Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1891)
- Date
- 1891-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXII. Sa-rglUiz. ßßt 61, Israelit... Icsch»ru»7 BtUföjrift jut FSriierulig jild. Geistes unD jild. Kkdens in Uns. Gmelnde und Mnle. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 3. Augu ft 5G51 (1891). Leitender Artikel. Zur skchslimldertiiihrigkn Äundesfeier der Schweiz. Eidgenossenschaft. ES gibt, nutzer derjenigen der Israeliten, keine Specialgeschichte (als die der Schweiz), die so deutlich zeigt, wie Gluck und Unglück der Völker von der Anerkennung ewiger sittlicher Machtgebote abhängt, neben denen jede menschliche Macht und Willkür nur rin ephemeres Dasein führt. Prof. I>r. Hilty: Die Bundesverfassungen der Schweizer. Eidgenossenschaft. Zur 0. Saeularfeier des ersten ewigell Bundes vorn 1. August 129 l. Officielle Festschrift, im Auftrag des Schweizer. Bnndesraths. Noch wenige Tage und die gesammte Schweizerische Eidgenossenschaft feiert den Tag ihres 600 jährigen Bestandes. Das Schweizervolk feiert gern und häufig große, glänzende Nattoualfeste. Sie bilden den besten Kitt, um die Einzelnen frei und leicht und freudig mit der Gesammtheit so innig zu verbinden, daß das harte Band von Blut und Eisen, welches sonst die Staaten nothdürftig zufammetthült, sich damit nicht messen kann. Aber diese Feier, zu der sich jetzt ein ganzes Volk rüstet, das an politischer Schulung und Reife von keinem anderen übertroffen wird, hat schon in ihrer bloßen Vorbereitung und in der Art und Weise, wie dieselbe getroffen wird, etwas mächtig Ergreifendes. Da ist nichts Gemachtes, nichts von oben herab Befohlenes, kein Personenknltus, keine zur Schau getragene Feststimmung, ein Gedanke ists, der Alle bewegt, ein Bewußtsein, das Alle erfüllt, die Großen, die Kleinen, die Hohen und die Niederen. Vor dieser Einmüthigkeit fallen alle Schranken, welche die Verschiedenheit der Lebensintercssen, der Sprache, der Eonfession sonst auch in der Schweiz ziehen niag. Wenn in wenigen Tagen ans allen Dörfern und Städten die Glocken ihren ehernen Gruß durch das ganze Land senden und von Alp zu Alp die Freudenfencr leuchten, so will ein ganzes Volk auf's Neue den 600 jährigen Väterschwur besiegeln, den der deutsche Dichterfürst in die Worte kleidete : Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Und wenn ein ganzes Volk diesen Eid auf's Neue leistet, wenn es sein Festgewaud anlegt, um der Bedeutung dieses Schwures auch äußerlich den entsprechenden Ausdruck zu geben, wer könnte dann lauter, inniger und herzlicher diesen Schwur durch sein Amen besiegeln, als die jüdischen Bürger der Schweizerischen Eidgenoffenschaft?! Wo aus Gottes weiter Erde der Freiheit eine Gasse geöffnet wird, wo sich Menschen als Brüder in Liebe die Hand reichen und man dem Vertrauen ans Gott das Wort redet, da sind cs doch unsere eigensten, ältesten und höchsten Ideale, die da ihre Verwirklichung finden. Wenn dies aber gar bei einem Volke geschieht, das in seiner Ekgenthümlichkcit und in seinen Schicksalen so auffallende Achnlichkeit mit dem Geschick und der Eigenart des jüdischen Volkes hat, dann mag es wohl am Platze sein, auf das eine und andere dieser gemeinsamen Momente kurz hinzuweisen. Die wesentlichsten Momente in der Entstehungsgeschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft sind allen Gebildeten, wett über die Marken des Schweizerlandes hinaus, wohl bekannt. Nach der Geschichte des jüdischen Volkes, ist vielleicht keine andere Allen so geläufig, als die der Schweiz. Sie verdankt dies allerdings zum großen Theil ihrer dramatischen Behandlung, die sie durch den ersten deutschen Dichter gefunden hat. Aber die Wahl dieses Sujets, in welchem Schiller die ganze Höhe seines Geistes und die volle Tiefe seines Gemüths, wie nirgends sonst zum Ausdruck bringen kouute.