Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 39-40 (20.5.1891)
- Date
- 1891-05-20
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXII. Jahrgang. V 111 C Beilage 39«. 40 „Israelits-Ieschurun" Leitender Artikel. Zur Lage der Juden in Wußsand. Ueber die Maßregelung der Juden in Moskau wurde von uns bereits ausführlich berichtet. Der Vorgang ist, wie der „Magdeb. Ztg." aus Petersburg geschrieben wird, ein äußerst lehrreiches Beispiel zur Charakteristik der gegenwärtigen trostlosen Zustände, bei denen jede unter dem Deckmantel des „national-russischen" Patriotismus in Scene gesetzte Hetze gegen russische Staatsbürger anderen Glaubens und anderen Stammes bei der Regierung auf den günstigsten Boden fällt. Es war der berüchtigte Professor Jlawnitzki (dem vor Kurzem nachgewiesen wurde, daß er den dritten Band seiner „Geschichte Rußlands" ohne alle selbstständige Forschung einfach aus verschiedenen anderen Geschichtswerken abgeschrieben hat), der vor einem halben Jahre in der „Nowoje Wremja" eine Reihe von Artikeln über die „Verjudung Moskaus" veröffentlicht hat, worin er ausführte, wie das „heilige russische Moskau" immer mehr in den Besitz der Juden gerathe und mit fanatischem Haß dafür eiferte, daß Moskau von ihnen gereinigt werden müsse. Die Regierung, die auf die Presse im Allgemeinen mit großer Geringschätzung herabsieht und doch vollständig am Gängelbande der „Nationalisten"-Partel in dieser Presse sich bewegt, griff dies sofort auf, und der allmächtige Oberprocurator Pobedonoszew unterstützte beim Zaren den Eifer für die Reinigung Moskaus von den Juden, durch deren Anwesenheit die alte Zarenftadt, der Hort des Russenthums, geschändet würde. Die Folge war die eben veröffentlichte Maßregel, wonach jüdischen Mechanikern, Branntweinbrennern , Bierbrauern und überhaupt Werkmeistern verboten wird, sich in Moskau und im Gouvernement Moskau ständig aufzuhalten und sich daselbst niederzulassen. Diese neue Gewaltsamkeit findet natürlich den vollen Beifall der nationalistischen Presse, während der andere Theil absolut zum Schweigen verurtheilt wird, indem noch kürzlich die „Nowosti" wegen ihrer „Parteinahme" für die Juden die zweite Verwarnung erhalten haben mit der mündlichen Mittheilung der Oberpreßverwaltung, daß bei der ersten Gelegenheit unrettbar das Verbot erfolgen werde, weil die „Nowosti" überhaupt einem „verderblichen Liberalismus" huldigten! Entzückt schreibt die „Nowoje Wremja": „Mau kann nicht umhin, in dieser Regierungsverordnung ein erfreuliches Symptom zu erblicken. Die Eroberung des Handels und der Industrie in! Moskau durch die Juden ist leider eine unzweifelhafte Thatsache, und zwar eine Thatsache nicht blos von lokaler, sondern von allgemein russischer Bedeutung. Moskau bildet ein Centrum, dessen Einfluß sich im ganzen inneren Handel Rußlands zeigt, namentlich in Groß-Rußland. Der Eingriff des Judenthums in die Handelskretse Moskaus eröffnete ihnen einen Einfluß auf den ganzen inneren Handel, und es ist ja bekannt, wie riesig diese demoralisirende Kaste ist und wie schwer es ist, dagegen anzukämpfen. . ." Die „Nowoje Wremja" ist aber mit jener Verordnung noch nicht zufrieden, fordert vielmehr die Regierung auf, nun auch weiterzuschreiten und das jüdische Großkapital zu verjagen: „Natürlich kann man dabei nicht stehen bleiben, denn jener Theil der Juden, gegen den sich die Verordnung richtet, ist wohl an Zahl größer, aber er findet seine Stütze bei den Juden stärkeren Kalibers, die sich in Moskau ein sicheres Nest gebaut haben. So lange diese Nester sich halten, wird man die Befreiung Moskaus von den Juden nicht für erzielt halten können, denn sie bilden, mit unfaßbaren Fäden mit dem ganzen Judenthum verbunden, die Grundlage der jüdischen Herrschaft in Moskau. Langsam, aber allmählich und rücksichtslos muß man danach streben, daß die Nester aus Moskau, wo man ihrer nicht bedarf, weggeschafft werden. . . ." Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Bingen. Die schändliche, ungeheuerliche Judenhetze in Corfu veranlaßt mich zu folgender Bemerkung. Die Bewohner Corfu's haben bekanntlich gerade durch uns Juden eine bedeutende Einnahmequelle. Die Corfuer Esrogim werden mit Vorliebe und zu ganz enormen Preisen, oft 10—20 M. das Stück, zu rnso gekauft. Millionen werden vielleicht dafür bezahlt. Es wäre in Zukunft wohl richtiger, diese Summen den Bewohnern Palästinas zufließen zu lassen. Wir würden dabei noch ein verdienstvolles und dauerndes Werk verrichten, weil Tausende armer jüdischer Bewohner des heiligen Landes dadurch ihr Brod finden würden. Ich mache rechtzeitig darauf aufmerksam, damit auch die Händler mit Corfuer Esrogim ihre Maßregeln danach treffen können. Ich ersuche zugleich die Leser dieser Zeilen, ihre Bekannten darauf aufmerksam zu machen und