Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1891)
- Date
- 1891-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Odesa 1× ep/1000834
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1061 geben Weden muß, daß die türkischen Sanitätsbelwideu ihr Möglichstes thun, ein Umsichgreifen der «Vcuche — insbesondere in der Richtung nach den am Mittelländischen Meere gelegenen Hafenplätzen Syriens — zu verhindern, so darf doch die Thatsache nicht verheimlicht werden, daß eine schwere Epidemie in diesem Jahre zu erwarten ist, eine Epidemie, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch nach Europa verpflanzen dürste. Auch diesmal sind cs Pilger, welche den Keim der Seuche in sich tragen und um sich verbreiten; aber nicht von den heiligen Stätten des Islam ziehen sie her, sondern aus dem Lande der Brutalität und des orthodoxen Fanatismus, dem unheiligen Rußland, und nicht Moslems sind es, sondern Juden. In den syrischen Städten und Dörfern, in Aleppo, Kelli, Harem, überall sind es die jüdischen Quartiere, worin die Seuche ausbrach und fortwüthet. Die Erklärung hierfür ist einfach. Fast täglich treffen Hunderte von Juden, die über Odessa und Konstantinopel aus Rußland, oder über Salonik oder Syra aus Eorsu kommen, in Syrien ein, heimathlos, brodlos, mittellos, aussichtslos, aber der Hoffnung voll, im Lande ihrer Väter Brod und Erwerb zu finden. Die ersten Ankömmlinge fanden Unterkunft; die folgenden aber fanden weder Brod noch Obdach mehr und die jetzt dort eintreffen, sind einem Elend prctsgegeben, das jeder Beschreibung spottet. Schon die einheimische jüdische Bevölkerung lebte in den denkbar bescheidensten Verhältnissen; nun denke man sich diesen hart arbeitenden und nur äußerst wenig verdienenden Leuten plötzlich und unvorbereitet eine ihre eigene fast übertreffende Anzahl von hungrigen Gästen aufgebürdet. Kein Wunder, daß die physische Lebenshaltung aller dieser Menschen auf eine menschenunwürdige Stufe herabgedrückt und ein Zustand geschaffen werden mußte, welcher den Ausbruch der schrecklichen Seuche unmittelbar verursachte. Dieser furchtbare Nothstand herrscht aber nicht nur in den syrischen Binnenstädten, sondern er beginnt auch schon in Beyrut, Alexandretta, ja sogar in Salonik, also bereits auf europäischem, mit Wien durch die Eisenbahn verbundenem Boden, Fuß zu fassen. Noch ist den türkischen Behörden die Jsolirung der Choleraorte gelungen; aber jeder Gebildete weiß, mit welch' fabelhafter Schnelligkeit die Seuche über jeden Cordon hinwegsetzt, wenn sie irgendwo ein ihr günstiges Terrain antrifft. Solches Terrain ist aber reichlich vorhanden, und der Fanatismus des Herrn Pobedonoszeff und seiner „Heiligen" Synode haben es geschaffen. Amerika. New-Aork, 14. Juli. Aus der Feder des Barons Hirsch ist in der „North American Review" ein bcmerkenSwcrther Beitrag unter dem Titel „Meine Ansichten über Philauttopke" erschienen, in welchem er sich über seine Pläne zum Schutzs seiner Glaubensgenossen näher äußert. Von der Ansicht ausgehend, daß die landwirthschastlichcu jüdischen Colonien in Galizien und Palästina für die große Menge der aus Rußland ausgewieseneu Juden nicht ausreichend und auch wohl in anderer Hinsicht ungenügend sind, ist Baron Hirsch zu der Folgerung gelangt, daß sich die argentinische Republik, Canada und Australien am besten der Ausführung seines Planes eignen. Er gedenke, so führt er in dem Artikel aus, in der argentinischen Republik den Anfang zu machen und unterhandelt gegenwärtig mit den dortigen Behörden wegen Ankaufs geeigneter Landstriche, auf welchen er jüdische Eolonisten anzusiedeln, sowielandwirthschuftliche und industrielle Schulen zu errichten beabsichtigt. Wenn man bedenkt, daß die französische Regierung eine Million Francs bewilligt hat, um unglücklichen französischen Ansiedlern die Rückkehr aus Argentinien zu ermöglichen, daß ferner die diplomatischen Vertreter anderer Mächte in Buenos-Ayrcs entschieden vor der Auswanderung nach jener südamerikanischen Republik warnen, so erscheint der Entschluß des Barons Hirsch in gewissem Maße befremdend. Er ist jedoch in der Lage auf den Erfolg hinzuweisen, welchen bereits verschiedene Hundert russisch-jüdische Familien als Farmer in Argentinien erzielt haben und welcher ein weiterer Beweis für die dem jüdischen Volk innewohnende Energie ist. Baron Hirsch erklärt übrigens in dem Artikel, daß er sich „nur als zcitweiligen Verwalter der von ihm erworbenen Retchthümer" betrachtet. Telegramm. (Für die letzte Nummer zu spät eingelroffcn.) Wien, 15. Juli. Bei der soeben im Reichsrathe stattgefundenen Wahl wurden auch Freiherr von Oppenheim und Leopold Pollak (beide Juden) in die Delegation entsendet. Druckfehler-Berichtigung in Ur. 55. Seite 1016, 1. Sp>, 14. Z. v. o., statt „ungereinigter" lies „ungeeigneter" Wohnungen. Auf derselben Seile, l. Sp., 12. Z. v. u., statt „ueuangebauten" lies „unangebauten" Süd- Amerika. Wochen - Kalender. Donnerstag, 23. Juli, 17. Thamus. ncro i"\ Ausgang des Fasttages 8 Uhr 45 Min. Freitag, 24. Juli, 18. Thamus. Sabbat-Anfang 7 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 25. Juli, 19. Tamus. Sabbat-Ausgang 8 Uhr 45 Min. (Mainzer Uhr.) Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.