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Der Israelit · 1891-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1891) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1891)
Date
1891-05-20
Page
– (sequence 21)
Language
German
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743 „str£ini“, wie schon erwähnt, bei Anwendung der Gesetze hervorruft, abgesehen, wird sich der hochgelahrte Herr Professor und Herrenhäusler höchst wahrscheinlich gar keinen oder nur einen gedankenlosen Begriff gemacht haben von dem, was er eigentlich will, als er hinschmierte, „die Fremden (ehrlich genommen) dürfen nur für ihre Konnatton al en Schulen halten" und gleich darauf „die Israeliten dürfen nur Kinder mosaischen Glaubens aufnehmen." Daß die „Eingeborenen von mosaischem Ritus" dadurch in der gleichen Stufe mit den Ausländern behandelt werden, wird wohl jeder Schuljunge, außer dem Schul- — — Professor Uröka, sehr bald herauserkennen aus der konfusimatischen Gesetzesfassung. Wo dann das großmüthige „sie sollen behandelt werden wie Rumänen" bleibt, welches den „mosaischen Eingeborenen" eingeräumt (?) wird, mag der Projektenmacher mit dem langen — Namen wissen. Die Gunst ist wahrscheinlich auf dem Wege vom Guten Wollen bis zur Ausführung desselben abhanden gekommen. Daß die Israeliten nur Kinder ihrer Religion aufnehmen sollen — wie eben Ausländer auch — hat seinen tieferen Sinn darin, daß bislang auch christlich-rumänische Kinder israelitische Schulen aufsuchen, weil ein haarsträubender Mangel an öffentlichen Stadtbezw. Staatsschulen herrscht und die betreffenden israelitischen ausgezeichnet geleitet werden. So z. B. besuchen seit Jahren christliche Knaben — bis zur Zahl von 100 jährlich — die israelitische Gem einde-Schule in Plojeschti. Auch sind so ziemlich die meisten Privatlehrer (Stundengeber) Israeliten, die auch Christen unterrichten, von welchen sie mit Vorliebe und übrigens mangels christlicher gesucht werden. Was uun aus dem Gesetz eigentlich herauskliugt, ist die Sucht, die Israeliten gewaltsam von dem Umgang mit Christen abzusondern und abzuschließen, vor Allem aber die alte böse Absicht, die aus allen Gesetzen namentlich von 1879 an herausleuchtet: den verhaßten Juden, wo irgend möglich das Brod vom Munde wegzunehmen, oder wenigstens kleiner zu schneiden! — Wie bekannt wird, beabsichtigt Herr Chajim Burich Nappaport in Turgul-Ncanitz mit 70.000 Frcs. ein israelitisches Hospital in seinem Wohnort zu errichten. An solchen Anstalten thut es bei uns und besondes in T.-Neanitz bei der dort ganz speziell herrschenden Armuth sehr noth und ist dieser Mangel um so empfindlicher, als israel. Kranke in christl. Spitälern, außer der rituellen Seite nur schwer oder gar keine Aufnahme finden. Die Absicht ist daher eine sehr dankenswerthe, und ich hebe sie gern hevor. > Vermischtes. Baltimore, 20. April. Eine zahlreiche besuchte Versammlung fand neulich unter den Auspizien des Baltimorer Zweiges der „israelitischen Allianz" statt. Dieselbe war einberufen, um denjenigen Israeliten der Stadt, welche der „Allianz" nicht angehören, Gelegenheit zu geben, deren Zwecke und Ziele kennen zu lernen, und sie zugleich zum Beitritt aufzufordern. Rabbiner Dr. Schneeberger hielt bei Uebernahme des Vorsitzes eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, wie die Mehrzahl der aus Rußland auswandernden Juden nur zu sehr geneigt sei, sich in den Seestädten des Landes niederzulassen und dort einer Beschäftigung nachzugehen, auf die sie keineswegs genügend vorbereitet seien. Das Gesetz verbiete in Rußland den Juden, ein Handwerk zu betreiben, und so sei der neue Ankömmling nicht im Stande, mit anderen Arbeitern zu conkurriren. Nothdürftig erlerne er dann schnell eine Beschäftigung, wie das Kleidermachen, müsse billig arbeiten und verderbe dadurch anderen Handwerkern den Lohn. In der Abstellung dieses Uebelstandes bestehe die Aufgabe der Allianz. Durch die wenigen bisher gegründeten israelitischen Kolonieen sei erwiesen, daß der hierher kommende russische Jude sich zum Ackerbau eigne. Man müsse daher die neuen Einwanderer aus den Städten fern halten und sie auf das Land hinaus bringen. Bemerkenswerth sei eS, daß die armen israelitischen Einwanderer zuerst die Idee der „Allianz" ausgenommen. Von den mehreren Hundert Mitgliedern des Baltimorer Zweiges kämen etwa neun Zehntel aus ihnen. ES gelte aber, und das sei der Zweck der Versammlung, auch die Sympathie Derjenigen zn erwecken, denen reiche Mittel zu Gebote ständen, die sich aber bisher der Bewegung fern gehalten. Hr. Simon Wolf aus Washington sagte: „Wir dürfen nicht geringschätzig auf diese armen Menschen herab blicken. Wir haben kein Recht, uns besser zu dünken, wie die geringsten unter ihnen. Wer sagt Ihnen, daß Sie oder ich, die wir ein reichlicheres Einkommen haben und eine höhere Bildung genießen, als Hr. Schlamisky, der hierher kommt, um für seine Familie bessere Lebensbedingungen und Gedankenfreiheit zu suchen, bester sind? Und um unser Ziel zu erreichen, müssen wir sie alle zu uns heranziehen. Wir müsten unfern Stolz bei Seite legen, und wenn man sie auch Hausirer und Schnorrer nennt, wir müsten alle diese Leute aufsuchen, um sie zu den uns'rigen zu machen. Es wäre ein Unrecht, jenen noch in Rußland befindlichen Unglücklichen zu sagen: „bleibt zu Hause, laßt Euch verbannen oder tretet zum Christenthum über!" Wir sagen ihnen: „kommt, kommt Alle, wir wollen Euch über das ganze Land vertheilen und Euch dann selbstständig machen!" Der Allmächtige hat es in Ihre Hand gegeben, Ihren Glaubensbrüdern helfen zu können; und Sie dürfen, wenn Sie einen Beitrag zu diesem Zwecke gewähren, Dies nicht als eine That der Barmherzigkeit ansehen. Ob Sie je nach Ihren Verhältnissen Doll. 100 oder Doll. 3 geben, Sie thun nur Ihre Pflicht. Hr. Wolf prophezeite, daß, ehe noch zwei Jahre vergangen sein würden, die „Allianz" 100,000 Mitglieder zählen würde, deren Jahresbeiträge von je Doll. 3 für alle Zwecke völlig genügen würden. Eine kurze Pause wurde hier in der Sitzung gemacht, und während derselben nahm ein Comit« Zeichnungen für die Zwecke der „Allianz" entgegen. Etwa 60 Personen wurden für dieselbe gewonnen, und die Mehrzahl derselben zeichnete die regelmäßigen Beitreige von je Doll. 3. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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