Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1152 Brand gesteckt und so schwebte dessen Bemannung auch noch in Gefahr, ein Raub der Flammen zu werden. Aber selbst diese zwiefache Gefahr hielt die Bemannung nicht ab, tapfer für Kaiser und Vaterland zu kämpfen und auch Herr Braun trotzte ruhigen Angesichts dem feindlichen Kugel- und Bombenregen, während hinter ihm die Flammen loderten. Ruhmbedeckt zog sich der „Kaiser" aus dem Kampfe zurück und nun konnte seine Mannschaft ruhig an das Löschen des Feuers gehen. Wien. Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht einen Bericht, den Baron Hirsch von feinem Auswanderungsagenten White über die russischen Juden erhalten hat. White meint, daß unter Umständen sich unter diesen Inden Elemente für eine Ackerbaukolonie finden ließen, und formulirt vier Vorschläge zur Erreichung dieses Zieles: 1. Bildung von lokalen Auswanderungscomitös aus den angesehensten Juden jeder Stadt. Die Aufgaben derselben würden darin bestehen, die Auswanderer auszuwählen, Geld zu vertheilen, die Abreise der Auswanderer zu kontroliren und anzuordnen, sich zu Gunsten der Emigranten mit der Regierung in Verbindung zu setzen und ein Verkehrsceutrum zwischen Hirsch, der Regierung und den Auswanderen zu bilden. Ein in St. Petersburg eingesetztes Hauptcomite soll die ihm unterstehenden Eomitös überwachen. 2) Das gegenwärtige Paßsystem ist durch ein System von freien Auswanderer-Certifikaten, welche die Verzichtleistung auf die Rechte und die Befreiung von den Pflichten eines russischen Staatsangehörigen enthalten, sobald die Grenze überschritten ist. Keine außerordentliche Militärlaft oder ein anderer Dienst sollte den zurückbleibenden Juden in Folge der Auswanderung von Glaubensgenossen auferlegt werden. 3) Die russische Negierung hätte allen armen Besitzern von Auswanderungs-Certifikaten unentgeltliche Fahrt zu gewähren. 4) Die jungen Juden sollten im Handwerk und im Ackerbau unterrichtet werden. Man müßte um die Erlaubniß ausuchen, Ackerbauschulen zu errichten. . Die Vertreter des Baron Hirsch, die den Landankauf zu Gunsten der russischen Eolonisten vornehmen und die Ankömmlinge empfangen und installiren sollen, befinden sich seit einigen Monaten in Argentinien. Italien. Rom, 27. Juli. Gestern Nachmittags hat das hier unter dem Vorsitze des Exministers B o n g h i zur Unterstützung der so grausam verfolgten russischen Juden sich gebildete Comite, dem auch zahlreiche Adelige, Senatoren, Deputirte und sonstige distingnirte Persönlichkeiten der ewigen Stadt angehören, eure Sitzung abgehalten und wurde dabei beschlossen, folgendes Manifest an die Bevölkerung zu erlassen: Italiener! Wo immer sich ein Schmerzensschrei vernehmen läßt, dem müssen auch wir Italiener sogleich Gehör leihen und dürfen auch wir nicht unterlassen, herbeiznctlen und denselben zu mildern, soweit sich nur die Möglichkeit (possibilita) dazu darbictet. Welche nun auch die Ursachen der Regierungen sein mögen, wir müssen nur auf das Elend sehen, das daraus entstehen kann und wir fühlen dies in unserer Seele, um desto heftiger, je mehr diese Ursachen den menschlichen Gefühlen und Empfindungen entgegengesetzt sind, von denen man glaubte, daß sie schon für Jahrhunderte fest (saldi)j und sicher (sicuri) hingestellt wurden. Hier bei uns in Italien, wo die hebräischen Mitbürger nie eine öffentliche Ungelegenheit geschaffen oder Anklagen, wahre oder nur gemuthmaßte (vere o supp oste), hcrvorgerufen, müssen nun die grausamen Verfolgungen, denen sie jetzt anderswo ansgesetzt sind, eine besondere Aufmerksamkeit und zugleich auch ein wahres Mitgefühl erregen. Um nun diesen Unglücklichen, die jetzt so viel zu erleiden und zu ertragen haben, rasch Hilfe bringen zu können, haben die/Unterfertigten beschlossen, sich als Comitö zu constituiren und ladet dasselbe nun seine Mitbürger zur thäLigen Mitwirkung dabei ein, um so ihnen Gelegenheit zu geben, die Gefühle (86nttm6nlj), die sie und gewiß auch alle Italiener beseelen, an den Tag legen zu können. Hier folgen nun die Unterschriften. Zahlreiche Tagesblätter hier veröffentlichen schon dieses Manifest und darf man daher hoffen, daß die edle und tolerante italienische Nation in großartiger Weise ihre Sympathien für unsere verfolgten russischen Glaubensbrüder bezeugen und ihnen zugleich auch eine ausgiebige Unterstützung bringen wird. Woche» - Kalender. Mittwoch, 5. August, l. Ab. ttHH EWi. Freitag, 7. August, 3. Ab. Sabbat-Anfang 6 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 8. August, 4. Ab. pin rattf Sabbat-Ausgang 8 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Cxpedition. ML W. in K. Mk. 15.— erhalten. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.