit als praktischer 1 Arzt widmete der Verewigte sein Maaßer wohlthätigen Zwecken; so verstand er es, nach jeder Richtung hin dem Geiste unserer Gotteslehre in Gesinnung und Wirksamkeit zu genügen. An der Bahre gab der Neffe des Verewigten, Herr Leonhard Sachs, dem Schmerze der Familie in wenigen, aber tief empfundenen Worten beredten Ausdruck. Eine Leichenrede hatte der Verblichene sich verbeten. Unter den zahlreichen Leidtragenden bemerkten wir eine Deputation der Eisenbahnbeamten, als deren Arzt der Dahingeschiedene viele Jahrzehnte wirkte, Mitglieder des hiesigen Repräsentantencollegiums, des Rabbinats und anderer Körperschaften. — Das conservative Judenthum Berlin's beklagt in dem Verstorbenen einen ihrer würdigsten Vertreter, welcher inmitten der immer mehr fortschreitenden Zerstörungswuth in unerschütterlicher Glaubenstreue verharrte. Möge ihm Gott ein gnädiger Richter fein; das Andenken des in Gott Ruhenden wird Segen wirken auf spätere Geschlechter. .ü"ap Berlin. Ende September wird die Synagoge Lindenstraße ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Tag der Einweihung wird höhern Orts bestimmt werden. An der Einweihungsfeier der „Neuen Synagoge", Oranienburgerstraße, hatten sich der Fürst Bismark und die Minister betheiligt. Der verewigte Kaiser Wilhelm I. hatte später dem für die ostpreußischen Juden in der Synagoge veranstalteten Concert beigewohnt. Bonn a. Rhein, 31. August. Zum Kapitel des Antisemitismus ist jüngst auch hier, wo diese Sumpfpflanze bisher keinen Boden gefunden, ein Beitrag geliefert worden, der den Gegenstand vielfacher Kommentare in der Bevölkerung bildet. Der Inhaber der hiesigen Kaiser-Apotheke, Herr Barkemeyer, hatte kürzlich mit einem Apotheker-Gehilfen Marx aus Herdecke in Westfalen Vertrag über Eintritt desselben in sein Etablissement abgeschlossen. Marx, der behufs Abschluß des Uebereiukommens nach Bonn gekommen war, hatte sich wieder nach Herdecke begeben. Bald darauf erhielt er von seinem künftigen Prinzipal folgendes Schreiben, das nach der „Fr. Ztg." folgenden Wortlaut hat: „Sie wollen entschuldigen, wenn ich eine offene Frage an Sie richte. Sie erwähnten am Sonntage Ihre Verwandtschaft mit einer hiesigen Familie Paradies. Wie ich gestern erfuhr, gehört dieselbe dem mosaischen Glauben an, woraus ich schließen muß, daß