Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1891)
- Date
- 1891-09-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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xxxii. J-Hrgmg. Erste Beilage!»M 70 de- „Israelit -- Ieschurun" Leitender Artikel. jieroy-Krnuiieu's Physiologie und Psychologie der Juden. Von Isaak Hirsch. (Schluß.) Uebrigens ist der Immunität der Juden gegen Krankheiten nicht die unbegrenzte Bedeutung beizumessen, wie Manche wohl geneigt wären. Wir wissen heute, daß die Pest zu Zeiten der Brunnenvergiftungs-Anklagen des Mittelalters die Juden nicht immer verschont hat, ebensowenig wie später die Cholera. Nicht jeder Jude ist immun; es erklärt sich dieses aus der Verschiedenheit der Lebensbedingungen. Während z. B. die Londoner Aerzte berichten, daß in den elenden Wohnungen von Whitechapel unter den Juden weit weniger die Schwindsucht ihre Opfer sucht als unter den Christen, werden in Polen und Rußland die Juden von dieser Krankheit in höherm Maße befallen wie die Christen. Der Jude in Polen, Litthauen und Klein-Rußland zeichnet sich durch Engbrüstigkeit aus und gibt sich somit als Phtysiker. Die russische Regierung soll deßhalb für die jüdischen Rekruten einen geringeren Umfang des Brustkastens verlangen, als bei den nichtjüdischen Assentirten. Die Ursache für diese mangelhafte Beschaffenheit des Thorax dürfte in den ärmlichen Verhältnissen und der sitzenden Beschäftigung eines großen Theils dieser jüdischen Rekruten zu finden sein, wie überhaupt die schwächlichere Lebeusbeschaffenhcit der ostländischen Juden ihre Erklärung finden dürfte. Die physische Verkümmerung ist eine Folge der ökonomischen. Von Generation zu Generation nahm die physische Kraft ab, die Muskelstärke erschlaffte, die Lcibcsgeftalt schrumpfte ein, die Schultern und die Brust verengten sich, das Blut wurde ärmer. Man trifft in allen Ländern vielfach auf Juden, die schlecht gewachsen sind, deren Knochenbau schwächlich, deren Schulterblatt schmal ist. Wenige Nassen dürften eine so große Zahl von Mißgestaltnngen und Schwächlingen aufzuweisen haben, wie die jüdische: Bucklige, Blinde, Taubstumme, Idioten. Der Grund hierfür dürfte weniger in dem Mißbrauch der Frühheirathen und der Häufigkeit der Verwandtenehen liegen, als in der hundertjährigen Bedrückung, dem Mangel an Luft und der kärglichen Ernährung. Diese Ursachen wirken auch noch heute in Ost-Europa; namentlich unter den fünf Millionen russischen Juden, welche es fertig bringen unter dem nordischen Himmel mit einer so unzureichenden Ernährung sich zu erhalten, welche kaum in einem milden Klima genügen möchte. Es ist festgestellt, daß der kleinrussische Jude weniger und schlechter ernährt ist, als der dortige Nichtjude. Und wenn jetzt die russische Staatsweisheit die russischen Juden in die westlichen Städte Rußlands zusammentreibt, so scheint sie es darauf abgesehen zu haben, die ohnehin schlechten Lebensbedingungen der russischen Juden derartig zu verkümmern, daß sie gänzlich aufgerieben werden müssen. Der Hinblick auf diese erbärmlichen Lebensbedingungen der Gegenwart erklärt vollauf die augenscheinliche Verkümmerung der jüdischen Letbesbeschaffenheit. Menschen, welche zu einem solchen Leben Jahrhunderte lang verurtheilt gewesen sind, müssen klein und schwächlich werden. Die Vorzüge und Nachtheile der Physiologie des gegenwärtigen Juden wurzeln in der Vergangenheit, der er entstammt. Nur fei zu unterscheiden, meint Leroy- Beaulieu, daß für seine physische und moralische Beschaffenheit der Satz gilt: Die ersteren find sein eigenstes Produkt, die letzteren sind ihm von den Christen geworden. Seine Langlebigkeit, seine Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit, seine Immunität -gegen gewisse Nebel sind des Erbtheil seiner Vorfahren; er dankt sie seiner Religion, seiner Lebensgewohnheit, seiner Mäßigkeit. Seine Schwächlichkeit und die Gebrechen seiner Leibcsbeschaffenhcit hingegen verdankt er unserer, der Christen, Gesetze, den ihm von uns, den Christen, angewiesenen Ghetti und unserer, der Christen, ihm erwiesenen harten Behandlung. So steht er da als ein künstlich gezüchtetes Produkt seiner Religion und unserer, der Christen, Judengesetze. Deß ist Zeugniß die Verschiedenheit, welche wir heute zwischen Jude und Jude wahrnehmen, zwischen dem Juden des Ostens und Westens. Die Rasse hebt sich , der Jude kräftigt sich, er regenerirt sich in dem Maße wie die Ketten fallen, welche ihn belasten. Der Jude ist in hervorragendem Maße an der Krankheit der Gegenwart, der Neurose, betheiligt. Es ist diese Erscheinung für den größten Theil der europäischen Länder und der Vereinigten Staaten von Nordamerika nachgewiesen. Bei den Juden überwiegt das Nerven-, das Muskel-System, er hat wenige Muskeln und viele Nerven; er besteht ganz aus Nerven, möchte man fast sagen. Er ist vielleicht der „Nervöstete", weil er der „Cerebralste" ist; hat er doch meistens durch sein Gehirn gelebt. Sein ganzer Lebenssaft scheint in den Kopf