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Der Israelit · 1891-07-20 · Heft 57 (20.7.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 57 (20.7.1891)
Date
1891-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. M 57. Israelit «* Jeschurun. Atttschrlst M Förderms W. Gristes und W. f tbtns in Km. Grmlnbr unö Kchnle. KenLrak-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2«. Juli 5651 (18dl)* Leitender Artikel. Guter Null) juv guten Thal? „Der Worte sind genug gewechselt, — Laßt mich auch endlich Thateu seh'n," sagt Göthen wir könnten fast umgekehrt ansrnfen: Alle Juden sind zu thatkräftiger Hilfe für unsere russischen Brüder bereit, aber an gutem Rathe fehl cs. Merkwürdiger Weise herrscht über die Pläne der Bereinigungen, welche zur Lösung der Frage: Wie können wir helfend theils sich selbst bevollmächtigt und auf Grund des von ihnen erhobenen Anspruchs auf Vertrauen und Unterordnung die Leitung des Hilfswerks in die Hand genomnlen haben, theils als schon länger bestehende Central-Jnftitnte als die gegebenen Faktoren dafür allgemein betrachtet werden, ein geheimnißvolles Schweigen. Die sich in Berlin unter dem Namen „Deutsches Eentral-EomitL" corlstituirte Körperschaft trat schon vor längerer Zeit mit Abgeordneten der „Alliance Israelite Universelle“, der englischen Hilfsgesellschaft und von ihr eingeladenen Notabeln aus verschiedenen Städten Deutschlands und Oesterreichs zu einer Berathung zusammen. Ueber die in dieser Berliner Konferenz gefaßten Beschlüsse sind aber nur sehr dürftige Mittheilungen in die Oeffentlichkeit gedrungen. Es geht das Gerücht, daß man geflissentlich einer öffentlichen Erörterung der von der Gesammtheit zu bewerkstelligenden Maßnahmen ausweichen will. Vermeintlich weitsichtige Erwägungen sollen eine Behandlung der heiklen Sache coram publico verbieten; eine solche könnte der russischen Negierung unangenehm sein und ihr Anlaß zu noch härteren Maßnahmen gewähren, auch könnten die unglücklichen Opfer durch die Kunde von umfassenden Vorbereitungen für das Rettungswerk zu einer zu raschen und zu massenhaften Auswanderung verleitet werden. Als ob die russische Regierung um Vorwände verlegen wäre für die Mißhandlung ihrer jüdischen Landeskinder, als ob das Maß der Leiden noch gesteigert werden könnte! Als ob man den Aermften den Hoffnungsschimmer der Erlösung mißgönnen möchte, als ob die Kunde von der brüderlichen, hilfsbereiten Gesinnung ihrer ausländischen Glaubensgenossen nicht geeignet wäre, die Verzweifelten aufzurichten! Sprechen wir es doch rückhaltlos aus: wenn irgendwo es angezeigt ist, vor der weitesten Oeffentlichkeit in eine Erörterung einzutreten, um nicht nur das allgemeinste Interesse rege zu halten, sondern vor Allem um die geeignetsten Mittel ausfindig zu machen für ein großes, heiliges Werk, so ist es in dieser schwierigen Frage, die überhaupt nur durch die einmüthige begeisterte Thatkraft ganz Israels einer gedeihlichen Lösung entgegengcführt werden kann. Darum fort mit aller Heimlichkeit, deren üble Wirkung sich schon jetzt bemerklich macht. Herrscht doch eine Ungewißheit über Alles und Jedes, so daß die einander widersprechendsten Mitteilungen sich ablösen. Heute wird berichtet, daß Palästina als das willkommenste Land Dank des Wohlwollens der türkischen Regierung den russischen Juden seine Arme öffne und bereits Schaaren von Einwanderern dort eine freundliche, glückverheißende Heimstätte gefunden, während morgen verlautet, daß der Aufenthalt im heiligen Lande nur einzelnen Pilgern für kurze Zeit gestattet sei und durch den großen Andrang der russischen Einwanderer Noth und Theuerung daselbst hereingebrochen sei, welche die schrecklichsten Dimensionen anznnehmen drohen. Während heute von einer Ansiedelung in den Vereinigten Staaten Dank einer großartigen Stiftung des Herrn von Hirsch erzählt wird, heißt es Morgen, dieser Plan sei als unpraktisch aufgegeben und man lenke nunmehr seine Aufmerksamkeit auf Kanada. Der Mission des Herrn White wird heute der günstigste Erfolg bereits verbürgt, und morgen er-

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