Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 44 (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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824 aber das Möglichste, um dieselbe zu verbessern. Uebrigens sei die veröffentlichte Einwandererzahl stark übertrieben. Die Gegner der Einwanderung zählten nur die Hinzukommenden, nicht auch die ZViederabgehenden. Während der letzten 20 Jahre wäre die Gesammtzahl der nach London eingewanderten Ausländer kaum 10,000 gewesen. Vor zehn Jahren hätten die Engländer 200,000 Pfd. für russische arme Juden gesammelt. Er wäre überzeugt, daß jetzt ans gleichem Anlaß viel mehr .zusammen kommen würde." — Inzwischen dauert die Einwanderung der Juden in England fort. Gestern kamen wieder 81 an auf beut Dampfer „Minerva" der Firma Perlbach. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Posen, im Mai. Die Mittheilung aus Posen in Nr. 34/35 dieses Blattes, betreffend die Dispensation jüdischer Schüler an Festtagen, ist dahin zu modiffciren, daß die betreffende Regierungsverfügung zunächst nur für die Volks- resp? Mittelschulen erlassen worden ist. Für die höheren Schulen, deren hier drei (2 humanistische und 1 Realgymnasium) vorhanden sind, ist diese Verfügung nicht maßgebend und bleibt es dem Dirigenten der Anstalt anheimgestellt, die Dispensation zu bewilligen oder zu versagen. Da ist nun als Curiosum zu bemerken, daß gerade an den beiden humanistischen Gymnasien, an denen kein jüdischer Religionsunterricht ertheilt wird und kein jüdischer Lehrer angestellt ist, die Dispensation in wohlwollendster Weise bewilligt wird, dagegen an dem simultanen Gymnasium, an welchem jüd. Religionsunterricht ertheilt wird und zwei jüdische Lehrer dem Lehrkörper angehören, die Dispensation entweder gar nicht oder doch nur in beschränktem Umfange bewilligt wird. So wurde an dem vergangenen Peßachfeste nur für die ersten Festtage Dispensation ertheilt; an den letzten beiden Tagen wurden die jüdischen Schüler zum Schulbesuch angehalten. Die Zahl der jüdischen Schüler an den drei höheren Schulen und an der Mittelschule beträgt nach den zu Ostern ausgegebenen Jahresberichten: am Friedr.-Wilh.-Gymnasium unter 535 Schülern 207 jüd. am Marien-Gymnasium unter . . 635 „ 88 „ an der vereinigten Gymnasial-Vorschule unter.231 „ 68 „ am Real-Gymnasium unter. . . 372 „ 108 „ an der Mittelschule (Knaben) unter 1024 196 „ „ „ „ (Mädchen) unter 670 „ 190 „ Um die nöthigeu Mittel zum Ausbau und zu neuer Einrichtung des für die jüdische Mädchen- Waisenanstalt angekauften Grundstücks zu beschaffen, haben vor einigen Monaten viele wohlthätige Damen unserer Gemeinde von den verschiedensten Parteischattirungen einen Bazar veranstaltet, der in dem Saale eines größeren Hotels während zweier Tage abgehalten wurde. Derselbe erfreute sich zahlreichen » Besuchs und fand thätige Theilnahme, so daß der Ertrag sich auf 6—7000 Mk. beziffert. Unter den Besuchern bemerkte man auch die Gemahlin des früheren Ober-Präsidenten, jetzigen Kultusministers v.Zcdlitz-Trützschler, Frau Regierungsassessor Heinly, Frau Landesdirector Posadowsky und noch mehrere hochgestellte Damen. Es ist dies ein erfreulicher Beweis für das freundliche Zusammenleben und Zusammenwirken der verschiedenen Confessionen in unserer Stadt. Vermischtes. Altona. Die Wahl eines Oberrabbiners für die hochdeutsche israelitische Gemeinde soll sobald wie möglich vorgenommen werden. Zu diesemZweck wird bereits am kommenden Montag der Gemeindevorstand eine Präsentationskommission erwählen. Laurahütte, 21. Mai. Vorgestern Abend trafen mit dem Zuge aus Polen gegen 30 russisch-jüdische Auswanderer — ganze Familien mit Sack und Pack hier ein, welche hier übernachteten und'gestern Nachmittag auf Breslau zu weiterreisten. Eine Frau reiste angeblich nach England, wo ihr Mann eine große Fabrik in Manchester besitzen soll. Die Frau soll 50000 Rubel mit sich geführt haben. Auch die anderen Auswanderersamilien waren allem Anschein nach in nicht schlechten Verhältnissen. Wien, 26. Mai. Der Wiener Gemeinderath annullirte in seiner heutigen Sitzung die Wahlen von drei antisemitischen Gemeinderathsmitgliedern und von vier antisemitischen Bezirksausschüssen. Die nunmehr nur noch aus einigen Familien bestehende Gemeinde.Buttenheim bei Lemberg, einst der Sitz bedeutender min hat wieder einen herben Verlust erlitten, da am vergangenen Donnerstag tn jf* Herr Heinrich Katz, der viele Jahre in segenbringender Weise als Kultusvorstand dortselbft wirkte, nach 14tägigem Krankenlager im Alter von 60 Jahren in ein besseres Jenseits entschlummerte. Der selig Entschlafene verwaltete sein Amt mit Hingebung, Opferwilligkeit und der pünktlichsten Gewissenhaftigkeit und war stets bestrebt, die althergebrachten Gemeindeinstitutionen getreulich zu erhalten. Noch am vergangenen riD5 sorgte er dafür, daß es ermöglicht wurde, mit Minjan zu sein, und man die nöthige Zehnzahl theilweise von auswärts zusainmenbrachte. Als Geschäftsmann war strengste Reellität und peinlichste Rechtschaffenheit sein unumstößliches Prinzip, und sein ehrenhafter Ruf war nicht nur in seiner Heimath, sondern in vielen Gauen Deutschlands, wohin ihn seine vielfachen geschäftlichen Reisen führten, allbekannt. Die Theilnahme an der Beerdigung war eine allgemeine. Herr Lehrer Rau aus Hirscheid gab in kurzer, wohlgelungener Rede ein getreues Bild des selig Entschlafenen. O. — Ein zutreffendes Wort des Sultans, das dieser hinsichtlich der Judenverfolgungen in Corfu und besonders Rußland geäußert, erzählt die „Köln. Ztg.": „Wenn solche Dinge in der Türkei vorgingen, dann würde ganz Europa mit Fingern auf uns zeigen und sagen, die Türkei sei ein barbarisches Land, man müsse ihr in Europa eiu Ende machen. Es sei endlich einmal Zeit, daß man in Europa aufhöre, den Märchen von Glaubensverfolgungen in dem osmanifchen Reiche Gehör zu schenken, wie sie gewöhnlich auftauchen, wenn damit irgendwelchen Bestrebungen gedient werden soll. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.