Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-08-31 · Heft 69 (31.8.1891) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 69 (31.8.1891)
Date
1891-08-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448187--32728-2480587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1312 zurück. In Zante haben zahlreiche znrückgekehrte Flüchtlinge ihre frühere Beschäftigung wieder ausgenommen; dieser Tage brachte ein dänischer Dampfer 59 Wische Familien nach Piräus, die insgesammt nach Korfu zurückkehren. Vermischtes. Worms. Herr Dr. Mayer in Zweibrücken, welcher kürzlich unter dem Bücherschatze des Herrn Moses Mannheimer dahier ein altes Pentateuch-Exemplar entdeckte, gibt in einer Veröffentlichung in der Wormser Zeitung über den „Brand der Wormser Synagoge im Jahre 1689" Kunde von einem anderen interessanten Buche, welches er unter den Büchern desselben Herrn Mannheimer gefunden hat. Es ist dies ein altes Kollektenbüchlein aus dem Jahre 1698. Es finden sich darin die Spenden verzeichnet, welche die von der hiesigen jüdischen Gemeinde ausgeschickten Sendboten bei den benachbarten und entfernteren jüdischen Gemeinden eingezogen haben. Die Spenden waren bestimmt für den Wiederaufbau der durch den Brand 1689 theilweise zerstörten Synagoge und für die übrigen Gemeindegebäude, sowie auch für die niedergebrannte Judengasse überhaupt. An der Spitze der spendenden Gemeinden befindet sich die auch damals schon durch großartige Wohlthätigkeit sich auszeichnende jüdische Gemeinde in Frankfurt a. M. Dieselbe zeichnete nämlich den für damalige Zeiten beträchtlichen Zuschuß von 1600 Gulden. Von anderen Gemeinden seien erwähnt: Grünstadt, Eisenberg, Kerzenheim, Göllheim, Homburg, Metz, Neuwied und eine Reihe anderer Gemeinden an der Mosel und am Rheine. An der Spitze der spendenden bayerischen Gemeinden steht Fürth mit einem Beitrage von 300 Gulden in einem Wechsel auf Frankfurt. Berlin, 14. August. Vor längerer Zeit hat eine nur auf Sensation berechnete Schrift des sattsam bekannten Rektors Ahlwardt, „Der Eid eines Juden", viel von sich reden gemacht. Wir haben keine Notiz von derselben genommen, weil die darin verhandelte schmutzige Wäsche das Judenthum als solche auch nicht im Entferntesten berührt. Wenn wir heute gleichwohl darauf zurückkommen, so geschieht es nur, um eine vortreffliche, in ihren Ausführungen wahrhaft schlagende Antwort anzuzeigen, die ein sehr begabter junger Schriftsteller, Herr Dr. Ludwig Jacobowski, dem sensationslüsternen Rektor gegeben hat, und die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Der Titel lautst: „Offene Antwort eines Juden" auf Herrn Ahlwardts „Der Eid eines Juden"" (Berlin, Karl Küchenmeister 1891). Auch I. geht nicht weiter auf die häßlichen Geschichten ein, in denen Herr Ahlwardt mit Behagen herumrudert, aber er geht dem Rektor a. D. scharf und mit guten Gründen zu Leibe, weil dieser es wagt, das Judenthum für jedes einzelne Mitglied der Stammesgenoffenschaft und dessen Thaten verantwortlich zu machen. (Wir stellen es sehr in Frage, ob der famose Ahlwardt überhaupt einer so ausführlichen Antwort werth gewesen ist. Red.) Stettin, 18. August. Heute fand hier die Einschiffung der in letzter Zeit hier eingetroffenen russischen Juden statt, welche auf dem Dampfer „Jtalia" ihre Reise nach Amerika bewerkstelligen wollen. Ihre Zahl betrug gegen 1000. Leipzig. Der deutsch-soziale Reformverein in Leipzig hat an den Reichskanzler eine Vorstellung gerichtet, in welcher das Verfahren der Behörden gegen den Verfasser des Buches „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihreHelfer", Ingenieur Karl Paasch, gemißbilligt und, nachdem alle bisherigen in dieser Angelegenheit an den preußischen Justizminister gerichteten Petitionen eine Beachtung nicht gefunden haben, beim Reichskanzler Protest eingelegt und derselbe gebeten wird, der Angelegenheit Paasch die weitgehendste Aufmerksamkeit zuzuweuden und, falls dies noch nicht geschehen sein sollte, dem Kaiser, unter deffen Schutz Karl Paasch sich in erster Linie gestellt hat, über dieselbe Vortrag halten zu wollen. Inzwischen ist Herr Paasch gegen Caution aus der Untersuchungshaft entlassen worden.! Aus dem Harz. Der Grundstein zum Kyffhäuser-Denkmal des „Vereins deutscher Studenten" ist neulich gelegt worden. Zu dem Feste hat sich Herr Stöcker in den „Akadem. Blättern" mit einem Gruße vernehmen lassen. Er stellt darin den „alten Schutt" und das „klassische Gerümpel" mit dem wüsten Kneipen und dem wilden Pauken auf eine Linie uild ruft den jungen Leuten zu: «Reißt die semitischen Stricke durch! Es wäre besser, unter den Säulen ehrlichen Deutschthums zerschmettert begraben zu werden, als zur orientalischen Schutztruppe zu gehören und das Lob einer undeutscheu, widerchristlichen Presse zu empfangen. . . . Aus der ganzen Erde beginnt der Kampf gegen das schnöde mammonistische Joch." Deutschland steht „wieder einmal im Mittelpunkte einer Weltreformation", bei welcher Herr Stöcker wohl seine Rolle als „zweiter Luther" spielen will. Jnowrazlaw, 21. Aug. Die gestern Abend in Aurings Stadtparke von dem Reuterrezitator Kurt Maurice und einigen Mitgliedern des Vromberger Stadttheaters veranstaltete Abeuduirterhaltuug zum Vesten der russischen Juden war recht zahlreich besucht. Nach Abzug aller Unkosten rechnet man immerhin 200 bis 250 Mark dem Komite für die russischen Juden zuwenden zu können. Wien. Die gesammte factische Bevölkerung der Stadt Wien betrug am Tag der Zählung mit Einschluß des Militärs 1,304,518, ohne dasselbe 1,341,897 Bewohner. Ter Religion nach waren 87,0 Procent römisch-katholisch, 8./ Proceut israelitisch, 3.1 Procent evangelisch und 0.6 Procent gehörten den anderen Eonfession an oder waren confessionslos. Wochen - Kalender. Donnerstag, 3. September, 30. Ab. rrm W cv. Freitag, 4. September, 1. Ellul. ppp'Tit .n"”|“ 'D. Sabbat-Anfang 6 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 5. September, 2. Ellul. Sabbat-Ausgang 7 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Zur 'Notiz für Areunde der Micmz. Ans dem Druckschristenbestande des Berliner Bureaus der „Allgeineinen Israelitischen Allianz" (Berlin C., Nene Friedrichstraße 9 bei Herrn Erouer), stehen von den Jahresberichten der Allianz vollständige Jahres reihen (zum Theil von zehn Jahren und noch mehr), sowie Einzeljahre jedem zur Disposition, der von der Allianz Kenntniß nehmen oder solche verbreiten möchte; ebenso den Lokalcomites, Gemeindebibliothelen und ähnlichen Instituten zur etwaigen Ergänzung ihrer Sammlungen. Ans dem Bureau erfolgt die Zusendung im Interesse der Allianz gratis und portofrei. In dem Bestände sind auch der 25 jährige Jubelbericht der Allianz (und zwar die Berliner Ausgabe,,— die vollständige Wiedergabe des Origiualberichts mit einer Karte der Allianzschulen), sowie sonstige, die Allianz betreffende Schriften (Dr. L. Neumann: „Die neueste Lüge über die israelitische Allianz"; Dr. Silbersteiu: „Unsere Allianz"; Oppenheim: „Die Judenverfolgungen in Rumänien", „Die Londoner Rathhausversammlung für die russischen Juden 1881", „Bericht des Berliner Lolalcomitös über die Jahre 1869- 1872", „Sechs Aktenstücke zum Prozeß von Tisza-Eszlar") vorhanden und werden in gleicher Weise, wie die Allianzberichte, verabfolgt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.