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Der Israelit · 1891-08-13 · Heft 64 (13.8.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 64 (13.8.1891)
Date
1891-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 64. XXXII. Jahrgang. Israelit»«>Jeschumn. Mstzrift W FSrümsg Md. Grljtes Md Md. Kedrss l» Ms. GewelMe Md ZAle. Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstage den 13 August 5651 (1861), Leitender Artikel. Israels Trost. Von Isaak Hirsch. Wie Haben doch die weisen Lehrer und Führer- Israels es verstanden, die ganze Fülle der erhabenen Wahrheiten und erhebenden Gedanken, der eindringlichen Warnungen und Mahnungen, wie der trostreichen Verheißungen des Judenthums in den Kreis unserer Liturgie einzuführen und mit ihr innig zu verweben, so daß der ganze Ernst und die unaussprechliche Herrlichkeit der jüdischen Lebenspflicht in eindrucksvoller Predigt ununterbrochen zu erneutem lebendigen Bewußtsein gebracht wird. Zu der Trauer um Zions Fall leiteten die drei Abschnitte ans dem Prophetenworte ein, die die ernste Gottesmahnung enthalten, welche den Zusammensturz des jüdischen Staats und die Zerstreuung Israels lediglich als Folge seines Abfalls von Gott und des an dem jüdischen Lebensberus geübten Treubruchs lange vor dem Vollzüge des Verhängnisses verkündet. Aus der Trauer aber wecken uns die „sieben Tröstungen", jene überwältigenden, das endliche Ziel der Menschengeschichte enthüllenden Verheißungen, die Gott durch den Mund des Propheten Jesaja Israel und der Menschheit zum Tröste hat aussprechen lassen. Diese Verheißungen waren während des langen, schweren Ganges, den Israel durch die Jahrhunderte zu wandern hat, in Wahrheit der nimmer versiegende Born der Hoffnung und des Trostes; sie waren die nimmer erlöschende Leuchte. welche den vielverschlungenen, düstern Pfad erhellte und dessen Endziel in dem lichten Morgen erblicken ließ, dessen Strahl die Finsterniß der langen Nacht überwindet, in welcher der Wahn und die Lüge, die Gewalt und die Rohheit die Gott entfremdete Menschheit in Fesseln hält. Diese Verheißungen hoben Israel zu der vollen Höhe seines Priesteramts der Menschheit, dessen es in begeisterter Hingebung waltete unter Preisgebung aller irdischen Güter. Sie stärkten seine Selbsterkenntniß als Diener Gottes, als Herold Seines Reiches, als Verkünder Seiner Wahrheit, die es mit einem Leben voller Mühsal und Elends, mit einem Tode voller Schrecken besiegelt. Es erkannte Gott als „seinen Herrn", in der unerschütterlichen Treue unverbrüchlichsten Gehorsams; und es begriff die allmächtige Wallung dieses seines Herrn in der Geschichte als den Ausfluß Seiner unendlichen Liebe und Gerechtigkeit. Und so war sein Martyrium die hehre Verkündigung Gottes, die Verwirklichung des Prophetenworts l): „Gott, mein Herr, hat mir eine überzeugungskräftige Sprache verliehen, daß ich es verstehe, dem Müden das Wort zu zeitigen." — Israels Leben, Israels Leiden redete diese mächttge Sprache der Lehre von Gott und dem wahrhaftigen Gottes-Dienste zu der in der Gotteserkenntniß schwachen Menschheit, it -1P22 np33. „Mit jeglichem Morgen weckt Er mir das Ohr, daß ich erst aushorchen lerne Schüler gleich", — daß ich Ihn begreife und Seine Wallung und meine Lebenspflicht — „Gott, mein Herr, hat mir das Ohr geöffnet und ich habe mich nicht gesträubt, bin nirgends zurückgewichen: meinen Rücken gab ich den Geißlern preis, meine Wange den Raufern, mein Antlitz entzog ich nicht dem Hohn und Speichelwurs. Gott, mein Herr, wird mir beistehen, darum erröthete ich nicht, darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie Kiesel, ich wußte ja, daß ich nicht zu Schanden würde." Sollen wir nicht auch heute aus dieser Gottes- Verheißung Trost und Erhebung schöpfend Gewiß flüchten sich unsere unglücklichen Brüder im Zarenreich zu diesem Gotteswort und finden in ihm die Kraft, das schreckliche Geschick zu ertragen, in der Erkenntniß der jüdischen Aufgabe, in der Zuversicht auf Gottes Beistand und Hilfe. Wenn sie der Heimath, die sie ansspeit, mit Weib und Kind den Rücken wenden und auf die Suche gehen, wo aus weiter Erde eine Oase zu finden, die ihnen 1) Zesaja 50, 4 u. s., beginnend mit dem nult* OP und mit dem C'cmrP r"in 'D ausdrückenden Gottesnamen.

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