Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1891)
- Date
- 1891-07-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Ntthodoxe MudenlhunW A BQ l-OM QSESv*)' lS».J«li 18ttl. Rr. 5.] mm $mzm szrarasrü Inhalt: Aphorismen über Schiurvorträge. Von Lehrer S. Pfeifer, Reckendorf. — Bericht über die 10. Jahres-Versammlung des südwestdeutschen Verbandes israelitischer Lehrer in Witten. - Aus Stadt und Land: Würzburg. Aus Bayern. — Büchermarkt. Aphorismen über Schinr-Borträge. ^>4 Von Lehrer S. Pfeifer. Reckendorf. Das Schiurlernen ist ein schwacher Ueberrest aus der Zeit, wo sich in jeder Gemeinde eine Ehewra gleichstrebender Genossen gebildet, welche die Pflege des Thorastudiums als obersten Grundsatz ans ihre Fahne geschrieben. Dazu bedurfte es nicht eines Drängens von Außen, nicht der Ausübung eines moralischen Zwanges, das ernste, tiefgewurzelte Streben nach einem gemeinsamen Höheziel hieß jeden Bundesgenossen hochwillkommen. Nach des Tages Last und Mühe fand man sich in einem Hause zusammen, um sich in dem blühenden Garten der Agada zu ergehen, oder den Geist in dem ewigen Jungbrunnen der streng nach den Gesetzen des tiefsten Denkens sich aufbauenden Halacha zu stärken. Waren diese allabendlichen Zirkel im Allgemeinen auf eine nicht große Mitgliederzahl berechnet, weil dem Einen die Muße, dem Andern die Lust zu ernster Geistesarbeit fehlte, so konnte man zum mindesten allsabbatlich, wo diese Hindernisse von selbst wegfielen, die Gemeindemitglieder vollzählig um einen Vortragenden, selbstgewählten Genossen, der den Lehrer vertrat, versammelt sehen, die aber aus der bescheidenen Rolle eines Zuhörers heraustraten und sich Lebhaft an dem Geistesturniere beiheiligten, wo die blanken, gleißenden Waffen der Dialektik oft so geschickt geführt wurden, daß die Kampfesweise selbst dem besiegten Gegner zur Ehre gereichte. Diese Privatgelehrsamkeit ist in erschreckendem Maße geschwunden; die Vereine sind geblieben. Zwar werden in denselben noch in den meisten Fällen vom Lehrer Vorträge religiösen Inhaltes gehalten, aber der Zuhürerkreis rekrntirt sich zum größten Theil aus solchen, deren Kenntnisse über das nothdürftige Verständniß des Pentateuch und der Gebete nicht hinausgehen. So ist in den meisten Fällen das Publikum beschaffen und wir haben hier nur ländliche Verhältnisse im Auge, denen der Lehrer seine erborgte Weisheit vorträgl. Wir haben mit Absicht und Ueberlegung das Wort „ erborgt" gebraucht, denn von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, kann es sich bei den Schiurvorträgen nur um die Interpretation schon fertiger Thematen handeln, will der Lehrer ein nicht zu unterschätzendes Mittel, das Verständniß der jüdischen Schriftsprache anzubahnen, nicht außer Acht lasten. Wir haben schon etwas vorgegriffen und angegeben, in welcher Form die Vorträge zu halten sind. Die Schiurvorträge bedürfen der sorgfältigsten Pflege und gewissenhaftesten Vorbereitung, schon um deswillen, weil sie das einzige Mittel sind, welches dem Lehrer zu Gebote steht, auf die Herzen seiner Gemeindeangehörtgen direkt einzuwirken. Es wird nur an der Art liegen, wie er diese wichtige Aufgabe erledigt, und der Hingebung und Begeisterung, die ihn dabei leitet und beseelt, um sich dieses Einflusses zu versichern. Vor allem muß der Lehrer selbst ein überzeugungstreuer Jude sein, dessen Handlungen sich mit den vorgetragenen Lehrsätzen decken und die selbst die beste, in That umgesetzte Lehre sind. Hören die Zuhörer aus den Auseinandersetzungen und Ermahnungen die vom Herzen kommende Wärme heraus, leiht das edle Feuer für die Religion den Worten Kraft und Macht, so wird der Vortrag eines tiefen Eindruckes nicht ermangeln. Nur wenn der Lehrer das Herz der Zuhörer zu rühren versteht, wenn seine be- Nr. 58, S. 1083 - 1086 sind erst zwischen S. 1088/1089 eingebunden.