Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 39-40 (20.5.1891)
- Date
- 1891-05-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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die Rede unseres hochverehrten Rabbiners Herrn Dr. Eschelbach er aus Bruchsal. Die mit Begeisterung für unsere heilige Religion gesprochenen Worte fanden begeisterten Widerhall im Herzen aller Festtheilnehmer. Besonders erwähnenswert!) ist, daß seitens der christlichen Bevölkerung die Theilnahme an dieser Feier eine sehr große war, und legt diese Betheiligung Zeugniß von dem hier herrschenden Geiste der Einigkeit und des Friedens ab. Den Schluß des Festes bildete Samstag Nacht ein Festbankett, das die Festtheilnehmer zum fröhlichen Beisammensein vereinigte. England. London, 19. Mai Unsere Gemeinde verlor eines ihrer geachtetsten und einflußreichsten Mitglieder, Mr. Henry Solomon, Schwiegersohn des sei. Dr. Adler, Chief-Rabbi der das Zeitliche im Alter von 77 Jahren segnete. — Der Dahingegangene war Mitbegründer und Mitvorsteher vieler Wohlthätigkeitsanstalten und Aktien- Gcsellschaften und namentlich ein eifriges Mitglied des Councils der „United Synagogue." n"::iyn. London, 19. Mat. Nachdem das Projekt, eine Riesensynagoge im östlichen Stadttheile zu erbauen, ausgegeben wurde, so scheint auch die theilweise damit im Zusammenhänge stehende Aufnahme eines neuen pn noch vertagt zu werden. Rußland. Moskau, 17. Mai. Wie die russische „Moskauer Zeitung" erfährt, hat das Ministerium des Innern die Provinzialbehörden beauftragt, über die Zahl der Juden, die in beit Städten Rußlands wohnen, sofort Erhebungen zu veranstalten. Personen jüdischer Konfession, die sich im Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen in den tvtädten aufhalteu, sollen nnverweilt nach den Orten ihrer Herkunft befördert werden. Vermischtes. < Berlin. Fürst Bismark als Protektor des Antisemitismus. Im „Buchhändlerbörsenblatt" ist der Verleger einer antisemitischen Zeitschrift, ein Herr Lüstenöder in Berlin, in der Lage, als Empfehlung für dieselbe eine Zuschrift des Fürsten Bismark an den Herausgeber abzudrucken, in welcher Fürst Bismark sein Interesse bekundet und derselben „gutes Gedeihen" wünscht. Paderborn. Bei der dahier stattgefundenen Versammlung des „Volksvereins für das kath. Deutschland, Abtheilung Paderborn", der auch der Weihbischof Dr. Gockel, anwohnte, sprach sich der Generalvikar und Domdechant Herr Dr. Schulte folgendermaßen über den religiösen Frieden aus: „Den Confessionen gegenüber muß der Grundsatz für uns maßgebend sein, daß wir uns mit einander vertragen; jede religiöse Hetze, gleichviel ob sie gegen uns Katholiken, oder gegen evangelische Christen oder auch gegen die Juden gerichtet ist, müssen wir als einen Frevel bezeichnen, welcher die Lehre des Christenthums schwer verletzt". Der Herzogliche Geheime Kabinetsrath Schmidt auf Schloß-Räuden, der vieljährige Vertrauensmann des Herzogs von Ratibor, ist dem „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" beigetreten. Wien. Zu welch' traurigen Ausschreitungen der Antisemitismus in der Schule führt, bewies ein Fall, welcher vor dem Strafrichter des Bezirksgerichts Währing zur Verhandlung kam. Der Maschinenschlosser-Lehrling Simon Färber war in die Gewerbeschule in der Antonigasse in Währing gekommen, als ihn der Schuhmacherlehring Heinrich Edelmüller mit den Worten: „Da kommt er, der jüdische Fallot!" empfing. Aus diese Beleidigung reagirte Färber mit einer Ohrfeige, und darauf stürzten Edelmüller und vier andere Gewerbeschüler unter antisemitischen Schimpsworten ans den Knaben zu und prügelten ihn durch. Ehe sich Färber seiner fünf Angreifer erwehren konnte, fühlte er einen furchtbaren Schmerz im linken Auge — man hatte es ihm mit einem Messer heransgestochen! Der Knabe lag vier Wochen im Spital und ist heute auf dem linken Auge blind. Ta er Edelmüller als Thäter üezeichnete, wurde gegen ihn die Strasamtshandlung eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft trat den Act an das Bezirksgericht Währing ab, und hier erschien Edelmüller als Angeklagter nach §. 411 St. G. Färber gab an, daß er seiner Religion wegen oft und empfindlich von den KameMden in der Schule angefeindet worden sei; Edelmüller leugnete jede Schuld, und da vier Zeugen der That angaben, daß der Angeklagte den Stich mit dem Messer nicht geführt habe, blieb dem Richter nichts Anderes, übrig, als mit einer Freisprechung vorzugehen. Budapest. Der ung. isr. Landes-Lchrerverein gedenkt, anläßlich der 25. Jahreswende seines Bestandes, einen „Waisenfond der jüdischen Lehrer Ungarns" ins Leben zu rufen und richtet an die isr. Konfessionsgemeinden k. einen Aufruf um Spenden zu Gunsten dieses Waisenfonds. „Mit glanbensbrüderlicher Liebe und patriotischem Gruße — heißt es in dem Ausruf — Wender: wir uns an die jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes, an jeden Einzelnen, deni irdische Güter zntheil geworden, an die Pfleger und Erhalter unserer Wohltätigkeitsanstalten, indem wir wiederholt die Bitte aussprcchen: Spendet zu Gunsten des Waisenfonds der ungarischen jüdischen Lehrer! Parts. Herr Alphons Bloch, Mitglied des israelitischen Consistoriums dahier, ist zum Vorsitzenden der Anwaltskammer des AppellationsgerichtshoseZ ernannt worden. - Herr Achilles B r ü h l, der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft der Civil-Jngenieure. ist mit dem Orden der Ehrenlegion dekorirt worden. Petersburg. Zur Verhütung von ungesetzlicher Ansiedelnng von Inden in den Datschengegenderl (Sommerfrischen) ist die Polizei vorn Stadtharrptmarm beauftragt worden, die strengste Kontrolle darüber zu führen, ob die die Datschen be ziehenden Juden die gesetzliche Erlaubniß dafür besitzen. Wochen - Kalender. Donnerstag, 21. Mai, 13. Fjar. 'ircn myn. Freitag, 22. Mai, 14. Jjar. Sabbat-Anfang 7 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 23. Mai, 15. Iar. p~ic Sabbat-Ansgang 8 Uhr 45 Min. (Mainzer Uhr.) Montag, 25. Mai, 17. Jiar. n.\2yn; Dienstag, 26. Mai, l8. Ijar. “iciyp Zerbst Die Abgangsprüsnilgen an der hiesigen Anh. Bauschule fanden am 8. und 9. d. M. vor Herzoglicher Prnfungscommission unter dem Vorsitz des Herrn Regierungs rath Hummel aus Dessau hier statt. Sämmtlichen Candidaten, 21 an der Zahl, konnte das Reisezeugniß ertheill werden.