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Der Israelit · 1891-05-28 · Heft 42 (28.5.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 42 (28.5.1891)
Date
1891-05-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXU. Jahrgang. Zw eite öeilage m M 42 de- „Israelit Irschurun" Literarischer Wericht. '»TE? Lobgesänge für Ruh- und Festtage componirt von David Rubin. Der Komponist des genannten Opus, welcher durch seine vor Jahren erschienenen „Tempel-Gesänge" bereits rühmlichst bekannt ist, hat durch Herausgabe der uns vorliegenden synagogalen Gesänge seinen Ruf als geistvoller und gediegener Musiker neuerdings bestätigt. Das Heft enthält namentlich einen für Männer-Quartett geschriebenen „Na tauwu“, nebst Ein- und Ausheben, letztere für gemischten Chor. Diese Gesänge zeichnen sich durch ansprechende Melodie, Charakter und wahre Empfindung sowohl, als hinsichtlich ihrer harmonischen Durchführung ganz besonders aus. Wir wünschen daher dem Künstler eine wohlwollende Förderung seiner gewiß allenthalben willkommenen Composttionen. L. Schl. Zeitungsnachrichten und (Lorresporrdenzen. Deutschland. Berlin. Die Antisemiten machen es den Juden bekanntlich zum Vorwurf, daß so wenig Räuber, Mörder und Diebe aus ihren Reihen hervorgehen: und solche Leute, sagen sie, wollen von Gleichstellung sprechen. Die wirkliche Gleichstellung verlangt auch, so meinen sie, einen gleichen Antheil an den Verbrechen der Gesammtheit. Die Juden sind freilich darin anderer Meinung, und alle gebildeten Menschen werden ihnen wohl Recht geben. Merkwürdig sind aber in der That die Schlüsse, die die braven Antisemiten aus der Kriminalstatistik ziehen. Der „Antisemitenspiegel" hat diese mit großer Klarheit und Schärfe als Trugschlüsse enthüllt. Wir folgen seinen Auseinandersetzungen, die sich an die kürzlich veröffentlichte amtliche Kriminalstatistik für das Jahr 1888 anlehnen. Nach Ausweis derselben wurden verurtheilt wegen Verbrechen und Vergehen Staat, Religion; Christen re. 55,115 Juden 826 die Person 132,127 1,324 das Vermögen 151 222 1,281 im Amt 1,519 16 340,683 3,447 Gegen 1887 haben sich die Ziffern nur wenig verändert. Es kamen, während die Volkszählung einen Juden auf 80 Christen aufweist, i jüdischer Verbrecher auf 99 christliche (1887 auf 100); bei Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen: 1 jüdischer Verbrecher auf 118 christliche (1887 auf 117). So lange die Antisemiten aus einzelnen von Juden begangenen und nicht begangenen Thaten die Schlechtigkeit der Juden Nachweisen wollen, giebt die Kriminalftatistik nach Konfessionen leider allerdings die einzige Gelegenheit, zu zeigen, wie sie die Wahrheit entstellen. Auf dem Antisemitentag in Erfurt, also bet einer für die Partei feierlichen Gelegenheit, sagte nach dem Parteibericht der antisemitische Abgeordnete Zimmermann Folgendes: „Wenn Sie da die Statistik der Meineide, Schwindeleien und Betrügereien u. s. w. ansehen, finden Sie, daß das Judenthum einen Prozentsatz von 87 sämmtlicher Verbrecher stellt. In Wahrheit betrug der Antheil an Betrug und Meineid höchstens 2—3 Prozent}). Die wöchentlich erscheinende antisemitische Correspondenz hat eine stehende Rubrik unter dem Titel: „Israel im Konflikt mit den Strafgesetzen." Darin heißt es in einer Einleitung: „Die Juden bilden in Deutschland den achtzigsten Theil der Gesammtbevölkerung . . . Wäre die Verbrechensanlage der deutschen Nation ebenso groß als in der jüdischen, so müßten jedem der nachstehend aufgezählten jüdischen Vergehen achtzig deutsche gleichartige Vergehen in derselben Zeit gegenüberstehen." - - - Es soll damit der Eindruck erweckt werden, als ob überhaupt, besonders aber in diesen Vergehen, der Antheil der Juden an Verbrechen besonders groß ist. Dabei figuriren auch solche Verbrechen darunter, welche, wie Diebstahl, von Juden verhältnißmäßig besonders wenig begangen werden. Aber der beabsichtigte Eindruck wird doch durch die einseitigen Darstellungen naturgemäß erzielt. Der unbefangene Leser weiß ja nicht, daß auf jedes Vergehen, welches von Juden begangen wird, nicht achtzig, wie es der Bevölkerungsziffer entsprechen würde, sondern eben hundert von Andersgläubigen begangen werden. Die Antisemiten sagen weiter, daß die Folgerungen, die wir aus der Kriminalstatistik ziehen, schon deshalb werthlos sind, weil stets die Bestrafungen, niemals aber die Anklagen in Betracht gezogen sind. Fürwahr eine seltsame Anschauung! Ist denn ein Freigesprochener ein Verbrecher? Aber selbst wenn man das Ungeheuerliche 0 1888 wurden 8 Juden wegen Meineid bestraft, dagegen 789 (statt 640) Christen.

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