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Der Israelit · 1891-08-06 · Heft 62 (6.8.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 62 (6.8.1891)
Date
1891-08-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1174?;v auch nach der Auffassung meiner Vorgänger die Aufgabe der Regierung nicht sein, welchen Landesbürger immer entgegen seiner religiösen Ueberzeugung zur Annahme einer Religion zu zwingen. Unter solchen Umständen hört in Folge Wegbleibens der den Charakter der Unauslöschlichkeit tragenden Taufe das Hindernis; auf, welche die Anwendung der in unseren Gesetzen wurzelnden Prinzipien, nämlich der Freiheit des Religionswechsels beim Uebertritte zur jüdischen Religion unmöglich machen würde. Laut den Gesetzen sind Eduard und Julcsa Darvas nach Erreichung des im § 2 des G-A. UH: 1868 erwähnten Alters als Katholiken anzusehen, d. h. sie können nach vollendetem 18. Lebensjahre ihre Konfession wechseln, und zwar können sie sich im Sinne des citirten Gesetzes nicht blos einer rezipirten Konfession anschließen, sondern sie können, da sie nicht getauft sind, in diesem exzeptionellen Falle auf Grund der Rechtsanalogie auch die jüdische Religion annehmen. (N. P. I.) Prag, 22. Juli. In der czechischen Landesausstellung, die jetzt hier stattfindet, erregt der Papier-Pavillon der Gebrüder Fuchs große Aufmerksamkeit. Der Vater der Gebrüder Fuchs, Herr Ignaz Fuchs, der erst im vergangenen Winter gestorben ist, kam als ein armer Knabe hierher und hat sich durch seine Intelligenz, Emsigkeit und Rechtlichkeit zu einem der ersten Papierfabrikanten der österr.-ung. Monarchie aufgeschwungen. Seine beiden Söhne, die das Geschäft ihres Vaters in dessen Geist fortführen, beschäftigen heute in ihren Fabriken mehr als tausend Personen. Lemberg, 20. Juli. Nach einem Telegramm der polnischen Blätter sind die englischen Dampfer „Car", „Orion" und „Theber" mit tausend jüdischen Emigranten ans Odessa, Nikolajew, Sebaftopol, Batum und Noworossyjsk auf dem Wege nach Jaffa im Aufträge der türkischen Regierung angehalten und an der Weiterfahrt gehindert worden, was einen Protest der englischen Botschaft in Konftantinopel hervorrief. In Folge der englischen Intervention ließ man die Schiffe schließlich doch passiren. Türkei. Kanea auf der Insel Kreta. Mit wahrer Betrübniß haben die hier lebenden Juden von der bedrängten Lage, in die ihre Glaubensbrüder auf Korfu gerathen sind, vernommen und sogleich erging an dieselben die herzliche Einladung, ihre bisherige Heimath, die ihnen nun zur Hölle geworden, zu verlassen und sich auf unserer Insel, die ein Garten Gottes '-! p im Mittelmeere genannt werden darf und die auch noch Raum genug jnwTi D'T rom zur Ansiedelung daselbst bietet, niederzulassen. Dazu steht auch die Insel Kreta unter der wahrhaft milden Herrschaft des Sultans Abdul Hamid tV'-t, der nicht nur ein gerechter, sondern auch ein freisinniger Fürst ist und daher bei seinen Unterthanen keinen confessionellen Unterschied kennt. Leider fand unsere Stimme kein Gehör bei unseren Glaubensbrüdern auf Korfu und nicht ein einziger von ihnen wollte sich entschließen, sich auf unserer Insel niederzulafsen. Die Furcht nämlich, das; sie sich auf unserer Insel, die zwar ein gesegnetem Eiland ist, aber nur einen kleinen Handel hat, nicht werden ernähren können, hielt sie ab, unserer Einladung Folge zu leisten. Sie zogen es daher vor, nach den großen Handelsstädten des Mittelmeeres Venedig, Bnndisi, Trieft, Alexandrien, Salonichi, Smyrna, Konstantinopel 2c. auszuwandern, da sie h offten, sich dort baldigst eine Existenz gründen zu können. Die Hoffnung, daß sich unsere kleine Gern einde, die aus nur wenigen Familien besteht und die noch dazu die einzige der ganzen Insel ist, durch Auswanderer ans Korfu bedeutend vergrößern werde, ist also nicht in Erfüllung gegangen. Und doch wäre uns ein Zuwachs an Glaubensgenossen sehr erwünscht gewesen, um nufere Synagoge, die ein alter ärmlicher Bau ist, entsprechend renoviren oder gar durch einen großen, schönen Neubau ersetzen und dann auch, um unserem Rabbiner eine materiell bessere Existenz verschaffen zu können. Auch das Eheleben hätte uns einen solchen Zuwachs sehr erwünscht gemacht, da unserer geringen Anzahl wegen die Wahl einer Gattin oder eines Gatten ungemein schwierig ist und wir auch zu tief im Meere liegen, um uns mit Leichtigkeit mit unseren Brüdern auf dem Festlande verschwägern zu können. Die Anzahl unserer Gemeindemitglieder kann sich dadurch nur langsam vergrößern. Spanien. Madrid. In der National-Bibliothek hier befindet sich ein seltenes spanisches Manuscript „El libro del rabbi Santob (um □ w)u von dessen Existenz nur wenige Gelehrte Europas etwas wissen dürften. Dasselbe enthält sechshuudertsechsundzwanzig Sinn- oder Lehrgedichte in spanischer Sprache und wurde dasselbe vom Verfasser dem berüchtigten castilischen Könige, Peter dem Grausamen, gewidmet. In diesen Gedichten wird der König darüber belehrt, auf welche Art er sich die Liebe und Dankbarkeit seines Volkes erwerben könnte. Eine Copie des Manuscriptes befindet sich auch in der berühmten Bibliothek des Escurial, die bekanntlich auch mehrere seltene hebräische Manuscripte, darunter auch das fast noch unbekannte Werk ifn ’^n, enthält. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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