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Der Israelit · 1891-09-03 · Heft 70 (3.9.1891) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 70 (3.9.1891)
Date
1891-09-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1334 mittel bestreitet der südwest -deutsche Verein. Es ist im Plan, den Unterstützungsverein in Nauheim jenem Verein anzuschließen und ein eigenes Haus für erwachsene und unerwachsene unbemittelte Kurgäste israelitischen Glaubens zu erwerben. LandSberg. O. S. Endlich regt sich auch bei uns wieder der echt jüdische Geist. In der Wohnung unseres Cantors wird eine mpD eingerichtet. In Grotz-Kidinda feierte am 16. d. das Ehepaar Salomon und Helene Kohn aus Mokrin sein 65jähriges Hochzeitsjubiläum. Der Mann ist 88, die Frau 86 Jahre alt, Beide erfreuen sich aber noch seltener Rüstigkeit und Geistesfrische. Seit ihrer Verheirathung leben sie ununterbrochen in Mokrin und haben daselbst unter Lebensgefahr die schwere Zeit des Jnsurrectionskrieges 1848/49 durchgemacht. Der Jubilar war durch 40 Jahre Vorstand der Cultusgemeinde in Mokrin; Frau Helene Kohn ist Präsidentin des Frauenvereins. Zugleich mit der eisernen Hochzeit des Jubelpaares feierte ein Sohn desselben, einer der Chefs der Wiener Getreidefirma Brüder Kohn, die silberne Hochzeit, und die Vermählung einer seiner Töchter fand ebenfalls an diesem Tage statt. Das „eiserne Paar" erfreut sich der stattlichen Anzahl von 61 Enkel und 27 Urenkeln. Leuwarden (Holland). Herr A. Duparc, Präsident des städtischen Schulvorstandes, ist wiederholt zum Stadtrath gewählt worden. Er ist der einzige Jude, welcher in beiden Körperschaften Sitz und Stimme hat; er hat bei der Stadtrathswahl von allen, welche in dieses Collegium berufen wurden und zu welchen christliche Candidaten aus den ersten und angesehensten Familien gehörten, die meisten Stimmen auf sich vereinigt. F e u i l l e t o n. Die Schrvepkevri. Von H. Berger. (Nachdruck verboten; alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß ans Nr. 68.) Soeben hatte ein armes Weib ihre Seele ausgeharrcht. Fanny stand erschüttert an der Seite des Bettes und blickte starr ins Leere. Das Geheimniß, welches die Verstorbene ihr vor ihrem Tode anvertraut hatte, machte sie erzittern — es war ihr eigenes, die Ereignisse jener Schreckensstunde, die sie wie ein Alp bedrückten und ihr das Leben zur Hölle machten, hörte sie von fremden Lippen. Sie fühlte sich plötzlich so matt; einer Ohnmacht nahe, ließ sie sich auf ein nahes Bett nieder; nun schwanden ihre Sinne. So fanden sie die Aerzte. Ihren Bemühungen gelang es zwar, die Ohnmacht zu verscheuchen, aber die Besinnung kehrte nicht wieder. Starke Delirien beunruhigten ihren Geist; ein böser Typhus war bei ihr zum Ausbruch gekommen. Alle Kunst der Aerzte war vergeblich; die Noth und das Elend ihrer Jugend hatten ihren zarten Körper so mitgenommen, daß er der tückischen Krankheit keinen Widerstand zu leisten vermochte. Am vierten Tage erlag sie der Gewalt des Fiebers, ohne vorher ihre Besinnung wieder erlangt zu haben. Der Schmerz ihrer Tochter und der ihrer Schwester war grenzenlos. Ein großartiges Leichenbegängniß zeigte, welch' guten Namen sie in allen Schichten der Bevölkerung sich erworben, die Worte des Rabbiners schilderten, was die Armen und Elenden in der Verstorbenen verloren. Als Recha nach einigen Wochen den Nachlaß ihrer Schwester ordnete, fand sie ein Tagebuch vor, in dem die Verstorbene ein reumüthiges Bekenntnis hinterließ. Mit thränenden Augen las sie die Selbstanklagen der Verstorbenen. Bleich wie eins Leiche, legte sie das Buch zur Seite. Was sie gelesen, war schrecklicher als das, was die fürchterlichste Phantasie ihr hätte vorgaukeln können. Die Schwester war eine Abtrünnige geworden an dem Glauben ihrer Väter! Einem treulosen, schurkigen Manne zu Liebe hatte sie ihre Seele geopfert. Nun verstand sie auch das elende Leben ihrer Schwester. Nicht aus Liebe zur Religion hatte sie ein muftergiltiges, religiöses Leben geführt — sie wollte sühnen, was sie verbrochen, wieder gut machen, was sie im Leichtsinn der Jugend gesündigt. Nach den Worten des Propheten konnte auch sie hoffen, durch ihr Leben den Frevel ihrer Jugend gesühnt, und durch die Barmherzigkeit Gottes auch dessen Verzeihung erlangt zu haben. Flora erfuhr nie etwas aus dem Leben ihrer Mutter; sie war in der jüdischen Religion erzogen, lebte streng nach ihren Gesetzen und verehrte ihre Mutter wie eine Heilige. Ihr erstes Kind, ein Mädchen, wurde nach ihrer verstorbenen Mutter genannt und die Großtante Recha umfaßte es mit doppelter Liebe. Auch die Liebe zur Schwester verschwand nicht ans ihrem Herzen und oft stieg ein Gebet für sie zum Allvater empor. Als auch ihre Zeit gekommen war, da sie Abschied von der Erde und ihren Lieden auf derselben nehmen mußte, da hatte sie dafür gesorgt, daß man sie neben die Schwester bette in die kühle Erde. Zwei gleiche Leichensteine aus weißem Marmor schmücken die Gräber und alljährlich im Monat Ellul betet Flora an denselben zum lieber Gott. Die Stätte, wo sie ihre Mutter fand, ff: ihr heilig und am Grab derselben betet sie für ihre geschiedene Seele. Möge Gott ihr Gebet erhören und Verzeihung all' denen zutheil werden lassen, die in aufrichtiger Buße zurückkehren auf den Weg, den sie verlassen. Heilige Stille, selige Ruhe, himmlischer Friede wohnen auf dem kleinen Friedhofe. Unter grünenden Bäumen ruhen die Schwestern, bis einst der große Ruf ertönt, der die Tobten erwecket zu einem anderen Leben, zu einem Leben ohne Schuld und Fehl. Für den folgenden Theil ist die Redaclion nicht verantwortlich.

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