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Der Israelit · 1891-06-01 · Heft 43 (1.6.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 43 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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semitischen Artikel mehr zu bringen. Achthundert nolhleivende jüdische Familien verweilen in Odessa ohne Mittel zur Auswanderung. Die russische Regierung fordert strengstens den Besitz des Auswanderungscheins, für welchen 15 Rubel zu zahlen sind. Militärpflichtigen Juden wird die Ausstellung eines solchen Scheines verweigert. 300 jüdische Familien sind bereits nach Palästina abgereist. Die russischen Judenverfolgungen werden in der Presse des gesammten Auslandes auf das allerschärfste verurtheilt, ohne daß man indessen in Petersburg davon sonderlich Notiz nähme. Wenn nicht der von Rothschild und Genossen unternommene finanzielle Kreuzzug gegen Rußland der Sache eine Wendung giebt, werden alle Lamentos der europäischen Presse nichts an den Zuständen ändern. Im Gegentheile wird gemeldet, daß dem Petersburger Reichsrathe eine neue, für die russischen Juden verhängnißvolle Vorlage zugegangen ist, durch welche die, in den ihnen zum ständigen Aufenthalte zugewiesenen Gouvernements lebenden jüdischen Gutsbesitzer gezwungen werden sollen, Güter oder sonstige Besitzungen, welche sie nach Veröffentlichung des Verbotgesetzes vom 3. Mai 1882 durch Erbschaft erworben haben, in einem Zeiträume von 6 Monaten zu verkaufen. Ob das Jnslebentreten dieser neuen drakonischen Gesetzmaßregel durch die augenblickliche Verlegenheit der russischen Finanzpolitik verzögert wird, muß abgewartet werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Dresden, 30. Mai. Herr Professor Dr. August Wünsche hat die Uebersetzung des Midrasch Tehillim beinahe ganz beendigt; die ersten Bogen sind bereits in die Presse gegangen, so daß die Ausgabe demnächst erfolgen dürfte. □ München, im Mai. Als Beitrag zur Beantwortung der in Nr. 39 und 40 dieses Bls. gestellten Frage: „Was können wir für unsere unglücklichen Brüder und Schwestern (in Rußland) thun?" wollen Sic Folgendes veröffentlichen: In Bayern und wohl auch in den übrigen Ländern des deutschen Reiches existiren bekanntlich viele kleine jüdische Gemeinden, welche nicht mehr oder kaum noch die nothwendige piv-Zahl an Mitgliedern umfassen; z. B. in der Pfalz: Rodalben, Gersheim u. A. Ferner giebt es an manchen Orten Synagogen, zu denen leider keine Gemeinde mehr vorhanden ist; z. B. Pfersee bei Augsburg. Es sollte sich ein Comitv bilden, das nach erlangter behördlicher Erlaubniß eine entsprechende Anzahl russischer Familien daselbst unterbringe; damit würde nach zwei Seiten hin Gutes gestiftet werden. Griechenland. Athen. Der griech. PremierministerDelyan nis hat dem Correspondenten des „Berl. Tagebl." erklärt, daß die Unruhen auf Korfu ausschließlich lokalpolitischer Natur und von der Delyannis feindlichen Partei des gegenwärtigen Bürgermeisters Theodoki ausgegangen seien, welche Angesichts der nahe bevorstehenden Stadtwahlen die Delyannis freundlich gesinnte Wählerschaft einschüchtern wollte. Die Judenhetze sei einzig und allein erregt, um das Kabinet Delyannis vor Europa zu compromittiren. Das ermordete Mädchen sei eine Jüdin gewesen und über die Motive des Mordes werde die Untersuchung Aufschluß geben; er habe soeben zwei neue Richter nach Korfu gesandt. Sein Kabinet werde die politische und die sociale Gleichberechtigung der Juden, sowie die Sicherheit der Person und des Eigenthums, selbst unter Anwendung der äußersten Mittel, zu beschirmen wissen. Aehnlich sprach sich der Minister des Aeußern, Deligeorgis, ans. Die Geschichte von einem Ritualmord sei baarer Unsinn; die griechischen Juden seien die besten, loyalsten Bürger, durchweg ehrenwerthe Leute. Eine offizielle Intervention der Großmächte habe nicht stattgefunden, nur privatim seien freundschaftliche Anfragen von Deutschland und England an das Kabinet gerichtet worden. > Vermischtes, Frankfurt a. M., 27. Mai. Wegen der schrecklichen Leiden unserer unglücklichen Brüder in Rußland nahm Herr Rabbiner Dr. Breuer *"j, der Vorschrift unserer Weisen entsprechend, Veranlassung, den vorgestrigen ’Jty nuyn zum allgemeinen “)DSJ myn zu erklären. Die von demselben ausgedrückte Hoffnung, daß sich die Mitglieder unserer Religionsgesellschast zahlreich an diesem rrjyn betheiligen möchten, .wurde in erfreulicher Weise erfüllt, indem mehr als 70 etü ’tya fasteten. Nachmittags um 7 Uhr versammelte sich ein zahlreiches Publikum in der Synagoge der Religionsgesellschaft, .um für unsere so schwer heimgesuchten russischen Brüder nt’Sn zu thun. Nachdem das ^M2-(ßebet verrichtet war, bestieg Herr Rabbiner Dr. Breuer die Kanzel und schilderte in wahrhaft ergreifenden Worten das grausame Elend, von dem unsere Brüder heimgesucht sind._R. S. Wochen - Kalender. Freitag, 5. Juni, 28. Jjar. Sabbat-Anfang 7 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 6. Juni, 29. Jjar. '■ pis ,noö Sabbat-Ausgang 9 Uhr 5 Min. (Mainzer Uhr.) Sonntag, 7. Juni, 1. Siwan. tTin EWl._ Nachträglich eingegangene Lösung des Räthsels in Nr. 39/40. Lehrer Sam. I. Teruer in Niwra (Post Krzywcze (Oesterr.). Briefkasten der Redaktion. N. B. in Linnich. Ihren w. Brief haben wir nicht erhalten; . senden Sie uns die Fragen gefäll. nochmals. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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