Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 39-40 (20.5.1891)
- Date
- 1891-05-20
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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748 dadurch eine Quelle des Verdienstes den nothleidenden Brüdern im heiliqen Lande zu eröffnen.*) Rabbiner Dr. Sänger. Aus Hessen. Bei Eröffnung des Schuljahres wurden, wie üblich, auch diesmal von Director und Lehrern der höheren Schulen die jüdischen Schüler aufgefordert, von ihren Eltern sich bescheinigen zu lassen, ob sie an den Sabbaten und Feiertagen vom Schreiben dispensirt sein wollen, oder nicht. Die Großherzogliche Regierung will keinen Zwang ausüben und zur Verletzung eines jüdischen Gesetzes Seitens der jüdischen Schüler keinen Anlaß bieten. Sie stellt es den Eltern anheim. Diese aber fassen das Schreiben an Sabbat- und Festtagen nicht vom religiösen Standpunkt auf, die Schule soll nach ihren Begriffen die Kinder nicht zu religiösen Menschen, sondern nur zu tüchtigen — Kaufleuten heranbilden. Darum, weil auf vielen Comptoirs am Samstag und Festtag doch geschrieben wird, soll das Kind auch jetzt schon von einem religiösen Verbot des Schreibens gar nichts wissen, soll gleich in der Schule die jüdischen Feiertage mißachten, oder doch als Arbeitstage kennen lernen. Zudem, denkt so mancher Vater, könnte sein Kind eine geringere Note erhalten, oder, was auch nicht so selten ist, man will in den Augen der Lehrer als gebildet gelten und besonders nicht als — gesetzestreuer Jude. Vielleicht verhllft's dann zu einer besseren Note. Wie eine Ironie muß es aber den Lehrern erscheinen, wenn jüdische Eltern ihrem Kinde erlauben, an allen Sabbaten und Feiertagen zu schreiben mir Ausnahme des Neujahrs-undVersöhnungstages, an welchen hohen Festen bekanntlich die jüdischen Schüler vom Schulbesuch ganz dispensirt sind. Das klingt geradeso, als wenn ein Vater seinen Sohn verpflichtet, am Versöhnungstage kein zu essen. Daß man immer noch nicht einsehen will, daß man sich bei dem denkenden Nichtjuden mit solchen Juconsequenzen und solcher Mißachtung seiner Religion nicht gerade in das beste Licht stellt. Gerade durch solche Verkehrtheit macht man eine ostentative Ausnahme. N. Z. Berlin. Am 28. April starb im hiesigen jüdischen Krankenhause der Rabbiner Dr. Oppenheim aus Thorn. Derselbe hatte sich hier einer Operation unterzogen, die Anfangs einen guten Verlauf zu nehmen schien. In den letzten Tagen jedoch verschlimmerte sich der Zustand; ein sanfter Tod erlöste den nunmehr Verblichenen von seinen Anmerk. d. Red. Selbstverständlich müßten in diesem Falle die Rabbinen Jerusalems auch dafür Sorge tragen, daß die palästinensischen Esrogim "trvrD zum Versandt gelangen. Leiden. Dr. Oppenheim stammte aus einer gelehrten Familie in Eibenschütz (Mähren). Er war 23 Jahre Rabbiner der Gemeinde Thorn und huldigte der Reform. Am 24. Mai wird das neuerrichtete Gebäude der Taubstummenanstalt zu Weißensee bei Berlin, das bereits seiner Bestimmung übergeben wurde, durch einen feierlichen Akt eingeweiht werden. Am 2. Tag des Peßachfestes hielt Herr Dr. Lewin am Friedhofe der jüdischen Gemeinde bei der Beerdigung des Dir. Dr. Löwenberg eine Leichenrede. O est er r. - Ungar. Monarchie. Pesth. Auf eine Eingabe der orthodoxen Kanzlei hat der Kultusminister angeordnet, daß die jüdischen Lehrlinge, welche die Lehrlingsschulen besuchen, am Freitag Abend und Samstags (doch wohl auch an jüdischen Feiertagen?) vom Schreiben, Zeichnen und schriftl. Rechnen dispensirt werden, sobald deren Eltern, Vormünder oder Meister dies schriftlich bei der Gewerbe-Schulcommission verlangen. vermischtes. Eisenach, 12. Mai. Zwischen Möhra und Etterminden ist Marcus Klaar aus Ettenhausen von einem Räuber überfallen und der geringen Baarschast halber, die er mit sich führte, ermordet worden. Als ein äußerst harmloser und gutmüthiger Mensch und rechtschaffener Jude hatte Klaar keinen Feind. Die große Aufregung über die an ihm verübte unmenschliche Grausamkeit und die rege Theilnahme an seinen entsetzlichen, unverschuldeten Leiden ist deßhalb sehr natürlich. 0. a. Görlitz. Eine aufregende Szene spielte sich am Mittwoch den 6. Mai hier ab. Zwei Damen unternahmen einen Spaziergang, als plötzlich die eine ihren Sonnenschirm zur Seite warf und in den Teich sprang. Der des Weges kommende Sekundaner Salomo zog rasch seinen Rock und Stiefeln aus und sprang der Unglücklichen nach. Er erreichte sie, wurde aber von der Sinkenden mit in dieFluthen hinabgezogen. In der Nähe arbeitende Frauen kamen mit ihren Rechen herbei, ebenso der Parkaufseher, welchem es gelang, dem Gymnasiasten einen Rechen zu reichen und so beide Personen zu retten. Kattotvitz Auf unserem Friedhofe hat der Fabrikbesitzer A. Do werg aus Gleiwitz eine mit Wellblech eingedeckte Glashalle zur Benutzung bei Beerdigungen aufstellen lassen. Ratibor. Frau Leopold, die Veteranin der Frauenabtheilung der Beerdigungskommission unserer Gemeinde, beging am 12. c. in seltener geistiger Frische ihren 85. Geburtstag. Eine Deputation, an deren Spitze der Vorsteher, Herr Fabrikbesitzer H ugo S ch ück stand, übermittelte im Namen der Gemeinde der greisen Jubilarin herzlichste Glückwünsche. Herr Oberamtmann Co h n - Korno w atz wurde zum Kreisverodneten für die Königliche Generalkommission, und Herr Maurermeister und Brauereibesitzer Berliner-Ratibor als Sachverständiger zur Abschätzung etwa nöthig werdender Kriegsleistungen gewählt. Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich.