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Der Israelit · 1891-08-10 · Heft 63 (10.8.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 63 (10.8.1891)
Date
1891-08-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 6S. XXXn, Jahrgang. Israelit... Zeschanln. AMschllst W FSrdkMß W. (Stiftes und W. febtns lll gm. (gemeinde und Mle. KenLrak-Hrgan für das orthodore IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 1« August 3651 (1891). Leitender Artikel. Das Lied im Leid. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). ■p'i xnp mn xl? d'u 1x3 'x *pxb naix noi *px!? nJ’p ^dx1? mj ppx1? an x^x rrr’Di n&m nn rwym bw xpx *pxp höid ncm^an nty to ,njn nnnnb m xsn m^sn nrm 3i3'x jnjnD D’jpn rx 13'^ n'xbnn nx ynpi nxi U3 hm mem “jsn *]ten hb nox na:a nmi nap hm x*n m hm rnsin *]snty ax nam nrb nex natai san* Sam amnn n”spn rpab nox -p ,ua by man “isr n"apn ^mm ’jx “iötd on^ nax “iotdi aaw nnxi LNpvi Sxnt»* by man -pm x^ D’nxn Hy) n»syn by man nsn ibx ynn -jb^ man nx 'n n^n aman xm x^n .(man r.3'x it'nc) .nrnnv' ^nxm jvsa mn „Ein Lied von Asaf. — Gott! Völker sind in Dein Erbe gedrungen!" InThränen, in Jammer und Klage hätte dies Asaf kleiden müssen, warum aber ein Lied von Asaf? — Es gleicht dies einem Könige, der seinem Kind den Hochzeitssaal Herrichten, ihn anstreichen, verzieren und ausschmücken läßt, während der Sohn einem schlechten Lebenswandel nachgeht. Der König geht ins Brautzelt, reißt die Vorhänge nieder und zerbricht die Stangen und der Erzieher des Sohnes nimmt eine Flöte und spielt. „Der König," fragt man ihn, „stürzt das Brautzelt seines Sohnes um und Du setzest Dich nieder und singst?" „Ich singe," erwiederte er, „weil der König das Brautzelt umgestürzt, aber seinen Zorn nicht über den Sohn ergossen hat." So sagte man zu Asaf: „Der Heilige, gelobt sei Er, zerstört Tempel und Heiligthum und Du setzest Dich nieder und singst?" „Ich singe," antwortete er ihnen, „weil der Heilige, gelobt sei Er, Seinen Grimm über Holz und Steine, und nicht über Israel ergossen hat, denn es steht geschrieben: Seinen ganzen Grimm hat Gott entladen, hat seine Zornesgluth hingegossen und nun lodert das Feuer in Zion auf und verzehrt seine Grundvesten!" (Klagelieder IV, 11.) Um die Wahrheit zu ergründen, welche der Thatsache zu Grunde liegen dürfte, daß ein vom Gottesgeiste getragener Sänger das Leid seines Volkes in ein Lied kleidet, muß man die erschütternde Katastrophe, der das Lied gilt, von einem anderen, höheren Gesichtspunkte aus betrachten, als dies gewöhnlich geschieht. Denn in Wirklichkeit hat sich ja der Gotteszorn nicht auf Holz und Stein beschränkt. Die durch Schwert und Hunger Gefallenen, die Verfolgten und Zerstreuten bezeugen ja hinlänglich, wie sich der Grimm Gottes auch über sie ergossen hat. Beschränkte sich aber selbst alles Leid aus den Fall von Zion und Jerusalem, so wäre das allerdings ein Motiv, die Trauer zu mildern, aber immer noch nicht, sie durch ein Lied zu besingen. Der Fall Zions und Jerusalems, die Aechtung und Verbannung Israels, müssen geradezu ein Glück, eine Wohlthat Gottes sein, wenn sie seine Sänger zu einem Lied begeistern konnten. Der von Thränen umflorte Blick der unter ihrem harten Geschick seufzenden Exulanten sieht den Lichtpunkt nicht, aber daß ihn ihr gottbegnadeter Sänger geschaut und ihn in Worte gekleidet hat, das genügt, um sein Vorhandensein zu verbürgen und ihn zu finden, ihn aber jedenfalls zu suchen. Denken wir uns zu diesem Zweck einen Augenblick, die Katastrophe, die wir beklagen, wäre nicht eingetreten. Die Zustände, wie sie vor der Zerstörung Zions und Jeruscholajims sich ausgebildet hatten, hätten kein gewaltsames Ende gefunden, sondern hätten, sich selbst überlassen, ihre naturgemäße Entwickelung erfahren, so hätte dies in kurzer Zeit zur Selbstauslösung geführt! Man braucht sich diese Zustände nur zu vergegenwärtigen, wie sie uns durch Ueberlieferung bekannt sind, um jeden Zweifel hierüber auszuschließen. Greifen wir im Talmud (Sabbat, Fol. 189 b.) eine Stelle heraus, in welcher acht unserer

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