Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 38 (14.5.1891)
- Date
- 1891-05-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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714 aufgeführt. — Die Messe dauerte drei Tage und der Erlös war Lstr. 2700 —, welche Summe vollständig dem Synagogenfond zufällt, indem sämmtliche Verkaufs-Artikel von größeren Geschäftsfirmen an den Bazar als Geschenke verabreicht wurden, (sogar von Amerika und Australien wurden einige Gegenstände hierher gesandt). — Die Hauptgeber waren Messrs. Sainsburz, Meffrs. Lazarus und Rosenseld, Mr. Ludwig Felsenstein, Messr. Abrahamu.Sons—,Marksu.Sons —, Cohn u. Sons —, Lever Brothers —, G. Raphael, Asher Jacobs, H.Wilenski, Miss. Jonas und Miss. Lot heim. Der Eintrittspreis war am ersten Tage 2 Schillinge und 6 Pence und an den anderen 2 Tagen je 1 Schilling, die Anzahl der Besuchenden belief sich am ersten Tage auf ca. 4000. — Die in der Restauration bedienenden jungen Damen, sowie jene in dem orientalischen Kaffeehause waren sämmtlich Töchter aus den angesehensten hiesigen Familien. Diese feinen Kellnerinnen sämmtlich in orientalischer Tracht gekleidet, acceptirten sogar Trinkgelder, welche sie natürlich für den Synagogenfond bestimmten. Das Bazar-Messe-Buch enthielt unter Anderem auch ein von Herrn Dr. Friedländer verfaßtes hebräisches Gedicht. vermischtes. Berlin, 25. April. Der Verfasser der antisemitischen Schmähschrift gegen Kaiser Friedrich, der vom Amte suspendirte Rektor Ahlwardt, stand jüngst vor der Strafkammer unter der Anklage der Unterschlagung. Derselbe hatte als Rektor an die Lehrer die Entschädigung für Ueberstunden im Auftrag der Stadtkaffe ausznzahlen. Durch das eidliche Zeugniß der Lehrerin Thümeke wird derselbe beschuldigt, den ihr schuldigen Betrag von 33 Mk. hinter sich behalten und unter allerlei Ausreden in der Auszahlung verzögert zu haben. Es wird auch der Nachweis geführt, daß A. sich in sehr mißlichen Vermögensverhältniffen befunden hat. Ahlwardt versuchte sich als Opfer seiner antisemitischen Broschüre hinzustellen. Er erzählte eine lange Geschichte, daß man ihm die Auflage seiner Schmähschrift habe abkaufen und ihn dann wegen Erpreffungsversuch habe wollen verhaften lassen. Die Zeugin erklärte, daß sie in Bezug auf ihr Zeugniß von Niemand beeinflußt worden sei und die Aussagen über das Eingeständniß des Ahlwardt schon bei ihrer Vernehmung im Disziplinarverfahren gegen Ahlwardt gemacht habe. Der Vertheidiger des Angeklagten behauptete dagegen, daß in jener Aussage gerade der Passus fehle, daß der Angeklagte das Zugeständniß einer Unterschlagung gemacht habe. — Der Gerichtshof beschloß zunächst die Disziplinarakten des A. von dem Provinzial-Schulkollegium einzufordern. Berlin, 2. Mai. Antisemitische Blätter berichten: Den Gefangenen mosaischer Religion sind von einem hiesigen jüdischen Verein während des diesjährigen Passahfestes rituelle Speisen in das Untersuchungsgefängnis! geschickt worden. In toleranter Weise werden Einwände gegen derartige Beköstigung von den Gefängnißverwaltungen nicht mehr erhoben. Es ist den Herren wohl nur darum zu thun, zu konstatiren, daß im Gefängnitz auch jüdische Gefangene sich befinden. Es paßt dies genau zu dem katzenfreundlichen Wesen dieser Preßerzeugniffe. Elberfdld, 11. Mai. Gestern fand Hierselbst unter Leitung des Verbands-Vorsitzenden Herrn B. Hartmann- Köln a. Rh. der 34. Verbandstag rheinisch-westfälischer Thierschutzvereine statt. — Bezüglich der vom Remscheid er Verbände angeregten Frage über das geeignetste Verfahren beim Schlachten des Großviehes, entspann sich eine lebhafte Debatte, an der sich besonders Fachleute betheiligten. Bei dieser Gelegenheit glaubte sich ein Thierarzt aus Müllheim a. d. Ruhr berufen, eine abfällige Bemerkung über das Schächten machen zu müssen. Recht interessent waren die diesbezüglichen Entgegnungen des Herrn Metzgers und Innungs-Obermeisters F. Spieker-Elberfeld, welcher unter Anderem nachwies, daß die dem Laien aus ästhetischen Gründen so entsetzlich erscheinende Tödtungsart des Schlichtens noch lange nicht die schmerzhafteste sei. — Den sichersten Maßstab für das Schwinden des Bewußtseins gebe das brechende Auge, und es sei Thatsache, daß beim Schächten infolge des gewaltigen Blutverlustes schon nach einigen Sekunden Bewußtlosigkeit eintrete. — Die Ausführungen dieses hierorts hochangesehenen Fachmannes fanden denn auch kein Wort der Entgegnung mehr und hat sich gar mancher der Anwesenden gefreut von solch erfahrener Seite aus einmal ein klares Wort über das so viel verunglimpfte Schächten zu vernehmen. L. E. Trier, 25. April. Die neulich stattgehabte Militär- Aushebung hat mit einem rohen Verbrechen ihren Abschluß gefunden. Zwei Gestellungspflichtige aus dem benachbarten Dorfe Bieloer hatten sich in Trier etwas angetrunken. Als sie nach Biewer zurückgekommen waren, gingen sie dort ins WirthShaus, setzten sich zu einem jüdischen jungen Manne an den Tisch und begannen sogleich ihn wegen seiner Religion zu hänseln. Der anwesende Schuhmachermeister Michael Cartus, ein Greis von 65 Jahren, machte sie auf das Unziemliche ihres Verhaltens aufmerksam. Voll Wuth über diese Mahnung stürzten sich die beiden Kerle auf den alten Mann und schlugen ihn mit ihren Biergläsern nieder. Cartus erlitt einen Schädelbruch, der seinem Leben sofort ein Ende machte. Die beiden Todtschläger wurden unverzüglich verhaftet. Neben dem ^Erzbischof und dem Weihbischof für die Katholiken, dem L-uperintendenten Bartelheim für die Evangelischen, ist an Herrn Rabbiner Dr. Frank für die Juden eine Einladung seitens der Stadt Köln zu dem zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers im Gürzenich gegebenen Festessen ergangen. Ulm. Vor Kurzem starb der seit November 1890 pensionirte Lehrer und Vorsänger Einstein. Derselbe wirkte in 46jähriger segensreicher Thätigkeit an hiesigem Platze; die große Zahl der Theilnehmer am Leichenzug bewies, in welch hohem Maße er sich die Achtung seiner Mitbürger erworben. Kürzlich brach Hierselbst ein großer Brand aus, bei dessen Bewältigung die Feuerwehr äußerst angestrengt arbeiten mußte, so daß mit Freude die zur Hilfelei'iung commandirte Artillcrie-Abtheilung begrüßt wurde. Ein Feuerwehrmann gab diesem Gefühle Ausdruck mit den Worten: „Hurra jetzt ist's recht, jetzt kommt Militz. (Lokalausdruck für Artillerie.) Kaum gesagt saust schon eine gewaltige Ohrfeige auf den Ahnungslosen herab, von seilen eines nicht dienstlichen anwesenden Offiziers mit den Worten: „Wart' Kerl, ich will Dir Militz sagen." Ehe sich der Betroffene von seiner Verblüffung über diesen „schlagenden" Erfolg seiner harmlosen Worte erholt hatte, war der Offizier weg; derselbe kam aber rasch zurück und rief: „Was für ein frecher Jud' hat M i l i tz g e s a g t"? Der Feuerwehrmann, der obigen Ausdruck gebraucht