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Der Israelit · 1891-08-10 · Heft 63 (10.8.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 63 (10.8.1891)
Date
1891-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1187 daß die „Elias und Fanny Kohn-Stiftung" mit einem Kapitale von M. 200,000 ins Leben trete. Dieselbe wurde errichtet für die sämmtlichen in der Hohn'schen Fabrik beschäftigten Arbeiter ohne Unterschied des Bekenntnisses. Zugleich hat Se. Königl. Koheit mit der Bestätigung allerhöchst-Sein Wohlgefallen und Seine Anerkennung über diesen Akt der Wohlthätkgkeit und Sorge für das Allgemeine den Stiftern ausgesprochen. Rußland. Petersburg, 26. Juli. Im Monat April d. I. hatte in Helsingfors das geheimnisvolle Verschwinden eines dortigen jüdischen Mädchens Namens Chawa Slawtitzki, aus ihrem Elternhause allgemeines Aufsehen erregt. Die Bemühungen der Behörden zur Auffindung des Mädchens waren bis vor Kurzem erfolglos; nun ist es aber endlich gelungen, das Räthsel zu lösen, indem in Erfahrung gebracht wurde, daß weibliche Mitglieder der Heilsarmee das Mädchen nach Stockholm entführt haben. Seitens der Behörden wurden sofort Schritte eingeleitet, um die Auslieferung des unmündigen Mädchens zu erlangen. Amerika. Washington, 2. August. Der Schatzsekretär F oft er hat auf eine Eingabe der jüdischen Gemeinden der Ver. Staaten über die Einwanderung der russischen Inden Folgendes erwiedert: Während die bestehenden Einwanderungsgesetze durchgeführt werden müssen, stimme ich jedoch völlig mit Ihnen überein, daß es niemals die Absicht des Gesetzgebers war, die einfachsten Rücksichten der Menschlichkeit antzer Acht zu zu setzen. Kein Einwanderer, welcher den Bestimmungen der amerikanischen Gesetze Genüge leistet, soll ausgeschlossen werden, weil er in Folge der Handlungsweise Anderer einstweilen kein Heim und keine Habe besitzt. Ich verlasse mich auf Ihre Versicherung, daß Sie Ihren Glaubensgenossen in Europa den Stand unserer Gesetze über „unterstützte" Einwanderung mittheilen. Auch muß ich Sie daran erinnern, daß jeder Versuch, den Strom .mittelloser Flüchtlinge nach den Ver. Staaten zu lenken und die Einwanderung dahin anzuregen, entschieden dem Geiste Ihres Schreibens und nicht minder dem Geiste, an welchem die Regierung dieses heikle und schwierige Problem zu behandeln wünscht, zuwiderlaufen würde. > vermischtes. Berlin, 1. August. In einer Berathung welche am Tonnersstag zwischen Baron Hirsch und den Vorstandsmitgliedern des Deutschen Central-Comitss sürdie russischen Juden stattfand, sind folgende Beschlüsse gefaßt worden: 1) Die israelitischen Hauptgemeinden Europas und Amerikas sollen dem Emigrationswerke ihre Patronage sichern. 2) Die außerhalb Rußlands bestehenden Exekutiv-Komites werden verstärkt. 3) Konstituirung eines Lokal-Komites in St. Petersburg und mehrerer Lokal-Komites in der Provinz, um an die Stelle der jetzigen planlosen eine regelmäßige Auswanderung zu setzen. Emigranten, welche ohne Genehmigung ihres Lokal-Komites und des Central-Komites in St. Petersburg ihre Heimath verlassen, sollen auf den Schutz des Emigranten- Komites nicht zu rechnen haben. Vor der Hand machen sich die kürzlich angekündigten Erleichterungen der Auswanderung aus Rußland schon fühlbar. In Thorn hat sich, wie die „Danz. Ztg." meldet, die Zahl der jüdischen Auswanderer in den letzten Tagen so bedeutend vermehrt, daß sich die Landes-Polizeibehörde genötigt gesehen hat, mit Privatpersonen behufs Miethung von Räumen zur Unterbringung der Auswanderer in Unterhandlung zu treten. Nach neueren Nachrichten wird der Zuzug in Folge jener Erleichterungen noch einen größeren Umfang annehmen. Ueber eine Antisemite n-Versammlung, die am 4. August in Hamburg stattfand, sagt das „Hamb. Fremdenblatt" : Bezeichnend war es, daß die Majorität der „Versammlung" zumeist aus jungen Leuten sich zusammensetzte. Die Stadt Hamburg als solche hat mit derartigen Radau- Zusammenkünften nichts zu schaffen. Die letzten Reichstagswahlen haben dies bewiesen, wo die drei antisemitischen „Kandidaten" unter hunderttausend Stimmenden kaum ein paar hundert Simmen auf sich zu vereinigen vermochten — trotz der geheimen Abstimmung, bei der sich ja Niemand zu geniren braucht. Die „Tagesordnung" bezeichnete gleichfalls den Charakter der Versammlung. Sie richtete sich gegen die armen vertriebenen russischen Juden. Diesen ihres Erwerbes beraubten, zu Bottlern gemachten Exilirten, deren jammervoller Anblick sich jetzt täglich speciell in Hamburg bietet, noch Fußtritte zu versetzen und den barbarischen ebenso deutschwie judenseindlichen Russen ein Lob zu votiren- Das ist ebenso undeutsch, wie es feige und erbärmlich, wie es unmenschlich und unmännlich ist. Solche Scenen hatte nicht einmal das Mittelalter aufzuweisen. Wie gesagt: Die Stadt Hamburg und ihre Bürger haben mit solchen Auswüchsen der Kultur nichts gemein. Wir bemerken noch, daß Hauptredner der Antisemiten der Reichstagsabgeordnete Zimmermann und der sattsam bekannte Ahlwardt waren. Sie wurden von den anwesenden Sozialdemokraten gründlich abgefertigt. Mayen. Zur Characterisirung der traurigen religiösen Verhältnisse aus den kleineren Ortschaften, möge es vielleicht von Interesse sein, veröffentlicht zu werden, daß am verflossenen Mittwoch 3N an in BfN") in dem eine Stunde von Andernach entfernten Dorfe Nickenich eine Hochzeit stattgefunden hat, und daß der Lehrer Abraham in Andernach (jüdischer Religionslehrer), welcher seine Ausbildung in einem orthodoxen Lehrerseminar erhalten hat, als sungirt hat, welcher, nebenbei bemerkt, die Erlaubniß zur Abhaltung der Hochzeit an 3N soll ertheilt haben. WelcheZukunft für Kinder, welche bei solchen Lehrern Religionsunterricht genießen! □ München, 1. Menachem. Bis jetzt sind hier für unsere russischen Glaubensgenossen ca. 22000 Mk. zusammengekommen. Da dieselben sowohl unschuldig für unsere nilDN leiden, als auch unserer Theilnahme unstreitig und fortwährend werth sind, so sollte mancher mH’ an ihnen das Maaßer-Gebot besser bethätigen! Wochen - Kalender. Donnerstag, is. August, s. Ab. 3*0 njwn. Ausgang des Fasttags 8 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr.) Freitag, 14. August, 10. Ab. Sabbat-Anfang 6 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 15. August, 11. Ab. ivm raw .pnnttv Sabbat-Ausgang 8 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.)

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