Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Erste Knlage ,u m 56 d-° „Israeli! & Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspouvenzen. Deutschland. Berlin, 10. Juli. Da die Juden an allem Nebel schuld sind, so muß natürlich auch der geringe Erfolg der deutschen Ausstellung in London ans ihr Konto gesetzt werden. Das ist wenigstens die Logik des Londoner Korrespondenten der „Kreuz- Zeitung." Natürlich stecken die bösen Inden mit der bösen Regierung unter einer Decke. Frankfurt a. M., 15. Juli. Wie auch in Ihrem geschätzten Blatte z. Z. mitgetheilt, hat der res. Bischof in Comorn einen Aufruf zu Gunsten unserer hartbedrängten russischen Brüder erlassen, der, ein Lichtstrahl in trüber Zeit, wegen der hohen Begeisterung, die aus ihm sprach, die Herzen unserer Glaubensgenossen auf dem gesammten Erdenrunde freudig erregte. Unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Breuer *'j stand mit dem genannten Herrn zur Zeit seiner Wirksamkeit in Papa in freundschaftlicher Beziehung und hielt es dcßhalb für seine Pflicht, dem Herrn Bischof für diesen wahrhaft großartigen Kiddusch haschem zu danken. Er schrieb demselben ein in ungarischer Sprache abgefaßtes Dankschreiben. Daraufhin erhielt Herr Dr. Breuer von dem Bischof einen Brief, der in deutscher Ueberfetzung wie folgt lautet: Hochwürdiger Herr Rabbiner! Ihr liebes Schreiben aus der Ferne — geschrieben in der Sprache unseres thenren Vaterlandes und der Menschenliebe — hat mich sehr erfreut: empfangen Sie für diesen Brief, der zu meinem Herzen sprach, meinen aus Herzen kommenden Dank. Dieser liebe Brief wurde aus Anlaß meines Aufrufes an die Bürger der Stadt Komorn im Interesse unserer durch die Verfolgungen in Rußland in die Roth getriebenen jüdischen Mitmenschen geschrieben und drückt Ihre Anerkennung und Dankbarkeit aus. Es sei mir erlaubt, zu bemerken, daß ich für meinen Aufruf keine Anerkennung verdiene, noch weniger einen Dank; denn ich that nur, was jeder edelfühlende und für die Freiheit glühende Mensch thun muß, um das durch den religiösen Fanatismus verursachte Elend zu mildern, die durch schonungslos verheerende, rohe Kraft geschlagene Wunde zu heilen, die Theiknahme an den unmenschlich Verfolgten und die in Thaten und Opfern sich herrlich knndgebende Menschenliebe zu wecken und die leider durch ganz Europa mit mächtiger Gewalt auf's Reue vordringende Finsterniß reactionärer Bewegungen aufzuhalten und möglichst zurückzudrängen. Es ist bedauerlich, daß gerade dieses Jahrhundert, in dessen ersten Hälfte die freiheitlichen Ideen mächtig Platz griffen, in seinem letzten Jahrzehnt die freiheitsfeindlichen reactionären Bestrebungen so sehr begünstigt und daß die unmenschlichen Grausamkeiten in Rußland von Neuem mit der Rückkehr des finsteren Mittelalters und der Schrecknisse jener Zeit drohen. Ich gebe mich jedoch gerne dem Glauben hin, daß diese Atrocitäten nnr vorübergehende Wolken an dem Lebenshimmel der Menschheit sind und die Zeit — diese mächtige Führerin des Menschenheiles — in ihrem Vorschreiten die Wolken zerstreuen, der Himmel sich wieder ausheitern und die strahlende Sonne der Menschenliebe und der Freiheit wieder aufleuchten wird. Mit ausgezeichneter Hochachtung verbleibe ich, Komorn — (z. Zt. zur Erholung in Bolaton-Füred, diesem reizenden Kurorte unseres Vaterlandes) — am 3. Jusi 1891 Ew. Hochwürden aufrichtiger Verehrer und ergebenst gez. Gabriel Papp w. p., Bischof des ev. ref. Distrikts jenseits der Donau. Ich glaube den Lesern des „Israelit" eine Freude bereitet zu haben, indem ich ihnen diesen Brief eines wahrhaften nnx zur Kenntniß brachte. S. Cassel, 3. Juli. Heute hielt Herr Licentiat Gr äbner, emer. Pfarrer aus Berlin, der Schriftführer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, im Stadtbausaale einen Vortrag über die „antisemitische Bewegung in Deutschland." Dem Redner wurde lebhaftester Beifall zu Theil. Aus Unlerfranke«. Die Sammlungen „für die abgebrannten russischen Glaubensgenossen" durch verehrl. Redaktion d. Bl. verdienen ganz besonders berücksichtigt zu werden, indem jene Bedauernswerthen zumeist auch zu den Ausgewiesenen, aus ihrer Heimath verdrängten gehören, was seitens der allgemeinen Hilfscomite's nicht außer Acht gelassen werden kann. — Der Leitartikel aus der trefflichen Feder des Herrn Isaak Hirsch „Wie Helsen wir unfern russischen Brüdern" in Nr. 55 des „Israelit" findet sicherlich allgemeine Beachtung und dürfte von der jüdischen Presse aller Länder gewürdigt werden. Unmaßgeblich gestatten wir uns den Vorschlag, daß die einleitenden Schritte zur Berufung der beregten internationalen Conferenz laut >zur sofortigen Fertigung einer an die hohen Mächte aller civilisirten Staaten zu richtenden Petition durch die HH. Chief-Rabbi Dr. Adler in London und Grand-Rabbtn Z. Cohn in Paris geschehen könnte und sollte. 8. (Der Vorschlag des geehrten Herrn Correspondenten scheint uns sehr der Erwägung werth und vereinigen wir mit demselben unsere Bitte an die genannten Herren Rabbinen. Red.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 20. Juni. Der Wiener antisemitische Gewerbe-Genossenschaftstag wurde wegen Ueberschreitung seiner Statuten durch Entwickelung politischer Thätigkeit behördlicherseits aufgelöst. Wien. Der Private Alexander Pagliarucci Ritter v. Kieselstein gerieth am 31. Mai während einer Tramway fahrt mit dem Conducteur Eduard Frieser in Streit wegen Nichtausfolgung