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Der Israelit · 1891-07-27 · Heft 59 (27.7.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 59 (27.7.1891)
Date
1891-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1109 Schneider hat es bekanntlich zu einer gewissen Berühmtheit dadurch gebracht, daß er die größten Beleidigungen mit wahrhaft antiker Ruhe einsteckt. So wurde er wiederholt öffentlich der Stampigltenfälschung und der Verleitung zum Meineid beschuldigt, ein Abgeordneter (Dr. Bloch) erklärte in offener Parlamentssitzung, Herr Schneider gehöre ins Zuchthaus und ein anderer Deputate (Dr. F o r e g g e r) stellte ebenfalls in öffentlicher Sitzung die Behauptung auf, Herr Schneider dürfe zum Eide nicht zugelassen werden. In einem „Eingesandt" in einer Wiener Zeitung nannte ferner ein Gesinnungsgenosse des Herrn Schneider, der ebenfalls stramm antisemitische Stadtverordnete von Wien, Hollomay, den ehrenhaften Herrn Abgeordneten für Wien-Sechshaus einen „Lügner und Verläumder" und auf alle diese Jnvectiven antwortete der Auserwählte eines Theiles der Wiener Bevölkerung, „er habe kein Geld zu Prozessen und könne deswegen niemanden verklagen." Darauf erbot sich der Wiener Zeitungseigenthümer Alex. Scharf, sämmtliche Prozeßkosten für Herrn Schneider zu tragen, falls derselbe den Muth habe, seine Beleidiger zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen; Herr Schneider reagirte auch darauf nicht. Nunmehr haben sich aber die Wähler dieser Angelegenheit angenommen und fordern ihren Abgeordneten in einer mit Hunderten von Unterschriften bedeckten Erklärung auf, seine Ehre vor dem Gerichte zu rehabilitiren. Sie erklären sich bereit, die Prozeßkosten zu tragen. Der antisemitische Wortführer wird wahrscheinlich auch diesmal Ausflüchte machen, denn von ihm gilt das in Wien geflügelte Wort: „Die Antisemiten fürchten Gott und den Gerichtssaal." Vermischtes. Berlin, 14. Juli. Der „Reichsanzeiger" vom gestrigen Tage bringt folgende Mittheilungen: Die orientalischen Sammlungen der königlichen Museen haben der Hingebung eines hiesigen Privatmannes, des Herrn Rudolf Müsse, eine werthvolle Bereicherung zu verdanken, die um so wichtiger ist, als der betreffende Zweig der morgenländischen Alterthumskuude bisher sowohl bei uns als in anderen europäischen Museen nur schwach vertreten war. Die Geschichte Arabiens vor dem Auftreten des Islam lag bis vor Kurzem noch ganz im Dunkeln, und erst seit in neuerer Zeit, vor Allem durch Herrn Dr. Glasers ebenso kühne als erfolgreiche Reisen, aus der Südhälfte des Landes zahlreiche Inschriften bekannt geworden sind, beginnt sich allmählig das Dunkel zu lichten, und es ergibt sich, daß auch einst im Alterthum eine vergleichweise hohe Kultur geblüht hat. Es ist Herrn Dr. Glaser gelungen, 33 dieser Jnschriftensteine und drei Töpfe aus Alabaster, die von Grabsteinen stammen, nach Europa zu schaffen, und sie sind es, die Herr Rudolf Moffe erworben und den Königlichen Museen als Geschenk übergeben hat mit der ausgesprochenen Absicht, durch dieste Gabe die orientalischen Studien in Deutschland auA nach der Seite der Alterthumskunde Arabiens hin zu fördern. Die Inschriften sind in der eigenthümlichen südarabischen Schrift geschrieben (die der abessinischen ähnlich ist) und gehören nach Herrn Dr. Glaser zumeist in das erste Jahrtausend v. d. g. Ztr., während andere auch aus späterer Zeit stammen. Sie sind meist religiösen Inhalts, doch fehlt es auch nicht an solchen, die geschichtliche Ereignisse berichten; unter den letzteren befindet sich das Hauptstück der Sammlung, eine Inschrift von 23 Zeilen, die den Bündnißvertrag dreier Könige, des Königs Alhan von Saba, des Königs Gedarot von Habaschat und des Königs Ghailan von Hadhramant, enthält. Das Geschenk hat die Allerhöchste Genehmigung erhalten und wird zur Zeit in den vorderasiatischen Sälen im Erdgeschoffe des neuen Museums aufgestellt. Berlin. Ueber schlechte Behandlung jüdischer Soldaten wird in der „Berliner Presse" anläßlich eines bestimmten Falles Klage geführt. In Küstriu habe ein Offizier einen zu einer achtwöchigen Uebung eiugezogenen Reservisten wiederholt mit kränkenden Ausdrücken belegt, in denen die Abneigung des betr. Offiziers gegen die Juden überhaupt mitunter recht drastisch zum Ausdruck kam. Die „Berliner Presse" richtet deshalb die Anfrage an den Kriegsminister, ob ihm ein Mann, wie der betr. Offizier befähigt erscheine, seine erzieherischen Talente an einer Kompagnie Soldaten zu erproben. London. Der 20. Jahresbericht der „Anglo-Jewish- Affoeiation" in London beschäftigt sich zunächst mit den Ereigniffen des vergangenen Jahres, unter welchen die Verfolgungen der Juden in Rußland unser besonderes Jntereffe beanspruchen. Wie unermüdlich und unerschrocken der Vorstand dieses Vereines zu Gunsten unserer Glaubensbrüder zu interveniren versuchte, ersieht man aus den mitgetheilten Petitionen, welche an den Marquis Salisbury als Vertreter des auswärtigen Amtes gerichtet wurden, sowie aus den Interpellationen, welche der Präsident Sir Julian Goldsmid im Unterhause einbrachte. Nach dem Bericht über die auf Kosten dieser Gesellschaft im Oriente erhaltenen Schulen werden im Ganzen 28 Schulen mit über 6000 Schülern theils erhalten, theils subventionirt, wofür 1168 Lstr. verausgabt wurden. Woche« - Kalender. Freitag, 31. Juli, 25. Thamus. Sabbat-Ansang 7 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 1. August, 26. Thamus. .n"rDD nitfltt Sabbat-Ausgang 8 Uhr 35 Min. (Mainzer Uhr.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Bei der eingetreteneu Sommer-Saison machen wir die geehrten Hausfrauen, welche erfrischende Speisen auf die Tafel bringen wollen, auf das „Mondamin", fabrizirt von Lrv>vL & Polson, ganz besonders aufmerksam. Dasselbe eignet sich vorzüglich zur Herstellung aller Arten Flammeries, Puddings, Rother-Grütze:c. Die besonderen Eigenschaften dieses Artikels sind Reinheit im Geschmack, große bindende Kraft und Leichtigkeit der Handhabung. In der Küche bietet Mondamin eine leichte, angenehme Beschäftigung, auf der Tafel sind damit bereitete Speisen von großer Beliebtheit. Der Werth des Mondamin mit Milch gekocht, als ein Nahrungsmittel für Kinder und Kranke (Mondamin erhöht die Verdaulichkeit der Milch), ist überall bekannt; ebenso bekannt sollten die Vorzüge des Mondamin als ein Mittel zur Herstellung von erfrischenden Sommerspeisen sein. — Aus unserem Annoncentheil ist ersichtlich, daß Mondamin in Delicateß-, Colonial- und Droguen-Handlungen zu haben ist.

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