Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXJT. Jahrgang. :'y/ «8. Israelit «m, Ieschmim. Msthüfl M Mdermz W. Geistes und W. Kedtks iu Ws. GrNkWr Md Zih«lr. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SV. August 5«51 (1891). Leitender Artikel. Sprüche der Mater. Viertes Buch. UH. Fortgesetzt von Liep man Philip Prins. Frankfurt a. M., 25. August. Der peinliche Vorfall im Lehrhause, dessen wir im vorigen Abschnitte Erwähnung gethan, schien doch in seinen weiteren Folgen verhängnisvoller zu werden, als ursprünglich angenommen wurde. Rabbi's Ansehen, vorher so unerschütterlich, schien gemindert; seine Autorität, vorher so unbestritten, dürfte nicht mehr allgemein anerkannt worden sein; und es fragte sich, ob man seinen Verordnungen den früheren Respekt entgegenbringen sollte. Man schien ihm insbesondere verargt zu haben, daß er es versäumte, durch rechtzeitiges Einschreiten Abdau vor der Heimsuchung zu bewahren, die diesen ereilte. Rav Joseph hatte die Meinung ausgesprochen, Rabbi's Bescheidenheit wäre nicht am Platze gewesen. Das Volk schien einen Schritt weiter zu gehen und Rabbi's Bescheidenheit in Zweifel zu ziehen. — Der Talmud erzählt uns umständlich mehrere Vorkommnisse, aus denen zu ersehen ist, wie versucht wurde, Rabbi's hohe Stellung zu erschüttern. Wir müssen die Leser bitten, einige dieser Geschehnisse vorführen zu dürfen, um die Sprüche R. Jsmael's, womit wir uns beschäftigen, in das rechte Licht zu stellen und verstehen zu lernen. R. Elieser b. R. Schimeon, derselbe, von dem mitgetheilt worden ist, daß er eine Zeitlang den Posten eines Prohegmon im römischen Staatsdienst zu bekleiden hatte, und welcher an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit Viele seiner Zeitgenossen überragte, war in das Jenseits eingegangen. — Er hinterließ einen Sohn, und mit Recht zweifelte man, ob die trauernde Wittwe im Stande sein würde, diesen Sohn im Sinne des so heiligen Vaters zu erziehen. .Rabbi, der von Herzen wünschte, in dem Sohn den Vater fortleben zu sehen, suchte das Kind unter seiner unmittelbaren Aufsicht groß zu ziehen. Er glaubte nun, ohne den mütterlichen Stolz zu verletzen, ohne die Mutter merken zu lassen, daß er ihr nicht die Kraft und Fähigkeit zutraue, diese hohe Aufgabe zu lösen, — seine Absicht nicht besser erreichen zu können, als indem er der Mttwe des R. Elieser einen Heirathsantrag stellen ließ, um dann den Sohn adoptiren zu können und unter seine unmittelbareLeitung zu bekommen.—Sollte man nicht glauben, daß Rabbi's Anerbieten von der armen Wittwe mit Freuden angenommen wurde; zudem die Lebensverhältnisse der nächsten Anverwandten auch nicht glänzend waren? Wissen wir doch, daß ihr Bruder (R. Schimeon, Sohn des Ist b. Lekunia) von Rabbi bezahlt wurde, um den, wie sich später , herausstellte, wirklich auf Abwege gerathenen Sohn des R. Elieser wieder auf die richtige Bahn zu bringen. — Was konnte Rabbi dieser Frau nicht alles bieten! Rabbi, Sprößling des königlichen Geschlechts, voll der edelsten Gesinnungen, gebildet, wie keiner seiner Zeitgenossen. Rabbi, der die höchste Stellung im jüdischen Volksleben eingenommen und dabei so reich war — daß sein Reichthum sprüchwörtlich geworden und man sagte, das Vermögen seines Stallmeisters sei größer, als die Besitzthümer des persischen Königs Sebor. Trotz alledem wies diese Frau den so ehrenvollen Antrag mit Entrüstung zurück und noch mit der beleidigenden Erwiederung: „Wie kann ich, die mit einem heiligen Manne verbunden war, mit einem Ungeweihten eine Ehe schließen?" Und als Rabbi ihr antwortete: „Ich gebe zu, nicht ein solcher Gelehrte zu sein, wie Dein Mann einer gewesen, aber in Bezug auf Frömmigkeit stehe ich ihm vielleicht ebenbürtig da", da ließ die Frau ihrerseits ihm sagen: „Bisher habe ich gar nicht gewußt, daß Du weniger gelehrt seiest — solches beliebst Du selbst zu bekennen — aber in Frömmigkeit stehst Du weit zurück." («jtbd 84 u. 85.) GM uns diese Geschichte schon einen Wink, wie das Ansehen Rabbi's Einbuße erlitten, so liefert das Benehmen seiner Schüler und Studiengenossen weiteren Beleg. Im Talmud (pany 85 u. 86) wird mitgetheilt.