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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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für dasN> UtthodoLe MuderrthumÄ 11. Juni 1891.] MM mx^lr MALM MM sra:]* MÄ M: MM laaEECESfD; Feurige Kohlen, d Von H. Berger. — ^nter den Passagieren des Salondampfers „Wilhelm, Kaiser und König", der auf dem schönen Rheinstrom zwischen Cöln und Mainz täglich seine Fahrten macht, befanden sich an einem Augusttage des Jahres 1888 zwei Studenten, die nach angestrengtem Studium auf der Universität auf einer Rheinreise Erholung und neue geistige Anregung suchten. Es waren zwei kräftige Gestalten, deren tadellose Toilette und sicheres Auftreten darauf schließen ließen, daß sie aus reichen Häusern stammten, was das wohlgefüllte Portemonnaie, welches der eine jetzt zog, um den Kellner zu bezahlen, bestätigte. „Wann sind wir in Coblenz?" fragte er den dienstfertigen Kellner. „Um s/.i 1, Herr vr.". entgegnete dieser höflich; „darf ich Sie für die tadle cl'dote notiren?" „Ich danke", versetzte dieser, „aberDu speisest vielleicht mit, Walter?" wandte er sich an seinen Freund. „Ich weiß es noch nicht. Ich ziehe vor, eine Kleinigkeit mit Dir zu essen —." „Meinethalben sollst Tu Dir keine Fesseln auferlegen, alter Knabe; „frei ist der Bursch!"" tönte es leise von seinen Lippen. „Nein, nein, das thue ich auch nicht", erwiderte Walter; „aber laß uns jetzt bei einem Glase guten Rheinweins die herrliche Aussicht genießen!" Sie setzten sich nieder und bald perlte das goldne Naß in den feinen Gläsern und wie trunken hingen die Augen an den entzückenden Bildern, welche die herrlichen Ufer des Stromes in bunter Abwechslung boten. „Es ist doch ein herrliches Land unser Vaterland, und ein kleines Paradies dieses Rheingau!" begann Walter, indem er die Hand schützend über die Augen legte und aufmerksam die Rebenhügel betrachtete; „wir Deutschen dürfen stolz auf unseren Rheinstrom sein." Ter andere Student erwiderte nichts. Es war ein kräftig gebauter Mann, der seine semitische Abstammung nicht verleugnen konnte. Sein hübsches Antlitz hatte etwas Weiches, Zartes, fast Mädchenhaftes, zu dem die von einem Duell herrührende tiefe Narbe, die sich von den Augen quer über die Wange nach dem Ohr hinzog, nicht zu passen schien. Träumerisch blickte er in die Ferne, und als Walter jetzt die Hand auf seine Schulter legte, schrak er zusammen. „Tu träumst wieder, Leo", scherzte Walter. „Ich wette, (Alle Rechte Vorbehalten.) Du hast kein Wort gehört von dem, was ich soeben gesagt habe." „Zu meiner Schande gestehe ich es ein", lachte Leo; „aber wer könnte Vater Rhein befahren, ohne dabei zum Träumer zu werden." „Sag einmal, Leo, ich glaube, Du bist eine Ausnahme von der Regel. Während man an Deinen Glaubensgenossen den praktischen Sinn und die Nüchternheit lobt, bist Du der unverbesserliche Träumer und Idealist." „So sprichst Du uns die Ideale ab? Ich sehe, Du kennst weder Juden noch Judenthum. Ter echte Jude, der Jude von altem Schrot und Korn, der Jude, der sich strengstens nach den Geboten seiner Religion richtet und danach lebt, ist Idealist durch und durch. Er lebt mit seinem Ideal und für dasselbe. Und jene messianische Zeit, die wir herbeisehnen, jener Erlöser, auf dessen Erscheinen wir harren, sind es nicht die herrlichsten Ideale, welche die Gottheit den Menschen geben konnte?" „Schon recht; aber im Allgemeinen ist Euer Sinn doch mehr aufs Praktische gerichtet." „Als ob sich das nicht vereinigen ließe! Glaubst Du, das Empfinden der Juden sei minder zart als das der Christen? „O weh! Wir haben wieder das Thema ohn' Ende. Laß uns davon abbrechen. Sieh, wie die Germania sichtbar wird. Drohend weist sie dem Erbfeind das Schwert. Ob sie nach hundert Jahren wohl noch so unversehrt dastehen wird?" „Warum nicht? So lange deutsche Kraft und deutsche Einigkeit, deutsche Größe und Gerechtigkeit, deutscher Muth und deutsche Treue die Stammtugenden unserer Nation bleiben, so lange mag der Franzmann grollen und drohen — Germania fürchtet sich nicht! Ihre Söhne sind treue Wächter, ihre Tochter sorgsame Hüterinnen." Während edle Begeisterung das Antlitz Leos röthete, stand Walter in den herrlichen Anblick versunken, sprachlos da. Es war ein wunderbares Bild,^ das sich seinen Augen darbot und er genoß in vollen Zügen die Schönheit des Anblicks. Ta ging ein älterer Herr an ihm vorbei und blickte ihm prüfend ins Antlitz. Erstaunt ging derselbe weiter zu zwei Damen, die mit einer Gouvernante und einem Mädchen von fünf Jahren plaudernd an einem Tische saßen. Er machte

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