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Der Israelit · 1891-05-20 · Heft 39-40 (20.5.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 39-40 (20.5.1891)
Date
1891-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxxn. Jahrgang. MSSL4V. Israelit... Jcschuru». Zettsihüst M FSrüerm |i*. «kW M M. fthtis l» Ans. «titiilt MZtzilr Kenlrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. Lehm««« in M«i«H. Mittwoch, den S«. Mai SSSL (18V1). Leitender Artikel. Was Können wir für oftte unalfidtüdicn KrüöernndMeKm In"." tljun? Mainz, 17. Mai. Früh und spät, laut und leise, drängt sich diese Frage jedem Einzelnen, jeder Gemeinde, der ganzen jüdischen Gesammtheit aus. Auch diejenigen, die sich dieser Frage entschlagen, weil sie den Donner nur in der Ferne grollen hören, aber für sich und ihr Haus das Gewitter nicht fürchten, auch diese werden vielleicht in kurzer Zeit sich mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Wenn der Strom der von ihrem Heim Verjagten erst überall hinfluthet, wenn die Geächteten, Geplünderten und Hinausgestoßenen mit ihrem namenlosen Elend an ihren glücklicheren Glaubensgenossen vorüberziehen, dann wird Niemand still stehen bei dem Blute seines Nächsten und die stumm-beredte Frage, die aus jeder Miene dieser Märtyrer spricht: „Was soll aus uns unglücklichen Menschen werden?" wird ein tausendfaches Echo in allen jüdisch schlagenden Herzen finden. Auch derjenige, der sonst kalt und gleichgiltig bleibt bei dem Elend, das er nur in den Zeitungen, aber nicht von Angesicht zu Angesicht sieht, wird aufgerüttelt und auf die wunderbaren Zeichen der Zeit hingewiesen werden, die sich da vor seinen Augen vollziehen. Denn was wir da erleben und nun mit eigenen Augen sehen werden, das kommt oft nach langen Jahrhunderten nicht wieder. Im nächsten Jahre sind genau 400 Jahre seit der Austreibung aller Juden von Spanien und Portugal verstrichen. Vieles haben wir seitdem zu erleiden gehabt. Aber niemals war seither eine allgemeine Vertreibung der Juden in so großem Styl, wie sie jetzt in Rußland sich vollzieht. Wenn diese Märtyrer, zur Auswanderung gezwungen, demnächst an unsere Thüren pochen, so wollen wir sie zunächst in dieser Eigenschaft einführen. Man sagt unserer Zeit nach, daß sie vorzüglich auf körperliche, sinnlich wahrnehmbare Ziele ihr Augenmerk gerichtet und für höhere, geistige Ziele weniger Sinn und Verständniß habe. Den Juden vollends hat man als die verkörperte Gewinnsucht hingestellt, dessen ganzes Sinnen und Trachten in dem Gedanken auf Erwerb und Gewinn aufgehe. Da erscheinen nun diese vertriebenen Männer und Frauen, die Greise und Kinder, Gebildete und Ungebildete als die Retter unserer angegriffenen Ehre. Man hat sie von Haus und Hof verjagt und gönnt ihnen keine Rast und Ruhe, ausgesprochener Maßen lediglich deßhalb, weil sie Juden sind. Wollten sie ihr Judenthum hingeben, wollten sie nur einen andern Glauben heucheln und ihre angestammte religiöse Ueberzeugung nur zum Schein verleugnen, sie könnten in Ruhe und Frieden leben, ohne das thränenreiche Brot des Exils zu essen. Sie standen vor der Wahl: Auf der einen Seite der Verlust aller Güter des Lebens, der Heimath, der Menschenrechte, die Verfolgung, Ausplünderung und Mißhandlung, auf der anderen Seite das Taufbecken. Einige Tropfen Wasser mit etwas Lüge, und alle Schmach, alle Sorge wäre ihnen erspart geblieben. Wären sie die Krämerseelen, als die man sie verleumdet, sie pochten heute nicht an unsere Thüre. Ihr Elend ist ihr Adel, es bezeugt ihnen, daß die ewigen Güter des Geistes und des Herzens ihnen höher standen, als irdische, zeitliche Vortheile, als die unerläßlichsten Bedingungen eines bescheidenen Daseins. Und wenn auch Viele der Versuchung nicht widerstanden, so glänzt die Treue der Treuen, welche die Tausende, Hunderttausende dennoch bewähren, in um so reinerem, strahlenderen Lichte. Wenn irgend Jemand, so haben sie einen Anspruch auf unsere thätige Menschenliebe, sie können verlangen, daß wir eine Antwort auf die Frage suchen und finden, wie hier zu helfen sei. Das Erschütternde, Ntederdrückende aber ist. 5917

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