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Der Israelit · 1891-05-04 · Heft 34-35 (4.5.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 34-35 (4.5.1891)
Date
1891-05-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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611 Feuilleton. -> Koke Kreise. -4- Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Schluß.) „Massel tow, massel tow", tönte es durch die Büsche und während die Verlobten rasch anseinandcrfnhren, trat Bclla's Großvater aus einein Seitenwege. Bella flog ihm an den Hals und Arthur reichte ihm freudig die Hand. Er aber sprach: „Gott segne Euch, meine Kinder! Ich habe Deine Frage gehört, Arthur und Deine Antwort vernommen, meine Bella. Vertrauet ans Gott, Er wird Euch helfen, Eure Liebe schützen und Euch das Glück finden lassen, welches Ihr verdient. Kommet mit zum Vater, theilet ihm die frohe Botschaft mit, damit er Euch segne wie ich, damit auch ihm die Freude einen Lichtstrahl spende in der Nacht des Unglücks, die ihn umhüllt." Also sprechend, nahm er Bclla's Hand in seine Rechte, Arthur ergriff seine Linke und so gingen sie den: Hause zu. Das Jahr, welches der Eommerzienrath dem Herrn von Zobcltitz als Frist gegeben hatte, nach welcher er seine Werbung wiederholen durfte, war vorüber, aber weder Herr von Zobeltitz, noch sein Vater waren erschienen, um die Angelegenheit zu ordnen. Auch von dem Gelde, welches Herr Levi vorgcschossen hatte, hatte er nichts erhalten; weder Kapital, noch Zinsen waren bezahlt worden. Er ließ deßhalb den Herrn Baron ermahnen, daß der Wechsel verfallen sei und er um Regulirung bitten müsse. Am folgenden Tage erhielt der Commerzienrath folgendes Billet: Herrn Eommerzienrath Levi, Wohlgeboren. Ihren Brief habe erhalten und bin sehr erstaunt über dessen Inhalt. Sie gaben mir s. Z. 60,000 Mark zur Schadloshaltnng dafür, daß Sie von unserem gegenseitigen Abkommen znrückgetreten sind. Seitdem haben sich die Umstände geändert und mit Bedauern muß Ihnen mittheileii, daß Sie gut thnn, wenn Sie von jedem Versuch, Eintritt in unsere Kreise zu erhalten, absehen. Unsere Kreise bleiben Ihnen verschlossen, denn — Hier zerriß Herr Levi den Brief; er wollte nichts weiter lesen und sich ärgern. Und da er mit diesen Herren ans „hohen Kreisen" nichts mehr zu thun haben wollte , zerriß er auch die Wechsel des Herrn von Zobcltitz. Als die Gläubiger des Barons erfahren hatten, daß die beabsichtigte Heirath zwischen dem Sohne des Barons und der Tochter des Eommerzienrathcs sich zerschlagen habe, meldeten sie sich von allen Seiten, und da sie nicht befriedigt werden konnten, wurde das Conenrsverfahren über das Vermögen der v. Zobeltitz eröffnet. Vater und Sohn waren zuvor ausgewandert, um in Australien ein neues Leben zu beginnen. Auch im Hanse des Commerzienrathes traten Veränderungen ein. Da sich Herr Levi nicht stark genug mehr fühlte, dem großen Geschäfte allein vorznstehen, entschloß er sich, einen Eompagnon anznnehmen, der die Arbeit und Verantwortlichkeit mit ihm theile. Wer konnte ihm willkommener sein, als Arthur, der Verlobte seiner Tochter! Arthur verkaufte seine Advokatur und wurde Theilhaber der Firma. Bella hielt ihr Wort. Sie pflegte ihre Mutter mit unendlicher Liebe und Aufopferung und versuchte so deren schreckliches Los zu mildern. Wenn ihr Vater und ihr Großvater sie baten, sie möge sich doch etwas schonen und einen Theil der Pflege der Wärterin überlassen, sprach sie: „So lange ich kann, wird kein Fremder mein Mütterchen pflegen. Möge der liebe Gott mir sie noch lange erhalten und mir dadurch Gelegenheit geben, Sein heiliges Gebot: „Ehre Vater und Mutter", so erfüllen zu können, wie cs meine Kindespflicht erfordert." Aber ihr Wunsch ging nicht in Erfüllung. Eines Tages fand sie ihr Mütterchen im Sessel eingeschlafen; friedlich war sie hinübergeschlummert in jenen Schlaf, von dem cs kein Erwachen gibt. Bellas Schmerz war grenzenlos! Wenn etwas sie trösten konnte, so war cs das Bewußtsein, ihre Pflicht erfüllt zu haben. Die ganze israelitische Gemeinde nahm innigen Antheil an der Trauer, die in das Haus ihres Vorstehers eingezogen war. Als die Trauertage um waren, verlangte der Arzt, daß Bella sich erhole und schlug eine Reise in die Schweiz vor. FünfJahre sind seitdem verflossen. Wiederum steht das Hans Herrn Eommerzienrathes in Hellem Lichterglanz; wiederum wird ein Fest gefeiert; wiederum haben sich die Säle mit Gästen gefüllt, die in ungezwungener Unterhaltung miteinander verkehren. Der Gastgeber, Dr. Arthur Willig, und seine Frau, Bella, haben für Jeden ein freundliches Wort und warten mit Spannung auf das Erscheinen des Urgroßvaters, der heute seinen achtzigsten Geburtstag in jugendlicher Frische und Rüstigkeit begeht. Ein kleiner Knabe von drei Jahren, ganz das Ebenbild des Vaters, stürzt ans diesen zu und ruft: „Papa, Troßtroßpapa und Troßpapa kommen eben." Da traten sie auch schon ein, Vater und Sohn, Arm in Arm und wurden mit gleicher Herzlichkeit

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