Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-06-08 · Heft 45 (8.6.1891) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 45 (8.6.1891)
Date
1891-06-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448164--32228-2480064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXX11. Jahrgang. Beilage?« M 45 des „Israelit -> Ieschurnn^ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Juni. Es geht uns eine Warnung, das nn&o in Restaurationen verschiedener deutscher Badeorte betreffend, zu. Da uns nicht bekannt ist, in wie weit die in der Warnung enthaltenen Anschuldigungen berechtigt sind, so beschränken wir uns darauf, wiederholt die Reisenden zu bitten, bevor sie irgend eine Restauration benutzen, sich selbst aus das Eingehendste über die rituelle Zuverlässigkeit derselben zu informiren. Berlin, 2. Juni. Eine gestern Abend abgehaltene außerordentliche Hauptversammlung der Berliner Turnerschaft hat nach langer Debatte mit 376 gegen 30 Stimmen eine Abänderung der Statuten ab ge lehnt, die den Ausschluß von Juden und Sozialdemokraten ermöglichen sollte. Frankfurt a. M., 6. Juni. Ein hiesiger christlicher Rentier hat zur Unterstützung armer russischer jüdischer Auswanderer die Summe von 5000 Mark gespendet. Essen, 31. Mai. In Berlin tagte vorige Woche der evangelisch-sociale Congreß, dessen Präsenzliste größtentheils Geistliche aufweist. Am letzten Conferenztage beantragte Pastor Budy aus Schwanebeck bei Bernau, das Jnslebentreten einer im evangelisch-sozialen Sinne redigirten, billigen Zeitung in Erwägung zu ziehen, „denn das „Volk" sei für die große Menge zu antisemitisch." Trotz stürmischen Widerspruchs wurde der Antrag Budy angenommen. Also soweit ist es schon gekommen, daß sich selbst die Geistlichen von diesem vom Antisemitismus sich mästenden Blatte lossagen. Ein erfreuliches Zeichen, daß diese Einsicht gekommen, allerdings etwas spät! Aus der Provinz Posen, 31. Mai. Seitdem Herr Rabbiner Dr. I a c o b s o h n von Schrimm nach Gnesen übergestedelt ist, entbehrt die dortige israelitische Gemeinde eines Predigers. Infolge Ausschreibung haben sich 14 Herren um diese Stelle beworben; drei Probepredigten haben bereits stattgefunden, und ist es nunmehr zu erwarten, daß in allernächster Zeit durch endgiltige Wahl die Predigerstelle besetzt wird. Die Gemeinde, ungefähr 1000 Seelen stark, repräsentirt daselbst den Bürgerbezw. Kaufmannsstand. Die Vorfahren hatten, wie dies in den polnischen Landestheilen Gebrauch war, ein eignes Viertel, in welchem ihnen inmitten der Wohnstädten ein Beerdigungsplatz für die Todten angewiesen war. Noch heute sehen wir diesen von hohen Mauern umgebenen Platz inmitten der Stadt, allerdings nicht mehr zur Aufnahme Verstorbener dienend. Es ist der israelitischen Gemeinde dafür, wahrscheinlich noch in frühpreußischer Zeit, an der Posener Kunststraße ein Begräbnißplatz, auf dem Platze, wo einst die Burg der polnischen Herzoge stand, angewiesen worden. Zur Zeit Przemyslans II. um das Jahr 1279 stand dort, wie uns Sadowski, der Chronist, erzählt, eine Burg, ein Castell, möglicherweise schon um das Jahr 1136 von Boleslaus I. errichtet. Noch heute scheu wir große Erhöhungen, wohlmöglich Ueberreste der Burg und der früher hierzu gehörigen Stallungen. Der jetzige Begräbnißplatz ist umwährt, und seit vielen Jahren ist die Gemeinde bemüht, den Platz zu verschönen. So ist seit ungefähr zwei Jahren ein würdiges Leichenhaus mit daranstoßender Wohnung für den Todtcngräber neu erbaut worden. Die Herren Kaufmann Abr. Hepner und Schwersenz gaben namhafte Spenden. Ihr Andenken wird dafür durch eine entsprechende Gedenktafel gewahrt. In früheren Jahren war auch die Familie Haase für die Umwährung des Friedhofes eingetreten, eine diesen Gebern gewidmete Tafel an der Pforte ehrt ihre Schenkung. Gegenwärtig ist der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Gold mann, bemüht, weiterbauend Raum zu schaffen, ferner ist Herr Meier Reisner s«n. unermüdlich, seinen Kunstsinn zu bethätigen; sein Schaffen und seine Spenden ehren den dem Frieden geweihten Platz. Holland. Amsterdam, 4. Juni. Es hat sich hier jetzt auch eine Vereinigung gebildet, um den ßu* den, welche aus Rußland vertrieben sind und über Amsterdam nach Nordamerika befördert werden, hier ein gutes Unterkommen zu verschaffen und ihnen in jeder Hinsicht erforderliche Unterstützung zu gewähren. Es ist bereits eine öffentliche Subscription eröffnet worden, und dem ersten Zuge, der heute die große Reise nach der neuen Welt angetreten hat, konnten bereits für 150 Gulden Kleider, Schuhe u. dgl. gespendet werden. Es sind aber noch mehrere und zahlreichere Züge in Aussicht und deßhalb beabsichtigt man auch hier, wie in Charlottenburg, eine ständige Einrichtung zu treffen, wo alle durchziehenden Juden nicht nur ein Unterkommen, sondern auch nach den Vorschriften der jüdischen Lehre, welche die russischen Juden sehr genau beobachten, rituell zubereitetes Essen bekommen können. Belgien. Brüssel, 2. Juni. Man schreibt der „Fr. Z.": Der hiesige „Nord" kramt in einem Artikel über

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.