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Der Israelit · 1891-07-09 · Heft 54 (9.7.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 54 (9.7.1891)
Date
1891-07-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1012 Verspottung christlicher Kinder durch jüdische Schulgenossen sich ereignet hätte. (Gelächter links.) Ich kann und will die Möglichkeit nicht ableugnen. Allerdings, wenn man die Entwicklung gewisser Dinge im öffentlichen Leben bei uns verfolgt, möchte man, sobald von der Verspottung anderer Coufessionen die Rede ist, wie mir scheint, eher an das Gegentheil denken. (Rufe: So ist es! links.) Aber ich nehme keinen Anstand, auch in dieser Beziehung meine Ansicht rückhaltlos bekanntzugeben. Wenn eine derartige Verspottung christlicher Kinder durch jüdische Schulgenossen Vorkommen sollte, dann verdient eine solche Verspottung eine exemplarische,Strafe. (Beifall.) Ich kann aber namens der Unterrichtsverwaltung nur die vollständige Reciprocität in Aussicht stellen. (Beifall.) Wien, 1. Juli. Gestern fand unter dem Vorsitze des Gemeinderathes Dr. Alfred Stern tut Sitzungssaale der israelitischen Cnltusgemeinde Wien eine EnguZte statt, in welcher die Modalitäten berathen wu.den, unter denen die Vereinigung der Cultusgemeinden der Vororte mit jener von Wien vor sich zu gehen habe. Seitens der Wiener Cultusgemeinde nahmen an der Enqußte die Vorstandsmitglieder Dr. Stern, Dr. Stein, Dr. Kohn, kaiserlicher Rath Klinger, Ritter v. Goldschmidt, und Architekt Fleischer, seitens der Enltusgemeinde Sechshaus die Vorstandsmitglieder Taussig, Wilhelm Pollak, Neufeld und Dr. Schmiedl, seitens der Cultusgemeinden Hernals, Ottakring und Neulerchenfeld die Vorstandsmitglieder, Präses Salomon Rosner und Dr. Weiner Theil, während die Delegirten für die Cultusgemeinde Währing ihr Fernbleiben entschuldigt hatten. Wie schon früher, erklärten sich sämmtliche Delegirte im Principe mit der von der Regierung gewünschten Vereinigung aller Cultusgemeinden im neuen Wien einverstanden, doch gingen die Anschauungen bei einzelnen wichtigeren Fragen weit auseinander. Von den Delegirten der vorortlichen Cultusgemeinden wurde die Meinung geltend gemacht, daß die Verwaltung der vereinigten Cultusgemeinden keine centraliftische sein solle, sondern daß die Leitung der einzelnen Cultusgemeinden den in den betreffenden Bezirken seßhaften, mit den Bezirksbedürfnissen vertrauten Personen überlassen bleibe und daß in der Gesammtverwaltung eine ähnliche Einrichtung geschaffen werde, wie eine solche in der Verwaltung Wiens durch den Stadtrath und die Bezirksausschüsse besteht. Die Wiener^Cultusgemeinde verlangt ferner, daß die Vororte-Cultusgemeinden ihre nicht unbedeutenden Vermögensbestände an sie abliefern, ihre Bethäuser aber durch Bethausvereine selbst erhalten sollen. Diesem Ansinnen setzten die Vororte-Delegirten entschiedenen Widerstand entgegen, indem sie geltend machten, daß, wenn die Wiener Cultusgemeinde die Cultussteuer einhebt, sie auch für die Erhaltung der Bethäuser in den Vororten Sorge tragen müsse. Ebenso verlangen die Vertreter der Vororte, daß ihre Beamten und Diener in den Status der vereinigten Cultusgemeinden ausgenommen werden. Da sie erst die Meinung ihrer Ausschußmitglieder einholen müssen, könnten sie auch keinen definitiven Beschluß über den Statuten-Entwurf fassen. Ritter v. Goldschmidt hebt entschuldigend hervor, daß bei Verfassung des Entwurfes auf die Vororte deßhalb keine Rücksicht genommen wurde, weil damals von einer Vereinigung derselben mit der Wiener Cultusgemeinde noch nicht die Rede war,- er verspricht aber, daß das Versäumte nachgeholt werden wird. Die Berathungen über die Bethäuser, die Matrikelführung, die Ertheiluug des Religions-Unterrichts werden bis zur nächsten Enquete im September vertagt. * Oswieneirn. Zur Gedenkfeier an den Kriegergräbern in Oswienci'.n bin ich in der Lage berichten zu können, daß sich vom katholischen Friedhofe die Offiziere, die Kriege r verein skam er ade n und eine unabsehbare Menschenmenge nach dem j ü d i s ch e u F r i e dh ofe begaben, um auch dort das Andenken z wei er bei Oswiencim gefallener Krieger, eines Preußen und eines Oesterreichers, welche daselbst friedlich in einem Grabe ruhen, durch Niederlegen eines Kranzes zu ehren. Vermischtes. Laupheim. In Folge einer warmen Rede, die Herr, Rabb. L. Kahn an einem der jüngsten Sabbate in hiesiger Synagoge hielt konnten Tags darauf die nicht unbedeutende Summe von ca. 1600 Mk. als (Lollecte für unsere unglücklichen russischen vertriebenen Glaubensgenossen abgesandt werden. Ploni. Budapest, 17. Juni. Beim heutigen Frühgottesdienste in der Synagoge der hiesigen aut. orth. Jsraelitengemeinde fand eine ebenso schöne, als seltene Feier statt. Die Gattin des ausgewiesenen russischen Flüchtlings Markus Heingold genas, als sie den Waggon verlassen wollte, im hiesigen Bahnhose eines Knaben, an dem heute die rituelle Aufnahme in den Bund der Bäter vollzogen wurde. Bei der Aufnahme des neuen heimathslosen Weltbürgers sungrrte Oberrabbiner Koppel Reich als Gevatter. Die Operation vollzog Jacob Schück, Rabbiner in Nadudvar. Außer dem Vorstande der Gemeinde und vielen Gemeindemitgliedern, waren im Gotteshause noch anwesend: die hier weilenden Rabbinen von Puttnok und Tarna, sowie einige russische Ausgewiesene. Oberrabbiner Koppel Reich versieht die hierher kommenden russischen Juden mit Fahrkarten bis Wien, versorgt dieselben noch außerdem mit dem nöthigen Reisegeld und empfiehlt die Unglücklichen dem Wiener Comitö, welches sodann für ihr weiteres Fortkommen sorgt. Oberrabbiner Reich hat bereits 19 Juden nach Wien befördert und gehen dieser Tage wieder 10 dahin. 8 Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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