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Der Israelit · 1891-05-14 · Heft 38 (14.5.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 38 (14.5.1891)
Date
1891-05-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage ,« M 38„Israelit & Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Michelftadt i. O., 3. Mat. Von freisinniger Seite einberufen, fand heute Nachmittag Hierselbst im „Deutschen Haus" eine sehr zahlreich, auch aus Ortschaften der Umgegend, besuchte öffentliche Volksversammlung unter dem Vorsitz des Stat.-Verw. Rink statt. Als erster Redner trat Herr Redacteur Schreibe r-Frankfurt auf, der von den Veranstaltern der Versammlung eingeladen worden war. Der zweite ausführlichere Theil seines Istündigen Vortrages war dem Antisemitismus gewidmet, was um so zeitgemäßer erschien, als Dr. Böckel auf den 24. ^af im benachbarten König eine Versammlung einberufen hat. Mit der Hoffnung, daß recht viele von uns an diesem Tage sich in König Wiedersehen, schloß Redner seine vielfach und besonders am Schluffe von großem Beifall begleiteten Ausführungen. Als zweiter Redner ergänzte Herr Rechtsanwalt Dr. Schädler-Darmftadt die Schreiber'schen Ausführungen über den Antisemitismus nach einigen Richtungen hin. Der Vortrag dieses Redners rief vielfach große Heiterkeit und am Schluffe großen Beifall hervor. Zum Schluffe betonte ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei die Nothwendigkeit, daß alle links stehenden Parteien gegen den Antisemitismus gemeinsam Vorgehen müßten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 4. Mai. In einer der vorwöchentlichen Sitzungen unseres Reichsrathes hat der adelige Abgeordnete Ritter v. Troll sich kühn erbreiftet zu behaupten, daß es eine Thatsache sei, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken benöthigen, eine Behauptung, die die allgemeine Heiterkeit des hohen Hauses hervorrief. Nichtsdestoweniger hat es der hiesige päpstliche Nuntius, Erzbischof Galimberti, nicht unterlassen, das von Baron Rothschild am Samstag Abend gegebene Ballfest mit seiner Gegenwart zu beehren. Da man jedoch nicht glauben kann, daß der Papst seinem Nuntius gestatten wird, einem Feste der Canibalen anzuwohnen , so scheint es, daß man im Vatican selbst schon über das Märchen von den rituellen Morden der Juden lacht, während ein österreichischer Adeliger und Abgeordneter noch fest und steif daran glaubt. Der Antisemitismus macht die Judenfresser nicht nur blind und taub, sondern auch närrisch und verrückt. nny-n -nn« O'v2N Türkei. Smyrna, 19. April, crw ini “in ^>220 wby. „In jedem Zeitalter stehen sie wider uns auf, um uns zu vernichten." Sie werden gewiß schon aus den europäischen Blättern erfahren haben, daß heuer wieder die Griechen hier ^2pI emt — die Mohamedaner lachen zu solchen Märchen — die Beschuldigung gegen uns erhoben haben, daß wir ein Cristenkind gestohlen und abgeschlachtet haben, um dessen Blut benützen zu können. Zugleich wurden hier einige Lithographien vertheilt, welche unseren greisen Qberrabbiner rHs ai-ox 'n Abraham Palaccio, darstellen, wie er mit gezücktem Messer dasteht und die Christenkinder abschlachtet. Unser General-Gouverneur, Halil Rifaat Pascha, 2Dv tp’Nn “iDT, ließ jedoch sogleich diese Bilder eonfisciren und einige Urheber dieser Schauergeschichte verhaften, so daß sich die Aufregung hier wieder gelegt hat. Wir dürfen daher hoffen, daß wir das Paffahfest Heuer ruhig werden feiern können. Die bezeichnkten Lithographien wurden in Athen angefertigt und mit einem Lloyddampfer hierhergeschickt. Die Griechen sind bekanntlich die größten wi» (Judenfresser) und übertreffen sie in dieser Hinsicht sogar ihre Glaubensvettern, die braven Russen und Armenier. Smyrna, 3. Mai. 1889 starb hier der ungarische Emigrant und Kaufmann Simon Stab, der zugleich auch Consul irgend einer südamerikanischen Republik war, und wurde er, da seine Gattin, die Tochter eines österreichischen Generals, angab, ihr Mann sei Protestant gewesen, auf dem hiesigen protestantischen Friedhofe beigesetzt. Jetzt hat sich erst herausaestellt. daß der Verstorbene Jude war und hatteer sein Vaterland Ungarn verlassen müssen, weil er an dem Aufstande daselbst 1848 theilgenommen hatte. Dessen Verwandten wollen nun die Leiche exhumiren lassen, um sie dann auf dem jüdischen Friedhofe beisetzen zu können. Amerika. New-Aork. So unendlich viel auch in hiesiger Stadt für Wohlthätigkeitszwecke jeder Art beigesteuert worden, so läßt sich doch die betrübende Thatsache nicht wegdisputiren, daß unsere Hospitäler nicht genügend Raum haben, um den sich meldenden Patienten Aufnahme zu gewähren. Von dieser Erwägung geleitet, hat ein Philanthrop im wahren Sinne des Wortes, Herr Jonas Weil, die zwar schwierige, aber auch schöne Aufgabe übernommen, einen Fonds zur Errichtung

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