Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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900 3. Gs ist dahin )n streben, daß diesen Volksschulen der Characler der öffentlichen Schulen verliehen werde. 4. An denjenigen Orten, wo die jüdischen Kinder die allgemeine Ortsschule besuchen, ist eine Religivnsschule einzurichten, deren Besuch für die jüdischen Schüler obligatorisch ist. 5. Es ist wünschenswerth, daß, vorläufig für Westfalen und die Rheinprovinz, eine Zentralstelle ins Leben gerufen werde, von der aus die Gemeinden angeregt werden, ihre konfessionellen Schulen zu erhalten, neue zu errichten und diese zu öffentlichen erheben zu lassen. Am 2. Sitzungstag wurde zuerst die Tagesordnung für die nächste Konferenz festgesetzt: Eine lebhafte Debatte entspann sich dann über die vom Kollegen Ostwald-Witten im vorigen Jahre ausgestellte Resolution in Betreff der Errichtung einer Zentralstelle, welche sich zur Aufgabe stellt, die Gemeinden beider Provinzen anzuregen, ihre konfesionellen Schulen zu erhalten, neue zu errichten und diesen den Charakter der öffentlichen verleihen zu lassen. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Zur Ausführung von These 5 soll der Ausschuß des Gemeindeverbandes für Westfalen ersucht werden, deren Inhalt in seine Bestrebungen mit einzubeziehen und sich als die von uns gewünschte Zentralstelle zu betrachten." Hieraus wurde von der Versammlung an Se. Ercelleuz den Herrn Kultusminister ein Begrüßungstelegramm abgesandt. Herr Seminarlehrer Treu-Münster trug darauf sein Referat vor: „Die Kunst des Hörenlernens, geübt in einer kombinirten Lesestunde." Um den guten Eindruck, welche die vorzügliche Arbeit auf alle Anwesenden gemacht hatte, nicht zu verwischen, wurde keine Diskussion daran geknüpft. So wie am Eingang der meisten Bücher ein Jnhaltsverzeichniß angebracht ist, ähnlich so führte er aus dem gehaltvollen, psychologisch begründeten und interessanten Vortrage den Gedankengang als Einleitung in folgenden Sätzen an: 1. Ursachen und Folgen von Mißverständnissen. 2. Psychologische Skizze über unsere Sinne, deren vornehmlichste, der Gesichtssinn und Gehörsinn als die eigentlichen Lernsinne zu betrachten und zu beachten sind. 3. Zur Pflege des letzteren ist der Leseunterricht besonders berufen. 4. Als besonders wirksam empfiehlt sich das Hörenlesen in kombinirten Lesestunden, wobei nur eine Abtheilung das Buch vor sich hat, alle übrigen Satz um Satz nach dem Wortlaute und Verständnisse Nachlesen, nämlich nachsprechen. Als bedeutsame Vortheile dieses Verfahrens ergiebt sich unter anderm in erhöhtem Grade: a) eine gespanntere Aufmerksamkeit auf Häutung und Inhalt; b) das Ohr unterscheidet deutlicher den Leseton vom Sprachton und führt jenen diesem näher; e) der Leseunterricht führt zu einer lebhafteren Sprachübung; d) er wird zu einer kräftigen Stütze für den mündlichen und schriftlichen Ausdruck; e) der Schüler gewöhnt sich leichter und schneller an das übersichtliche Zusammenfassen des Gelesenen und Gehörten. Zum Schlüsse führte Redner einige Kuriosa aus der Praxis dieses Verfahrens an. Er hatte dem Vortrage das Motto vorangesetzt: „Ich höre die Menschen und sehe sie nicht. Ich höre den Frühling und sehe ihn nicht. Sprich, damit ich dich sehe!" In den nun folgenden freien Besprechungen warf Herr Fröhlich-M.-Gladbach die Frage auf, ob der Besuch des Sabbatgottesdienstes für die Kinder einer jüdischen Elementarschule als obligatorisch zu betrachten sei, und ob eine dahin gehende Verfügung einer Regierung bestehe. Aus der Besprechung ergiebt sich, daß ein Zwang zum Besuch des Gottesdienstes nicht ausgeübt werden kann. Baum- Rheine berichtet über staatlicherseits an christlichen Schulen für die jüdische Minorität eingerichteten, durch einen aus einem Nachbarorte berufenen Lehrer ertheilteu Religionsunterricht und theilt seine Erfahrung über den bisherigen Verlauf mit. Herr Ostwald-Witten macht Vorschläge zur Erziehung der Seminaristen fürs gesellschaftliche Leben. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, schließt der Vorsitzende die Konferenz mit dem herzlichen Wunsche: Auf ein fröhliches Wiedersehen in M.-Gladbach! Die Schriftführer: I. Coffel-Camen, Baum-Rheine. Briefkasten der Nedaetion. Lehrer S. P. in 31 ... . dorf Manuscript erhalten; dankend acccptirt. M. K. in P. Warum nicht? Vereint sind auch die Schwachen mächtig. Frl. K. G. in H. Einen solchen Verein giebt es unseres Wissens nicht. R. L. in Berlin. _ Zufällig können wir Ihnen sofort dienen. Jüdische Schüler frequentieren die Frankfurterhöheren Schulen seid 1. Februar 1891 in folgender Anzahl: Städtisches Gymnasium 122 (583 Gesammtzahl der Schüler), Kaiser Friedrich Gymnasium und Vorschule 48 (295), Musterschule und Vorschule 106 (32l), Wöhlerschule und Vorschule 225 (100), Klingcrschule und Vorschule 32 (875), Realschule der israelitischen Gemeinde 259 (268), Vorschule 118 (120), Mädchenschule 222 (222), Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft 237 (237), Vorschule 102 (102), höhere Mädchenschule 206 (206), Adlerflychtschule und Vorschule 69 (521), Selektenschule und Vorschule — (165), Elisabethschule — (128), Humboldtschule — 146 (886). Unter einer Gesammtschülerzahl von 6269 finden sich also 1670 Juden - 28,23%; gewiß ein schönes Zeichen für die Frkft. Juden. L. M. in N. In diesem Falle müssen Sie sich an die Behörde wenden. (Provinz-Schulcoll.) W. W. in C. Nein; wir mußten aus bestimmten Gründen schweigen; aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.