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Der Israelit · 1891-09-03 · Heft 70 (3.9.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 70 (3.9.1891)
Date
1891-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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" XXXII Jahrgang. X M 70, Israelit... Zeschunm. Mslhüst W FördNW B. Geistes Md jüd. Kedess In Ass. GkAklsde Md Zlhslr. Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den S September 5651 (1891 ). Leitender Artikel. Ein Mahnruf. Berlin, 1. September. Unter diesem Titel brachte ein hiesiges, jüdisches Blatt dieser Tage an seiner Spitze einen Artikel, dessen Form und Inhalt zu einigen Betrachtungen anzuregen geeignet ist. Er wird mit den Worten eingeleitet: „Vor dem Kampf mit dem Gegner, vor der „Sorge um unsere unglücklichen Glaubensbrüder „in Rußland treten alle inneren religiösen Fra- „gen des Judenthums in den Hintergrund, aber „es ist von Zeit zu Zeit nothwendig an dieselben „zu erinnern." u. s. w. Man erwartet nun, daß an etwas erinnert wird, dessen Beherzigung sich mit der Sorge um unsere unglücklichen Glaubensbrüder nicht verträgt, das aber so bedeutsam ist, daß man trotzdem daran erinnern muß. „Intel' arma silent leges! Während des „Kampfes ruhen selbst anerkannte Gesetze, um „wie viel weniger dürfen während des Kampfes, „in dem sich jetzt die Gesammtjudenheit durch die „Nothlage eines so bedeutenden Theiles seiner „(?) Glieder befindet, Vorschläge auf Gehör rech- „nen, die eine organisatorische Regelung seiner „Verhältnisse bezwecken." Jetzt glaubte ich ganz sicher, es muß etwas kommen, was mit der Calamität in Rußland in irgend welcher Beziehung steht, etwa eine verschämte Anspielung auf die wenig verschämte Art und Weise, mit welcher das Büreau zur Hilfeleistung für die russischen Emigranten auch am Sabbat geöffnet ist. Da ich notorisch weiß, daß diese öffentliche Sabbatentweihung des Berliner Eentralcomites selbst vielen von denjenigen ein wirkliches Aergerniß bereitet, die es sonst mit der Heilighaltung des Sabbat für ihre Person nicht weniger als genau nehmen, so wird man diese meine Hoffnung auf eine schüchterne Mahnung nach dieser Seite hin nicht allzukühn finden. — Aber ich hatte mich gründlich geirrt! Der Mahnrufer hatte — wie er uns erzählt — einen Aufruf der kirchlich-liberalen Mitglieder der vereinigten Kreissynoden von Berlin gelesen, den diese jüngst an die evangelischen Mitbürger der Reichshauptstadt gerichtet haben. In demselben wird zur Theilnahme an den kirchlichen Wahlen, am Gottesdienst und an den Gemeindearbetten aufgefordert. Und da meint nun unser Mahnruf, daß das, was für die kirchlich-liberalen Evangelischen recht ist, doch für die religiös-liberalen Juden billig wäre. „Kranken wir, die religiös-liberalen Juden, „nicht an demselben Nebel? Wohl betheiltgen „wir uns allenthalben an den Gemeindewahlen „und den Gemeindearbetten, bezw. deren wohl- „thätigen Institutionen. Dagegen ist die Theiluahme am synagogalen Gottesdienste „nur eine verschwindend| geriWe; sie beschränkt „sich fast nur auf das Neujahrs- und Versöhnungs- „fest, hin und wieder auf die Seelenfeier an den „drei anderen Festen. Das ist die Achillesferse „des jüdisch-religiösen Liberalismus." „Für wen sollen wir reformiren?" fragen „unsere Rabbiner mit Recht; den Synagogen b e- „suchern nehmen wir durch die Gewohnheit „liebgewordene Gebete und Gebräuche und dieje- „nigen, welche die Reformen fordern, sehen wir „im Gotteshause nicht."-Gestehen wir „offen, ist es nicht eine Vergewaltigung, „ohne und oft gegen den Willen derBe- „theiligten. Altes abzuschaffen, Neues „einznführen, wenn wir selbst uns nur „ganz ausnahmsweise an den Festen der „Synagoge betheiligen V „Sicher haben gottesdienstliche Reformen im „Sinne unserer Zeit ihre volle Berechtigung; „aber wir achten nur diejenigen für berufen, „solche einzuführen, welche selbst noch amGottes- „dtenste theilnehmen; auf andere dürfte die Frage „der Peßach-Hagada gelten: aob nwn mnyn no „Was soll Euch dieser Dienst?"

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