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Der Israelit · 1891-09-03 · Heft 70 (3.9.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 70 (3.9.1891)
Date
1891-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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► XXXII. Jahrgang. ft? £ i t C SeilageM 70 -»- „Israelit& lefdjurun“ Zur Lage der Juden in Htußkand. Wie man dem „Standard" aus Moskau meldet, hat der Minister des Innern an die Guoverneure der 9 westlichen Provinzen ein Rundschreiben gerichtet, in welchem dieselben ausgefordert werden, Maßregeln zu ergreifen, damit die gegen die Juden gerichteten Gesetze vom 10 Juli 1864 und 2. Mai 1882 strenge durchgeführt werden. Alle seit dem letzten Datum von Juden eingegangene Kontrakte wegen Pachtung oder Ankauf von Land und Häuser sollen für ungültig erklärt werden. Die aus Moskau vertriebenen Juden werden jetzt von der Polizei gezwungen, Schriftstücke zu unterzeichnen, in welchen sie erklären, daß sie die Stadt freiwillig verlassen. — Der Senat hat kürzlich, wie die „Lodzer Z." mitrhcilt, in Betreff der Bestrafung israelitischer Familien, deren Angehörige sich der Ableistung der Militärpflicht entziehen, eine wichtige Entscheidung getroffen. In einem Städtchen verschwand vor der Aushebung ein Israelit im militärpflichtigen Alter. Die Rekrutirungs-Kommision verurtheilte die Familie desselben zur Zahlung einer Geldstrafe von ZOO Rubel, die Familie verweigerte aber die Zahlung, indem sie den Taufschein jenes Verschwundenen vorzeigte und auf Grund dessen die Aufhebung jeglicher Solidarität mit ihm zu beweisen suchte. Der Senat, zu dessen Entscheidung die Sache gelangte, befreite die Familie des Entlaufenen von der Strafzahlung und zwar auf Grund dessen, daß — sobald ein Israelit zum Christenthum Übertritt, die Familie aufhört, für ihn verantwortlich zu sein. Der bekannte amerikanische Journalist und Schriftsteller Harold Frederic, ist dem „Daily Chronicle" zufolge von einer Reise nach Rußland zurückgekehrt, wv er die Judenfrage studirt hat. Er glaube, daß die russische Regierung nicht nur die Juden, sondern auch die Deutschen zu verderben beabsichtige, was eine ernste Schädigung des russischen Handels zur Folge haben würde, da derselbe zum großen Theil in den Händen von Juden und Deutschen liegt. Enthüllungen über skandalöse Vorgänge in der Verwaltung stünden in Aussicht. Nach einem Telegramm der „Daily News" aus Odessa hat dort die Auswanderung von Juden per Dampfer nach der Türkei fast aufgehört; nur Juden mit einigen Mitteln verlassen noch das Land. Die fremden Juden wickelten jedoch so schnell wie möglich ihre Geschäfte ab, natürlich mit großen Verlusten. Eine Anzahl Familien, die nach Palästina ausgewandert waren, sind in mehr oder weniger bedürftigem Zustande wieder zurückgekehrt. Zeitungsnachrichtev und Corresponderrzen. Deutschland. Hamburg, 28. August. Hier eingegaugenen Nachrichten zufolge erstand Baron Hirsch neuerdings 5000 Acres Land zwischen Woodbine und Mount Pleasens-Newjersey, zwecks Kolonisirung durch russische Ausgewiesene. Die sehr fruchtbare Strecke liegt an zwei Eisenbahnen. Frankreich. Paris, 27. August. Der Pariser Berichterstatter des Magyar Hirlap hatte dieser Tage mit dem Baron Hirsch in dessen bei Versailles gelegenen Schlosse Beauregard eine längere Unterredung. Ueber die Durchführung seiner Pläne sagte Baron Hirsch: In Argentinien wirke eine Durchführungskommission mit allen Vollmachten, dieselbe werde kolossale Gebiete ankaufen und dort den geplanten Ackerbanftaat begründen. Ein- bis zweitausend Familienoberhäupter werden in den ersten Jahren dort Kenntnisse erwerben, die für ihre Bedürfnisse notwendig sind, und sodann den Unterricht der anderen beginnen. Eine „Kolonisationsbank" wird in Paris oder London gegründet werden; das hierzu erforderliche Gesammtkapital gibt Baron Hirsch. Die Aktien werden später auf die besten jüdischen Gemeinden übertragen werden. Der Reingewinn des Unternehmens wird für die weiteren Kolonisirungen verwendet. Die Ansiedler übernehmen die Kolonie als Halbpächter und von ihrem Fleiße wird es abhängeo, so bald als möglich Herren der Kolonie zu werden. In den ersten Jahren dürften durch die außerhalb Rußlands befindlichen Exekutivkommissionerl zwei- bis dreitausend Familien nach Argentinien befördert werden, denen bald die anderen, je nach den Erfolgen, in größeren Massen Nachfolgen werden. Amerika. Montreal (Canada), 26. August. Große Schaaren flüchtender russischer Juden kommen fortwährend in Motreal an. Das Hirsch-Institut ist voll zum Erdrücken. Das jüdische Hilfscomite, welches die Ankömmlinge empfängt, hat sich an die cauadische Regierung mit der Bitte gewandt, ihm Land in Manitoba zu überlassen, um 150 Familien darauf anzusiedelu. Den Handwerkern unter den Einwanderern sucht mau Arbeit in Montreal zu verschaffen. Die canadischen Juden sind hochherzig genug und wollen die neu zu gründenden jüdischen Farmen mit Geldmitteln unterstützen, bis der Ertrag ausreichend ist. vermischtes. Ein Ulllerstützungsverein für unbemittelte Kurgäste israelitischen Glaubens besteht unter der Leitung des Herrn Kaufmanns H. Grünebaum schon seit längeren Jahren in Bad Nauheim. Die Kinder wurden wohl auch in die Kinderheilanstalt „Elisabethhaus" ausgenommen, doch stieß die Verpflegung nach ritueller Vorschrift insofern auf Schwierigkeiten, als entweder die Speisen von auswärts in die Anstalt verbracht oder besonders in derselben bereitet werden mußten. Ein über den Südwesten Deutschlands sich erstreckender Unterstützungsverein hat nun für israelitische Waisen den Parterrestock des Hauses König gemiehtct und es sind sechs Waisen aus Köln a. Rh., Frankfurt a. M. und Wiesbaden mit einer Pflegerin am 28. Juli in Nauheim angelangt. Dieselben gebrauchen die dortigen Thermen. Im September folgt eine zweite Serie. Die Subsistenz-

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