Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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HS XXXn, Jahrgang. Jfä 52+ Israelit »«5 Zeschumn. Zritstzüft }Ht Mm«- jSd. Geister nnd jstd. Krdens in Anis. SrNkirde M Fchilr. Emirat-Hrgan für das orthodore Iudenlöum. Begründet von Vi>. Lehnrauu in Mainz. D 0 nnerftag, deee 2. Juli 86.51 <1891). Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. XI.. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. Frankfurt a. M., 1. Juli. Die minn m22, die Thora-Verehrung, ist darum eine so viel umfassende, weil ihre Früchte sowohl auf dem Boden des Gefühls, wie auf dem Gefilde des Verstandes keimen und weil dieser Begriff sich entfaltet in der Wahrnehmung der reinen, selbstlosen Menschenliebe und in letzter Instanz zu dem Gipfel der Ehrfurcht vor Gottes Erhabenheit führt. — Me Vorschriften über rränn *rc» gelten dem concreten Buche, wie dem abstrakten Inhalte — wir möchten fast sagen, dem Körper, wie dem Geiste der Thora — nnd belehren uns über die Pflichten, die wir den Thoralehrenden und den Thoralernenden gegenüber zu beobachten haben. — Man gebe der Verehrung gegen das Buch der Thora, gegen die Thorarolle, schon dadurch Ausdruck, daß man dieselbe in möglichst schöne Kleidung hülle. — Man hüte sich dagegen, einen Beweis von Geringschätzung dadurch an den Tag zu legen, daß man die Thora mit Stoffen bekleidet, die bereits zu ungewethteu Zwecken benützt wurden. Selbstverständlich ist es eine minn nn, die Thorarolle mit zerrissenen Wimpeln zu umwickeln. n"ö-i n"N — Schon das Gefü h l wird hier recht deutlich mitsprechen. Derjenige, dem das Gefühl für die Heiligkeit der Thora innewohnt, wird bei jeder Gelegenheit zeigen, wie sehr es ihm Herzensbedürfniß ist, die Thora ehrfurchtsvoll zu behandeln. Er wird die Rolle stets mit der rechten Hand tragen, die heiligen Bücher nie auf einen Sessel legen u. s. w. Aber auch der V e r st a n d gibt seine Verehrung dadurch kund, daß er bet dem Forschen in der Gotteslehre mit der minutiösesten Genauigkeit zu Werke geht. Jedes Wort, jeder Buchstabe, jedes Strichlein ist ihm von dem größten Werth und der größten Bedeutung. Nicht wie bei Menschenwerk, wo es genügt, im Allgemeinen den Sinn einer Sentenz zu erfassen; bei der Thora ist alles und jedes heilig, lieber jede gegen die sonstige Regel veränderte Stellung der Wörter, über jedes scheinbar Eingeschobene, sowie über jedes fortgelassene Zeichen, wenn auch anscheinend noch so unwesentlich, sucht der Verstand sich Rechenschaft zu geben, und alles prüfend und erklärend, den Willen Gottes zu erforschen. — Und endlich, reine, selbstlose Menschenliebe verehrt die Thorajünger und Thorabeflissenen, stützt, unterhält und versorgt sie. Unserm Tanaiten, 'vr 'i, ist es gleichgiltig, ob dieses Streben nach Thoraverehrung Gefühlssache, ob diese Hvchhaltung und Ehrerbietung vor den in der Thora Forschenden die Frucht der reinen, selbstlosen Menschenliebe sei, oder ob es das Resultat der wissenschaftlichen Forschung ist. .nv-on by -niDD isu minn nx “iznnrt Cin Jeder, der die Thora verehrt, wird von den Menschen geehrt. — So lange noch ein Funken minn T2D in dem jüdischen Herzen lebt, einerlei aus welch' edlem Beweggrund und aus welcher Herzenskammer dieses Fünkchen leuchtet und strahlt, hegt R. Jose die Hoffnung, daß dieses Fünkchen wieder zur Flamme werde, auflodert und erwärmen wird. Ein Fünkchen minn 1122 wird selbst den bereits Fallenden aufrecht halten, ihn wieder der Ehre der Menschen theilhaftig werden lassen. Können wir uns eine Persönlichkeit denken, eine Person, durch die heilige Schrift uns vorgesührt, so abtrünnig, so den göttlichen Gesetzen abhold, aU Israels König, Achab? Ihm war es zu gering, daß er nur die Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebat, beging, er wollte noch größere begehen (Könige 1.16,31), und doch duldete Gott ihn während 22 Jahre als Israels König. — Womit, wodurch wohl verdiente er diese Unterscheidung vor anderen Sündern? fragen un-