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Der Israelit · 1891-05-04 · Heft 34-35 (4.5.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 34-35 (4.5.1891)
Date
1891-05-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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644 welche die Contrcbande, die sie deckt, gleich auf den ersten Blick veriäth, doch zu schämen ausiug, machte die 9>oih ersinderisch und man ersann die hannlo,ere, weil siemdariiger klingende Bezeichnung. In der Thal aber hat es Aiuisemiicu gegeben, lauge bevor es Reformjuden gab. Reformjuden gibt es e>st seit wenigen Decennien, aber Judenfeinde schon seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden. In Nr. 22 hat Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann auf dieselbe Erscheinung aufmerksanl gemacht und seine Ausführungen mit folgenden Worten geschlossen: „Aber Steine und Schmug in den Brunnen zu werfen, aus dem mau getrunken hat, ist kein idealer, ist ein ganz häßlicher Zug, auch wenn man den Wurf auf diejenigen zu richten vorgibt, die das Iudeuihum der Väter verlassen haben. D i e F a d e n s ch e i u i g k e i t d i e s e s V o r w a n d e s wurde bereits in Nr. 6 dieser Blätter dargelegt. — Aber daß das Resormjudenthum und seine Anhänger diesem wüsten Treiben durch ihr bloßes Vorhandensein einen solchen Vorwand bieten, ist und bleibt eine beti übende THatsache. Wer daher in Wahrheit dem religiösen und confessionellen Frieden dienen will, muß dem Reformjudenthuin den Krieg erklären." Ans diesen Aeuberungeu kann Niemand folgern, wir hätten diese antisemitischen Flunkereien jemals für Ernst genommen. Wir haben sie eine Lüge genannt und den Beweis dafür sofort erbracht. Die „Allgemeine Zeitung des Jndeuthums", das osficielle Organ des deutschen Neformjndcnthums, widmet uns nichtsdestoweniger „Eine Mahnung", daß alle inneren, religiösen Kämpfe schweigen müssen, bis der Feind, der uns von Außen bedrängt, geschlagen ist. Das sei auch bisher thatsächlich der Fall gewesen. In letzter Zeit sei aber doch, und zwar in Süddeutschland, die Ansicht.laut geworden, als ob der Antiscmitismns bloß gegen das „Reformjndenthnm" gerichtet sei. Dagegen müsse die „Allg. Ztg. d. I." ihre Stimme erheben und ihre orthodoxen Brüder ermahnen, sich „vom Linken" nicht umgarnen zu lassen. Es müsse ihnen ja angst und bange werden, wenn die „Kreuzzeitung" und das „Deutsche Tageblatt" sie im Gegensatz zu den „Reformjuden" loben, wenn sie erklären, daß Stöcker für das orthodoxe Judenthum „wiederholt sehr entschieden eingetrelen", wenn sie bereit sich zeigen, ihnen „entgegenzukommen" und mit ihnen „ernst zu verhandeln". Unsere Orthodoxen wären aber in einem traurigen Jrrthum, wenn sie glaubten, daß sie die wahren Inden nach dem Herzen des Herrn Stöcker seien. Als Beweis wird der „Antisemiten-Katechismus" citirt und das Ganze schließt mit den salbungsvollen Worten: „Kein größeres Gut, sagen unsere alten Weisen, kann Gott, der Herr, seinem Volke geben, als den Frieden. Und Gott verleiht seinem Volke nur dann den Sieg, so deuten sie das schöne Psalmwort, wenn er sein Israel mit Frieden segnet." Wir haben auf diese Mahnung zu erwiedern: Das „Volk", die „Kreuzzeitung" und die „Denisch-Sozialen-Blätter", welche den Antisemitismus als lediglich gegen das Reformjudenthum gerichtet erklären, erscheinen in Berlin und Leipzig, also nicht in Süddeutschland. Von Süddcntschland ans haben wir au dieser Stelle auf dieses Gebühren aufmerksam gemacht und es all absurdum geführt, mit der Bemerkung, cs sei allerdings betrübend, daß das Reformjudenthum durch sein bloßes Vorhandensein Anlaß zu einem solchen Vorwand gäbe. Dieses und nur dieses allein kann die „Allg. Ztg. d. I." zu ihrer Ermahnung veranlaßt haben, nicht aber die Furcht, daß die Orthodoxen sich vom „Linken" umgarnen lassen könnten. Hierüber wird sie gewiß außer Sorge sein, wenn sie noch einmal dasjenige ruhig liest, was wir selber gegen diese Umgarnnng vorbrachten. Die Mahnung, die religiösen Kämpfe ruhen zu lassen, bis der von außen drängende Feind geschlagen ist, erscheint znm mindesten als sehr naiv. Seitdem es Inden gibt, hat es auch Judenfeinde gegeben und eS wird auch allem Anschein nach noch in unabsehbarer Zeit Judenfeinde geben. Somit hätten religiöse Kämpfe in der Vergangenheit und in unabsehbarer Zukunft keine Berechtigung. Um so etwas zu verlangen, muß man schon ein „unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse", oder richtiger, ein intercssenloses für alle jüdische Parteien sein. Wir sind der festen, niinnistößlichen Ansicht, daß alle Stöcker und Krenzzeitungcn der Welt kein so schweres Unglück für uns sind, als unsere eigenen bundesbrüchigen, jüdischen Brüder, welche öffentlich die Satzungen des Judenthnnis mit Füßen treten und sich Reformjuden nennen. Wenn die „Krenzzeitnng" derselben Ansicht ist, so ist das kein Grund für uns, mit dieser, unserer innersten Ueberzengnng, zurückzuhalten. — Die „Krenzzcitnng" hat uns ferner das Zeugniß ansgestellt, daß.unsere Sprache anständiger und weniger anmaßend sei, als die der reformjüdischen Blätter. Ob sie darin Recht hat oder nicht, darüber steht uns kein Urtheil zu, aber angenommen, es verhielte sich wirklich so, so wäre auch das kein Grund, daß es u n s angst und bange zu werden brauche. Ob, wo und wie Herr Stöcker für das orthodoxe Judenthnm eingetrelen ist, ist uns nicht bekannt. Hat er es aber wirklich gethan, ohne Hinterhalt und ohne Nebengedanken, so sprechen wir ihm hiermit unseren verbindlichen Dank dafür aus. Auch Bileam ist für das orthodoxe Judenthum — cs gab damals-'kcin anderes — cingetreten. Wir wissen, daß er nur mit dem Munde dafür eingetreten ist, daß sein Herz aber nicht dabei war. Und dennoch möchten wir die herrlichen Worte nicht missen, die wir ihm verdanken und

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