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Der Israelit · 1891-07-23 · Heft 58 (23.7.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 58 (23.7.1891)
Date
1891-07-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX11. Jahrgang. (g £ ft e Seüllgr jm M 58 des „Israelit r. Iescharun u Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, lieber schlechte Behandlung jüdischer Soldaten wird in der „Berliner Presse" anläßlich eines bestimmten Falles Klage geführt. In Küstrin habe ein Offizier einen zu einer achtwöchigen Hebung cingezogenen jüdischen Reservisten wiederholt mit kränkeuhen Ausdrücken belegt, in denen die Abneigung des betr. Offiziers gegen die Inden überhaupt mitunter recht drastisch zum Ausdruck kam. Die „Berliner Presse" richtet deshalb die Anfrage an den Kriegsminister, ob ihm ein Mann wie der betr. Offizier befähigt erscheine, seine erzieherischen Talente an einer Kompagnie Soldaten zu erproben. Hamburg. Zwischen Australien und Canada scheint ein edler Wettstreit um die Aufnahme der armen russischen Flüchtlinge zu bestehen. Aus den letzten australischen Postnachrichten ist zu ersehen, daß Herr M. A. Rapken, der Schatzmeister der Ost-Melbourner hebräischen Gemeinde, mit Baron Hirsch wegen der Ansiedelung von 2000 russischjüdischen Familien in dem sog. Mallee Lande, im Nordwesten Victoria's in Unterhandlung steht. Herrn Rapken sind in jenem Distrikt und in nächster Nähe einer Eisenbahn 168 Ouadraimeilen fruchtbaren und wohlbewässerten Landes angebotcn werden. Um seinen Vorschlag anszusübren, möchte Herr Rapken ein Syndikat gründen, welches den russischjüdischen Familien das Ankanfsgeld vorstrecken soll. Sollte der Plan niit Erfolg dnrchgeführt werden, so würde jede der betreffenden Familien nach zwanzig Jahren Eigenthümerin einer freien Farm von dreihundert Morgen Landes sein. Angesichts der australischen Opposition gegen Armen-Einwandernng macht Herr Rapken darauf aufmerksam, es wäre ein grober Jrrthum, anzunehmen, daß die unglücklichen russischen Juden sämmtlich Nlittellos wären. Viele derselben besitzen Geld und bilden die Klasse von Emigranten, welche er nach Australien zu ziehen wünscht. Zur Zeit des Abganges der Post organisirte Herr Rapken einen Ausschuß, welcher die ersten hundert Familien in Empfang nehmen sollte. — Im Ostend von Montreal hat der Mayor der Stadt unlängst das „Baron Hirsch-Institut" eröffnet, welches aus einer Stiftung des Barons zum Besten armer Juden errichtet worden ist. In dem unteren Theil des Instituts befindet sich eine Schule für arme jüdische Kinder, während in dem oberen die Räumlichkeiten zu Aufnahme mittelloser jüdischer Einwanderer eingerichtet sind. Schon am Tage der Eröffnung stellten sich die ersten 13 russisch-jüdischen Gäste ein. Hamburg, 21. Juli. Nachdem ich soeben Ihren gestrigen Leitartikel „Guter Rath zur gute» That" aus der Feder Ihres geschätzten Herrn Isaak Hirsch gelesen, rufe ich demselben vo« ganzem Herzen zu rnnaw -jro iw", daß er das Schweigen gebrochen, worin sich unbegreiflicher Weise die verschiedenen Comites mit den verschiedenen Zwecken hüllen. Wer es täglich hier in Hamburg mit ansehen muß, wie Hunderte von russischen und polnischen Auswanderern mit Frauen und Kindern auf dem sogenannten Schulvorplatz der Synagoge, Elbstraße umherlungern und von zumeist unerfahrenen jungen Leuten, oftmals in sehr ungerechter Weise abgcfertigt werden, und wie sie, wenn diese Abfertigung geschehen ist, zumeist noch immer nicht wissen, wohin sie gehen und was sie machen sollen, der muß zu der Ueberzeugung gelangen, daß es in dieser Weise unmöglich so fortgehen dürfe. Es fehlt augenscheinlich jedes System, eine Controlle ist dabei geradezu unmöglich und was die Hauptsache ist, es scheint überhaupt gar kein Plan vorhanden zu sein, wie den Leuten radikal geholfen werden soll, rcsp. wohin die hier Ankommenden gesandt werden sollen. Bedeutende Stimmen werden ja schon gehört und dazu scheint auch der rühmlichst bekannte vnJ pn^s '» i inKowno zu zählen, daß man den Bedrängten nach Rußland selbst Hilfe senden möge, da die Wenigsten der Auswanderer, wirklich Ansgewiesene, sondern eigentlich nur Verwiesene von einem Ort resp. Gouvernement zum andern sind. Möge man vertrauen auf das Wort der nirnpn mm, das da lautet: pio Dnivp ns* dj rjs* 'ui nmosD P on'ms: „Selbst wenn sie auch sein werden, in dem Lande ihrer Feinde werde ich sie nicht verabscheuen und nicht verachten, sie aufreiben zu lassen, meinen Bund mit ihnen zu zerstören." Mit dem Abgang der schlechten Rathgeber des Zaren werden sich auch die Verhältnisse in Rußland zum Guten ändern. Colmberg, 19. Juli. In Nr. 54 Ihres gesch. Blattes sind unter der Ueberschrift: „Aus Mittelfranken vom l.Jnli" Colmberger Zustände geschildert, bei welcher Gelegenheit auch meine Wenigkeit genannt ist, gestatten Sie mir daher einige Worte zur Erwiederung. . Es ist richtig, daß ich schächte, habe auch das Schächten bei zwei sehr tüchtigen Fachmännern erlernt, ob ich rabbinatlich autorisirt, oder nicht, weiß der Einsender doch nicht, im übrigen schächte ich, wie jedermann, auch der Eilisender selbst weiß, einzig und allein für meinen Haushalt und zwar so lange, bis wir wiederum einen Lehrer haben. Die weitere Bemerkung des Correspondenten anlangend,

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