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Der Israelit · 1891-07-27 · Heft 59 (27.7.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 59 (27.7.1891)
Date
1891-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1105 ^euilUidit. sabbatai Aewi. i st o r i s ch e Erzählung Nr-nst Srlnvar,. (Fortsetzung.) Die Versammlung in dem Saale, in welchem Sabbatai erscheinen sollte, befand sich in höchster Spannung, kein lautes Wort ward gehört, aber Alle unterhielten sich im Flüsterton, wodurch ein Gesumme entstand, das sich hin und wieder bis zu einem Rauschen steigerte, als befände man sich in unmittelbarer Nähe des Meeres. Endlich ertönte Hörnerklang gleichzeitig ans allen vier Ecken des Saales. Jegliches Geräusch verstummte sofort und Aller Blicke wandten sich gegen das obere Ende des Saales, wo es plötzlich in seltsamem Glanze ei strahlte, als wäre eine Sonne dort aufgegangen. Der Hörnerklang dauerte fort, bald waren es langgedehnte, zitternde Töne, bald schmetternde, wie rufende Stimmen. Dann verstummten die zitternden Töne, während die schmetternden Töne lauter wurden, immer lauter, um dann plötzlich zu verstummen. — Athemlose Stille herrschte jetzt, als, wie durch Zaubermacht, die mittlere Wand am oberen Ende des Saales sich theilte; blendender Glanz erfüllte den Raum und in dein Glanze erschien Sabbatai's hohe, herrliche Gestalt. Ein Laut des Staunens, der Bewunderung ging durch den Saal, als er in feierlich gemessenen Schritten unter den Baldachin trat. Ein langes, glänzendes Gewand von schwerem, weißen Atlas fiel von den Schultern bis auf die Füße hernieder. Seine prachtvollen Haare von einem breiten, zackigen Goldreif leicht gehalten, wallten frei bis über den Nacken hernieder. Seine Augen funkelten wie in übernatürlichem Glanze, seine hohe, schön gewölbte Stirn, sein ganzes Antlitz strahlte. Nachdem Sabbatai in der Mitte unter dem Baldachin seinen Standpunkt eingenommen hatte, ertönte auf's Neue Hörnerklang gleichzeitig aus allen vier Ecken des Saales, wechselnd langgedehnte, zitternde Töne mit freudig schmetternden, wie rufenden. Dann verstummten die langgcdehnten, zitternden Töne und die schmetternden wurden lauter, immer lauter, bis auch sie plötzlich verstummten, lind abermals öffnete sich, wie durch Zaubermacht, die mittlere Wand am oberen Ende des Saales, blendender Glanz erfüllte den Raum und in dem Glanze erschien einer der Schüler Sabbatai's, ein schöner, hochgewachsener, junger Mann in lang berabwallendem, dunklen Talar, im Arme eine Thorarolle von ungewöhnlicher Größe, mit einem weißscidenen, reich mit Gold gesticktem Mäntelchen umkleidet und einer prächtigen, reich vergoldeten silbernen Krone, in der silberne Glöckchen helltönend sich schaukelten. In feierlich gemessenen Schritten trat dann der junge Mann bis vor den Baldachin und hinter ihm ordneten sich in langer Reihe Sabbatai's Schüler, einer hinter dem andern. Wiederum ertönte Hörnerklang gleichzeitig aus allen vier Ecken des Saales, und während die langgedehntcu, zitternden Töne ununterbrochen fortdauerten, setzte der Zug sich in Bewegung, voran der Thoraträger und hinter ihm in langer Reihe der Schüler Schaar. Langsam und feierlich umschritten sie dreimal in weitem Umkreis den Baldachin, unter dem der Bräutigam seiner Erwählten harrte. Dann verstummten die Hörner in sanft dahinschwindenden Tönen, der Träger der Rolle trat unter den Baldachin, die silbernen Glöckchen in der Thorakrone tönten hell, während Sabbatai sich zu ihr wandte. Die Spannung hatte den höchsten Grad erreicht, als Sabbatai die rechte Hand hob, in der ein breiter Goldreif funkelte. Dann sprach er mit lauter, weithintönender Stimme: „Siehe, durch diesen Ring bist Du mir angetraut nach dem Gesetze Moses und Jisroel." Er ließ den Ring auf eine an der Krone angebrachte silberne Stange gleiten, ergriff dann die Thorarolle und drückte sie wie mit leidenschaftlicher Innigkeit an seine Brust. In diesem Augenblick ertönte von der gegenüber befindlichen Estrade rauschende Musik. Während einiger Minuten stand Sabbatai wie in Verzückung, die Thorarolle in seinen Armen fest an seine Brust gedrückt. — Dann aber begann er nach den Tönen der fortdauernden Musik, mit der Thorarolle im Arm, in phantastischem Tanze sich zu bewegen. Bei diesem Anblick brach die Menge in lallten Jubel aus. Die Musik ward noch rauschender und ging in ein rascheres Tempo über, der Tänzer bewegte sich gleichfalls rascher, die Menge jubelte noch lauter und wie elcctrisirt durch das Beispiel desjenigen, den sie als Messias verehrten, griffen Männer nach den ihnen zunächststehenden Frauen und stürmten mit ihnen in wildem Tanze durch den Saal. Auch Sabbatai hatte die Thorarolle mit einer gluthäugigen Salonicherin vertauscht und stürmte, gleich den Uebrigen, nach den Klängen der Musik ' unter tobendem Jubel dahin.

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