Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1891)
- Date
- 1891-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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-Wcibbcitai Aowr. H i st o r i s ch e Erzählung von ^rn«k t^cknnnr?. (Fortsetzung.) Auch Sch'lomoh's Ansehen war seither bedeutend gestiegen. War er auch nicht so redegewandt, wie seine würdige Gattin, so wußte er doch immer Mancherlei zu erzählen, was kein Anderer wissen konnte und man sprach allen Ernstes davon, ihn bei der demnächst stattfindenden Wahl zum Vice-Vorsieher der Beerdigungsbrüderschaft zu erwählen. In der ganzen großen Judengcmcinde von salonichi besprach man jetzt kaum anderes, als die Erscheinung des Messias und die zu der bevorstehenden Erlösung erforderlichen Vorbereitungen. Manche hielten in Wirklichkeit Einkehr bei sich und thatc-n Buße, langjährige Feinde versöhnten sich. Die Meisten jedoch glaubten Sabbatai's Aufforderung vollkommen Genüge geleistet zu haben, wenn sie, wie er zn töun pflegte, fleißig fasteten, badeten und um Mitternacht einige Psalmen lasen. Und tagtäglich, sobald es dunkelte, sobald die Nacht ihre Fittige über Stadt und Flur breitete, dann öffnete sich Sabbatai's Thür und gefolgt von seinen zahlreichen Jüngern trat er ins Freie. Und mit seiner wunderbar schönen, klangvollen Stimme sang er Psalmen und seine Jünger fielen im Chore ein. Singend durchschritten sic dann die Straßen von Salonichi oft Stunden lang. Die Leute in ihren Häusern lauschten mit unnennbarem Entzücken dem seltsamen Gesänge der singenden Schaar. Doch sobald Mitternacht nahte, dann verstummte der Gesang, bann sprach Sabbatai mit lauter, weithin tönender Stimme ein von ihm selbst verfaßtes Gebet und dann gingen Alle heim, möglichst lautlos. Obgleich die weit überwiegende Mehrzahl der Juden Salonichi's in Sabbatai Zewi den gottge sandten Messias verehrte und in laut jubelnder Erregung der von ihm ausgehenden Erlösung entgegenharrte, so gab cs doch, namentlich unter den altern Rabbincn, noch Besonnene, die sich des allgemeinen Taumels zn erwehren vermochten und die nicht nur Sabbatai's göttliche Sendung in Zweifel zogen, sondern dieselbe geradezu in Abrede stellten. — Was hatte er denn vollbracht, das; man ihn als Messias hätte anerkennen müssen? —Sein allerdings imponirendes Aeußere, der seltene Wohlklang seines Organes und seine geradezu prachtvolle Singstimme — das alles vereint, erschien den Bedächtigen nicht hinreichend, um in ihm den Messias zu erkennen — und überdies, das allnächtliche laute Singen in den Gassen, so reizvoll es der Mehrzahl erschien, so unwürdig des Messias erschien cs den Andern. Auf eingezogene Erkundigung in Smyrna hatten sie auch in Erfahrung gebracht, daß und weßhalb dort der Bann über ihn verhängt worden war. Trotzdem waren sie nicht im Stande, die Menge in ihrem Glauben wankend zn machen oder den unaufhörlichen Jubel zu stören. Auch Sabbatai fühlte sich in jeder Beziehung sicher und sein Glaube an sich und seine Meinung von sich schienen sich in's Unendliche zu erweitern. Zehn Monate waren nahezu vergangen, seit Sabbatai auf seinem Saumthier in Salonichi seinen Einzug gehalten. Frau Riwkah selbst sorgte für das ehrwürdige Thier wie mit mütterlicher Sorgfalt, obgleich Sabbatai, der den Eselsritt nicht liebte, es nur selten zu benützen Pflegte. Aber auch Jachkni berhciligtc sich an der Pflege des Grauschimmels, namentlich an der Pflege der zwei weißen Dreiecke, des getheilten Magen Davids, das eine ganz besondere Behandlung erforderte. Jcdesrnal, bevor Sabbatai das Thier zum Ritt benützte, besorgte Jachint die Toilette des letzteren, dann traten die seltsamen dreieckigen Flecke immer mit größerer Genauigkeit hervor. Seit einigen Tagen hielt sich Sabbatai eingeschloffen in seinem Zimmer und ließ Kernen, nicht einmal seine Schüler, zu sich. Er hatte für den nächsten Ausgang des Sabbates eine Festlichkeit verkünden lassen, zu der er sich angeblich mehrere Tage ungestört vorbereiten mußte, es galt nämlich die Vermählung des Messias mit der Gotteslehre feierlich zu'begehen. In begreiflicher Spannung sahen Sabbatai's Anhänger diesem lang voraus verkündeten Feste entgegen, hatten sie doch keine Ahnung voll oem, was sich da ereignen könne; die Erregung, die bereits seit vielen Monaten in Salonichi herrschte, steigerte sich in den letzten Wochen von Tag zu Tag. Während Sabbatai daheim in seinem einsamen Zimmer die ihm persönlich obliegenden Vorbereitungcn vollbrachte, besorgten Jachini und einige der vertrantctften Schüler die äußeren Vorbereitungen zn der erwähnten Festlichkeit. Der größte Saal, der sich in salonichi befand, war gemiethet worden. Sabbatai hatte zwar nur seine nächsten Freunde geladen, jedem derjelben war es jedoch gestattet, die eigenen Freunde mitzubringen, auch Frauen war der Zutritt nicht verwehrt. Eine Stunde nach Ausgang des Sabbats versammelten sich die Geladenen. Der große Saal war von zahllosen Wachskerzen taghell erleuchtet und von einer erregten Menschenmenge nahezu über-