Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1891)
- Date
- 1891-07-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
- Tunis 1× ep/1048155
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1005 de Constantinople" von maßgebendLr Seite versichert, die Regierung gestatte nur den nach Jerusalem wallfahrenden Juden die Landung in den Häfen Jaffa oder Beirut; und selbst diese Wallfahrer müßten Jerusalem innerhalb eines von den Behörden festgesetzten Zeitraumes wieder verlassen. Jamboli. Eine Woche ungefähr vor dem Osterfeste bemerkten einige Israeliten, die sich des Morgens nach dem Tempel begaben, daß während der Nacht der Erdboden vor dem Eingang der Synagoge aufgewühlt worden sei. Eine mächtige Erregung ergriff alsbald unsere Glaubensgenossen, denn man vermuthete gleich, cs möchten dies Verbrecher gewesen sein, die hier eine Grube gegraben und eine Leiche hineingelegt, um beim Herannahen des Osterfestes den Juden Ungelegenheiten zu bereiten. Die Behörde wurde benachrichtigt und ein Polizeiagent zur Stelle gesandt, woselbst man vor einer Menge von Israeliten die Grube öffnete.'Es wurde nichts entdeckt und angenommen, daß die Missethäter in ihrem nächtlichen Treiben durch die Nachtwächter oder Bauern gestört worden seien und vielleicht ein andersmal ihren Versuch erneuern würden. Die Behörden ließen von da ab das jüdische Viertel und namentlich die Synagoge besonders gut bewachen, so daß die bösen Anschläge vereitelt wurden. Afrika. Tunis, 17. Juni. Am Rüsttage des Wochenfestes sind 100 unserer Brüder, welche wegen der bekannten Vorgänge aus Corfu flüchteten, in La Goulete — einem Sommeraufenthaltsort — gelandet. Die wenigen in diesem Orte befindlichen Juden thaten ihr Möglichstes, um den vom Schicksal so schwer betroffenen Familien zu helfen, und sorgten dafür, daß sie über die Feiertage Kost und Logis erhielten. Am Tage nach Schowuoth brachte jeder Zug Hunderte unserer hiesigen Glaubensgenossen nach La Goulctte, und sofort veranstaltete Sammlungen haben bei der Bereitwilligkeit unserer Brüder ein so gutes Resultat gehabt, daß man den Unglücklichen wenigstens provisorischen Unterhalt gewähren konnte. Es muß lobend anerkannt werden, daß sich bei diesen Sammlungen auch viele nichtjüdische Firmen betheiligten. Die hiesige israelitische Gemeinde hat sich mit dem ComitS der „Alliance Jsraölite" ins Einvernehmen gesetzt, um Mittel zu finden, wie man den Ankömmlingen Beschäftigung verschaffen und dieselben hier ansiedeln könne. Wie die „Archives Jsraelites" mittheilen, wurde ein Theil der Kinder jener zur Auswanderung gezwungenen corfiotischen Juden in Schulen der Alliance untergebracht, ein anderer Theil bei Meistern in die Lehre gegeben. Feuilleton. -A« Wor fünfhundert Jahren. Von I. Unna Wenn die Natur nach langer Wintersnacht zu neuem Leben erweckt wird und in tausend prächtigen Farben ihre Blüthen hervortreibt, die das Auge des Beschauers entzücken und erfreuen, so übt dies auch auf das Gemüth des Menschen einen wohlthätigen Einfluß aus, auch er fühlt sich erfrischt von dem belebenden Hauche, der die Schöpfung durchdringt. Und so kann man die Zeit des Frühjahres eine Zeit des Frohsinns für die Menschen nennen, der sich auch in den Liedern der Dichter aller Nationen zeigt. Nur für Israel beginnt mit dem Anfänge des Frühlings eine Reihe von Tagen, die eine fast ununterbrochene Kette trüber Erinnerungen bilden. Gleich nach dem Feste der Befreiung, folgt die Trauerzeit der Sefirah. Abgesehen von anderen unglücklichen Ereiguiffen sind es namentlich die Kreuzzüge, welche in diese Zeit fielen und die über viele jüdische Gemeinden Trauer und Elend brachten. Die Selichoth und Pijutim, die wir noch aus jener Zeit besitzen, schildern in wehmüthigen Klagetönen das Unglück, welches Glaubenshaß und blindwüthender Fanatismus über friedliche Familien heraufbeschworen. — Auf die Zeit der Sefirah folgen in kurzen Abständen die Tage, an denen vor einem halben Jahrtausend auf der pyrenäischen Halbinsel jene Verfolgungen begannen, die zuletzt mit der völligen Vertreibung der Juden endigten. Fünfhundert Jahre sind verflofien seit jenen Tagen blutiger Verfolgung, und doch kommt uns die Geschichte derselben so bekannt vor, als wären es nicht Klänge, die aus einer längst vergangenen Zeit zu uns herübertönen, sondern es ist uns, als ob wir selbst diese Ereignisse erlebt hätten. Warum wohl? Nun, wir sehen ja mit eigenen Augen, wie sich in unserem östlichen jNachbarreiche Vorgänge abspielen, die denjenigen, welche im Jahre 1391 in den Städten Spaniens sich ereigneten, sehr ähnlich sind; nur war es dort der von fanatischen Priestern aufgestachelte Pöbel, der die Mordthaten verübte, während sie hier auf Veranlaffung der Regierung geschehen. Wir brauchen uns nur die Geschichte jener Zeit vor Augen zu führen um zu erkennerl, wie die Grausamkeiten, die am Ende des neunzehnten Jahrhunderts verübt werden, sich denen würdig anreihen, die man sich im finsteren Mittelalter gegen die Juden erlaubte. Wenn wir von der Bedeutung der spanischen Judenverfolgung des Jahres 1391 ein richtiger Bild gewinnen wollen, so müssen wir einen kurzen Ueberblick geben über die Zeit vor dieser Verfolgung. — Unter der Herrschaft der Araber, die im Jahre 711 nach Spanien kamen, hatten die Juden eine Zeit der Blüthe und des Wohlstandes gesehen, wie sie nie wiederkehrte. Sie wetteiferten mit den Arabern in Künsten und Wissenschaften, in Handel und Industrie und hatten zu allen Staatsämtern Zutritt. In jene Zeit fällt auch die Müthe der jüdischen ^.Poesie in Spanien.