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Der Israelit · 1891-08-20 · Heft 66 (20.8.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 66 (20.8.1891)
Date
1891-08-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1262 O esterr. - Unga r. Monarchie. Wien, 12. August. Der Niederösterreichische Gewerbe-Genoffenschafts-Verband hat folgende Erklärung erlassen: Der Sechshauser Reichsraths-Abgeordnete Ernst Schneider hat für den 14. August d. I. die Vereinigten Christen aufgefordert, an einem Vergnügungszuge nach Prag theilzunehmen, damit die herrliche (!) Idee derselben um so weitere und größere Verbreitung finde und neuen Siegen entgegengeführt werde. Ohne nun im geringsten die Vereinigten Christen von dem geplanten Siegeszug nach Prag abhalten zu wollen, müssen wir uns aber schon von vornherein entschieden dagegen verwahren, daß bei den bekannten Bestrebungen des Reichsraths-Abgeordneten Ernst Schneider auf gewerblichem Gebiete die Theilnehmer dieser Vergnügungsfahrt als irgend eine Repräsentanz des Wiener Gewerbestandes angesehen werden dürfen. Diese Repräsentanz liegt in den einzelnen Gewerbe-Genossenschaften und in dem Niederösterreichischen Gewerbe- Genossenschafts-Verbande, welch letzerer gegenwärtig nunmehr der einzige gesetzliche Vereinigungspunkt der Gewerbetreibenden Wiens ist, da der mit dem Namen Ernst Schneider verbunden gewesene Gewerbe-Genossenschaftstag behördlich aufgelöst wurde. Indem wir uns mit Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse veranlaßt sehen, die vorstehende Erklärung zu veröffentlichen, fügen wir noch bei, daß uns hiebei keineswegs die Tendenz leitet, den Wiener Gewerbeftand von dem Besuche der Prager Landesausstellung abhalten zu wollen: der Niederöfterreichische Gewerbe-Genossenschafts-Verband wird vielmehr selbst dafür Sorge tragen, daß ein Unternehmen, wenn es in ernster Weife die Förderung der materiellen Interessen des Gewerbestandes zum Zwecke hat, die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Beachtung finde, ohne hiemit wie immer geartete, politische, nationale oder — christlich soziale Bestrebungen zu verbinden. Wien, am 12. August 1891. Das Präsidium des Niederösterreichischen Gewerbe-Genossenfchafts-Verbandes: Joseph Schlechter, Präsident. Schweiz. Für die aus Rußland ansgewiesenen Juden hat sich auch in Zürich ein Hilfscomite gebildet und in den Blättern wurde ein Aufruf erlassen, der folgende Unterschriften trägt: Pfarrer W. Bion, Leopold Bollag, Präsident der israelitischen Gemeinde. Generalkonsul L. Brettauer. C. Fierz- Landis. Antistes Dr. Finster. Pfarrer Dr. K. Furrer. Schulpräsident Paul Hirzl. Professor Dr. H. Kesselring. Professor Dr. Aloys v. Orelli. Professor Dr. Ludwig Stein. Professor Dr. Alfred Stern. Professor M. Ullrich, Präsident der Hilfsgesellschaft. Dr. Francois Wille, Mariafeld in Meilen. In Zürich sind bis jetzt ca. zehntausend Franken eingegangen. England. London. Liebhabern einer erheiternden und lehrreichen Lectüre seien die letzten Nummern der hier erscheinenden „Autonomie" empfohlen. Der Leser erfährt dort, daß der „teuflische Singer" die ganze Socialdemokratie für die Juden — Internationale gekauft hat —. Singer ist aus dem Verbände der Berliner Jsraelitengemeinde ausgeschieden. Wir wollen anfragen, ob sein Wiedereintritt erfolgt ist, und ob derselbe für eigene Rechnung oder im Aufträge Berliner Bankiers die Millionen Socialdemokraten angekauft hat. A m e r i k a. Baltimore. Die „Jüdische Alliance von Nord-Amerika" hat kürzlich in Philadelphia einen Plan ausgearbeitet, um die aus Rußland vertriebenen Juden in diesem Lande untcrzubringen, resp. zu kolonisiren. Den Grundstock der nöthigen Mittel liefert der Hirsch-Fond, aber da die Israeliten des Landes sehr liberal sind, so wird es wohl an Mitteln nicht fehlen, und man wird Gelegenheit erhalten, das neue Experiment zu beobachten. Vor allen Dingen glaubt man nicht, daß die Auswanderung aus Rußland außerordentlich zahlreich sein wird, wie man Anfangs zu befürchten Ursache hatte. Vorläufig sind es'nur die wohlhabenderen Juden und Die, welche an den Grenzen wohnen, die der Moskowiter-Tyrannei zu entrinnen suchen; die im Innern des Reiches leben, sind noch nicht beunruhigt worden. Man hat deßhalb Ursache, zu glauben, daß man nicht für Zehntausende und Hunderttausende, sondern nur für Tausende zu sorgen haben wird. Die „Alliance" will die Ankömmlinge, welche Unterstützung bedürfen, in kleinen Trupvs in verschiedenen Städten und Dörfern unterbringen, wo sie sich als Handwerker, Taglöhner u. s. w. ihr Brod verdienen können. Das ganze Land soll in Distrikte eingctheilt werden, und in jedem dieser Kreise bildet sich eine aus Mitgliedern der „Alliance" bestehende Lokalbehörde. Alle allgemeinen Maßregeln unterstehen der Controle des Eentral-Exekuiiv- ComitL'L. Die Beamten jedes „Alliance-"Zweiges sollen eine Anzahl Mitglieder anstelle«, die geeignete Lokalitäten für Ansiedlungen auszuwählen haben. Wenn eine Lokalbehörde einen Agenten nöthig zu haben glaubt, so hat sie der Central-Behörde eine geeignete Person vorzuschlagen, welche dann ein Gehalt bezieht. Die Lokalbehörde darf die Leute mit Kleidern, Werkzeugen, Geräthen u. s. w. unterstützen, die Hauptkasse leistet Entschädigung. Auf diese Weise hofft man, in der kürzesten Frist viel Gutes zu thun und vor allen Dingen das unselige Zusammenhocken dieser Vertriebenen in einigen Seestädten zu verhindern. Vermischtes. Hamburg, 14. Aug. Für die russischen Auswanderer, die von dem Auswanderungscomite befördert werden, hat nach der „Hamb. Börsenhalle" die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft eine Erhöhung der Zwischendeckpreise um 20 pCt. beschlossen. Für den folgenden Theil ist die Redacnon nicht verantwortlich.

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