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Der Israelit · 1891-09-03 · Heft 70 (3.9.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 70 (3.9.1891)
Date
1891-09-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1327 choth und Aggadoth haben des Juden Verstand geschärft und sein ethisches und ästhetisches Gefühl gebildet, mag man den Inhalt dieser Disciplinen auch noch so gering achten. Wir wollen hier nicht mit Leroy-Beaulieu rechten, wenn er der Ansicht ist, daß das Ehrgefühl des Juden durch den langen Druck abgestumpft worden und auch manche Characterschwäche die Folge dieses harten Geschicks sei, welches dem Juden bereitet worden. Er hat aber sicherlich das Rechte getroffen, wenn er den Satz aufstellt: „Das Gewissen ist die Seele des Judenthums; es wurzelt in der Thora; schon die Existenz Israels bestätigt dieses. Weil er ihr treu geblieben, weil er sie über Alles gesetzt, darum ist der Jude Jude geblieben." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart, 25. August. Im Interesse unserer verfolgten und vertriebenen russ. Glaubensbrüder erlaube ich mir der verehr!. Redaction ein Schreiben mitzutheilen, welches ich in den jüngsten Tagen von meinem Bruder aus Mexiko erhalten habe. Mein Bruder befindet sich seit einer Reihe von Jahren in Mexico (Stadt) und kennt genau Land und Leute. Er schreibt: „Die große Frage, welche überall die jüdischen Herzen bewegt, für unsere russ. Glaubensbrüder ein Asyl zu finden, wo sie sich ein eigenes, gesichertes freies Heim und Existenz gründen könnten, hat mich und noch einen hier ansässigen mn’ veranlaßt, uns mit der mexikanischen Regierung ln's Benehmen zu setzen, behufs Erlangung von Land zum Zwecke der Ansiedelung mit Colonistcn. Die mex. Regierung hat mit größter Bereitwilligkeit erklärt, daß sie ausgedehnte und große Länderstrecken, auf dem Hochplateau von Mexico zum Zwecke der Besiedelung mit Colonisten, d. h. solchen die den Willen und die Fähigkeiten haben, das an sich fruchtbare und ergiebige Land in Cultur zu bringen, herzngeben. Es handelt sich um Länderstrecken von ganz bedeutendem Umfang, in einem herrlichen, gleichmäßigen und gemäßigten Klima, wo Alles wächst und gedeiht, Frucht, Korn, Wein, Obst rc. rc.. und wo nur fleißige Menschenhände hingebracht werden müssen, um das herrliche Land zu cultiviren. — Die mexic. Regierung würde nicht allein dies Land unentgeltlich zum Zwecke der Colonisirung überlassen, sondern auch den Colonisten Beihilfe und Erleichterungen gewähren; so z. B. freien Transport der Colonisten und deren Habseligkeiten auf den Staatsbahnen und den vom Staat fubventionirten Bahnen, zollfreie Einfuhr von Geräthschaften, Maschinen, Sämereien rc. rc. und endlich Befreiung von Staatssteuern auf eine Reihe von Jahren; der lauä Kraut (die gesetzliche Zuweisung des Landes) wird erfolgen, sobald der Regierung nachgewtesen wird, daß man in der Lage ist eine größere Anzahl wirklicher Colonisten zunächst mindestens 500 Familien, dahin zu bringen." Indem ich Ihnen diese Mittheilungen mache, möchte ich Sie bitten, im Interesse der guten Sache, in Ihrem geschätzten Blatte die Aufmerksamkeit der betheiligten und sich dafür interesstrenden Kreise aus dieses Colonisationsproject in Mexico htnzulenken, und damit auch die Angelegenheit zur öffentlichen Discussion zu stellen. Zu wetterer Information bin ich jederzeit gerne bereit. I. Berlinger. England. London. Wie die Pall Mall Gazette mittheilt, hat sich Prinz von Wales in der großartigsten Weise zu Gunsten der russischen Juden verwendet. Er hat Herrn Arnold White Empfehlungsbriefe an den russischen Hof mitgegeben, obwohl der genannte Schriftsteller ihn erst kürzlich in einem Buche heftig angegriffen. Die Pall Mall Gazette schließt ihre Mittheilung mit den Worten: „Es werden sehr viele Unwahrheiten über den Prinzen von Wales verbreitet, während seine vielen Handlungen, welche nicht allein Herzensgüte, sondern auch Weisheit verrathen, unbekannt bleiben. Es ist nicht mehr als billig, wenn die Juden erfahren, wer der Mann ist, welcher ihnen wirksame Freundschaftsdienste und in so hochherzigem, nachsichtigen Geiste erweist." > Vermischtes. Auf dem jüdischen Friedhof in Nonnenweier wurden kürzlich sieben Grabsteine umgestürzt. Die Aufregung unter der jüdischen Bevölkerung ist sehr groß, besonders weil bisher das Berhältniß zwischen Juden und Christen in dortiger Gegend ein Recht gutes war. Aus Elsaß. Herr Dr. Armand Bloch, Schüler de» Rabbinerseminars zu Berlin, wurde als Rabbiner nach Sultz und Herr Nathan Netter als solcher nach Buxsweiller berufen. Brüssel. Bei der Feier der silbernen Hochzeit des Senators Montefiore hat der königliche Hof sich betheiligt. Der König ließ dem verdienten Jubelpaare durch seinen Adjutanten seinen Glückwunsch übermitteln. Der Bürgermeister Buls hat im Namen des Gemeinderathes eine Adresse verlesen und namentlich die Verdienste des Jubelpaares um den Unterricht und das Armenwesen hervorgehoöen. Richtigstellung. Zm Wochenkalender vor. Nummer muß es heißen : Sabbat- Ausgang 7 Uhr 20 Min. Briefkasten der Redaktion. T. A. in Nürnberg. An uns. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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