Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1891)
- Date
- 1891-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-..■■ ■■ c/f XXXH, Zahrgail<j. -i ^91 'A M 67. Israelit «* Ieschurun. Aettslyrist m FSrderW M. GGrs md D. De«s in laus, (StitlnDt naH Mle. AenLrat-Hrgan für das orthodore Judenthum. Begründet von Dr. Lehnrann in Mainz. Montag, den 24 August 8651 (IHM). Leitender Artikel. Sind die ljeutigen Judenverfolgungen gerechtfertigt? Mainz, 21. August. -v. Judenverfolgungen, wie sie im Mittelalter gang und gäbe waren, Dragonaden, wie unter Ludwig XIV., Inquisitionen und ihre aut08 da fe passen nicht mehr in unser aufgeklärtes Deutschland, dagegen läßt sich der Antisemitismus auch noch heutzutage in Form von Pamphleten, Radauversammlungen und obskuren Tagesblättchen «ans Avne betreiben. Eine der guten Seiten dieser Kampfesweise ist, daß sie die besonnenen und selbstlosen Männer der Wissenschaft und Lehrer des Volkes aus christlichen Kreisen herausfordert, für uns einzutreten und die von den Antisemiten verbreiteten Lügen als solche darzuftellen. Professor Strack's Broschüre, „Der Blutaberglaube bei Christen und Juden", hat nicht verfehlt, in allen Kreisen des deutschen Vaterlandes den tiefsten Eindruck hervorzurufcn. Bereits ist von derselben, wie wir in voriger Nummer berichteten, eine zweite Auslage erschienen. Ein ebenso wackerer Kämpe für unser Recht ist der in der hessischen Lehrerwelt hochangesehene und bei allen Freunden der Gewissens- und Religionsfreiheit durch seine zu Gunsten der Juden veröffentlichte Verteidigungsschrift rühmlichst bekannte Director a. D. der Kaiser!. Landwirthschaftsschule zu Rufach, Herr P. I. Fiedler. Unter dem in der Ueberschrift genannten Titel ist von ihm eine zweite Broschüre als „ein Appell an das Gerechtigkeits-Gefühl des deutschen Volkes" (D a r m st a d t. Verlag der Schulbuchhandlung von H. Schmitt. 1891. Preis 20 Pfg.) erschienen, in welcher er eingehend die bekannten Anklagen der Antisemiten aufs schlagendste widerlegt. In populärer Sprache weist er sachlich und ruhig die einzelnen Anklagepunkte der Judenfeinde zurück, so daß Jedermann aus dem Volke sich davon überzeugen kann, daß die Gründe, welche die Antisemiten zur Rechtfertigung der Judenverfolgungen geltend machen, auf Verkennung der wirklichen Verhältnisse, auf falsche Voraussetzungen und Aufbauschungen wirklicher Schäden beruhend, jeder Grundlage entbehren. Wir können es uns nicht versagen, aus der 27 Seiten umfassenden Schrift die Widerlegung eines der antisemitischen Angriffspunkte wiederzugeben, um zu zeigen, wie werthvoll für uns diese Broschüre ist und wie sie darum die weiteste Verbreitung verdient. Auf die Anklage der Antisemiten: „Die Juden wollen nicht arbeiten; sie scheuen schwere Arbeiten; sie wollen keine Landwirtschaft und kein Handwerk betreiben; sie leben von jeher vom Schweiße des Volkes", antwortet der Verfasser: „Jeder Stand hat seine Plage. And diese Plage wird von jedem Angehörigen seines Standes empfunden, von dem einen mehr, von dem anderen weniger. „Je schwerer aber der einzelne Mensch an den Plagen des eigenen Standes zu tragen hat, desto weniger bleibt ihm Zeit und Gelegenheit, die Mühseligkeiten anderer Stände kennen und beurteilen zu lernen. Er glaubt deßhalb, daß gerade sein Stand der schwerste sei. Daher kommt es auch, daß die weitaus meisten Menschen mit ihrem Stande unzufrieden sind und häufig darnach trachten, ihre Kinder etwas anderes lernen zu lassen. „Es ist darum ganz natürlich, daß Leute, die von morgens früh bis abends spät angestrengt körperlich arbeiten, nur die Beschäftigungen, deren volle Last sie tragen, als wirkliche Arbeiten betrachten, und daß diese Ansichten vorwiegend von Handwerkern und Gewerbetreibenden, wie von Landleuten, den eigentlichen Bauern, getheilt werden. Eben so natürlich erscheint es, daß bei den Bauern sich diese Meinung fast noch stärker geltend macht, als in jedem anderen Stande. „Der Bauer ist es, welcher dem Schooße der Mutter Erde die Rohprodukte zu den meisten Lebensbedürfnissen der Menschen entlockt. Mit Stolz sagt er deßhalb: „Der Bauer ernährt Alle." Und